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Brandanschlag in Vorra Baumängel sollten vertuscht werden

Eineinhalb Jahre nach dem Brandanschlag auf das geplante Flüchtlingsheim von Vorra hat die Polizei zwei Mitarbeiter der Baufirma festgenommen: Sie wollten mit der Zerstörung Baumängel verdecken, so der Vorwurf.

Von: Andreas Schuster

Stand: 24.06.2016

Bei den beiden mutmaßlichen Tätern handelt es sich demnach um zwei Männer im Alter von 42 und 50 Jahren. Sie stammen aus dem Kosovo. Der Ältere der beiden ist Inhaber einer Baufirma, die an der Sanierung der geplanten Asylbewerberunterkunft beteiligt war. Der Jüngere war einer seiner Mitarbeiter.

Der Firma drohte Ruin

Ihr Motiv: Bei einer Baubegehung der geplanten Flüchtlingsunterkünfte wurden "unüberbrückbare bau- und brandschutzrechtliche Mängel" festgestellt, so Polizeisprecher Johann Rast. Da diese bis zur Fristsetzung nicht hätten beseitigt werden können, drohten der Baufirma Zusatzkosten in Höhe von mehreren 100.000 Euro. Diese hätten den wirtschaftlichen Ruin für das Unternehmen bedeutet. Den Ermittlungen zufolge schrieb die Firma ohnehin schon rote Zahlen.

Die Polizei geht folglich davon aus, dass die Brandstiftung erfolgte, um die Baumängel zu verdecken. In der Nacht zum 12. Dezember 2014 sollen die beiden Männer den umgebauten Gasthof samt Scheune sowie ein frisch renoviertes Wohnhaus in Brand gesteckt haben. Auf ein Nebengebäude sollen sie ein Hakenkreuz und eine ausländerfeindliche Parole gesprüht haben.

"Mit den Schmierereien sollten wir auf eine falsche Spur gelockt werden."

Norbert Ditzel, Kriminalhauptkommissar

Der Plan ging zunächst auf. In der Nähe von Vorra liegt ein Grundstück, das Rechtsextreme des mittlerweile verbotenen Zusammenschlusses "Freies Netz Süd" für Feiern nutzten. Die Polizei durchsuchte nach dem Brandanschlag das Gelände, fand aber keine Hinweise auf die Tat. Auch andere regional bekannte Rechtsextreme wurden ergebnislos überprüft.

1.300 Vernehmungen, 120 Spuren

Insgesamt führte die Polizei in eineinhalb Jahren 1.300 Vernehmungen durch und ging 120 Spuren nach. Sechs Wochen lang besetzte ein Polizist im Rathaus von Vorra ein Büro und sammelte Hinweise der Bevölkerung. Für den Durchbruch bei den Ermittlungen sorgte dann ein Zeuge. Er hatte im April den bereits bestehenden Tatverdacht gegen die Baufirma erhärtet.

Den Brandschaden in Höhe von rund einer Million Euro bezahlte die Versicherung. Der Eigentümer beauftragte mit diesem Geld die für den Brandschutz zuständige Firma, die den Schaden beseitigen sollte. Derzeit gebe es keine Hinweise, dass der Eigentümer der Gebäude in die Tat verwickelt sei, so die Polizei.

Verdächtige gestehen nicht

Polizei-Pressekonferenz der Sonderkommission "Vorra" mit weiteren Details zu den Tatverdächtigen

Laut Polizei unterscheidet sich die Brandstiftung von Vorra deutlich von Brandstiftungen mit rechtsextremen Hintergrund. Im Fall von Vorra sei nicht die Botschaft im Vordergrund gestanden, sondern die "vollkommene Zerstörung", so Norbert Ditzel, stellvertretender Leiter der Soko Vorra. Die beiden mutmaßlichen Täter sitzen in Untersuchungshaft. Bislang streiten sie die Vorwürfe ab.


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Wundersam, Samstag, 25.Juni, 13:29 Uhr

13. Verhältnismäßigkeit

Sonderkommission, 1.200 befragte Zeugen...

Wenn irgendwo eingebrochen wird, wird nicht mehr ermittelt, sondern nur noch das ganze zu Protokoll genommen für die Statistik. Wer also Opfer eines Einbruchs wurde, kaufe sich am besten eine Spraydose und schmiere ein Hakenkreuz an sein Haus. Vielleicht wird dann die Polizei tätig und es kommen eventuell sogar ein paar Politiker und Journalisten vorbei, die ihre Betroffenheit äußern...

tilli, Freitag, 24.Juni, 20:04 Uhr

12. baumängel sollten vertuscht werden

das würde ich jetzt auch sagen, wird hier versucht auf diese Art zu vertuschen, das es ein Anschlag gegen Asylanten ist. jetzt wird behauptet die Baufirma war schuld. das ist doch eine getürkte Sache.

  • Antwort von dildoldi, Samstag, 25.Juni, 07:56 Uhr

    Aber als von pöhsen Rechtsextremisten landauf, landab berichtet wurde, da war alles paletti, weil bei irgendwelchen Nazi - Attacken ja immer vertuscht wird, oder wie oder was ? Meine Güte ! Was kümmert mich die Realität, wenn ich die richtige Einstellung habe !

    MfG

birkhahn, Freitag, 24.Juni, 18:11 Uhr

11. Vorra

Schön das der BR darüber berichtet. Das ist leider nicht mehr selbstverständlich.
Herr Kleber vom ZDF und seine Brüder und Schwestern im Geiste sollten mal nachlesen was sie damals erzählt und geschrieben haben. Einfach an den Haaren herbeigezogen, ohne Indizien oder gar Beweisen. Dazu fehlt ihnen wohl der Mut bzw. der Charakter.

Snuggle, Freitag, 24.Juni, 17:46 Uhr

10. Hysterie

Hysterie macht sich breit. In den Medien, in der Politik und auch in den Familien. Jedes Haus was brennt, jeder Asylbewerber der mal aus dem Rahmen fällt ist dann ein gefundenes Fressen. Das wird noch schlimmer werden weil sich alle gegenseitig hochköcheln. Nutznießer wird allein die AfD sein. Denke nicht das die CSU daraus noch Kapital schlagen wird so wie Seehofer sich das wohl erhofft von seinen Äußerungen ausgehend. Er hat die Hysterie Spirale nur noch schneller gedreht und seinen Teil zu den AfD Erfolgen beigetragen. Soviel dann zu "Berlin ist an allem Schuld".

Maria José Blumen, Freitag, 24.Juni, 17:38 Uhr

9. Sich schämen ist den Medien fremd

Es ist löblich dass die Tat im nachhinein doch noch mal in der Darstellung korrigiert wird. Normalerweise müsste jetzt bei den Medien eine Rechercheaktion losrollen um herauszufinden ob bei anderen Wohnheimszündelein nicht auch noch andere Motivationen zu Tage treten könnten. Bestimmt wird aber einfach nur weiter auf der Nazi-welle geritten.
Es gibt Neo-Nazis in Deutschland - kein Zweifel - doch die sind bestimmt nicht unser Problem und werden auch in der Zukunft nicht unser Problem werden.
Schliesslich sterben die Ostdeutschen ja aus und mit dem Rest Deutschlands scheint es ja demographisch auch nicht weit her zu sein, also wird sich das Problem rein demographisch von selbst regeln.