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Konkurrenz um Wohnraum Auch "Fehlbeleger" leiden an der Wohnungsnot

Immer mehr anerkannte Flüchtlinge leben in Gemeinschaftsunterkünften, weil sie keine bezahlbaren Wohnungen finden. Viele Städte suchen Lösungen für diese sogenannten "Fehlbeleger". In Nürnberg sind derzeit mehr als 1.700 Flüchtlinge betroffen.

Stand: 29.12.2016

Wohnungsanzeige und ein Stift (Symbol) | Bild: picture-alliance/dpa

In Nürnberg sind mehr als 1.700 der 8.400 Flüchtlinge "Fehlbeleger" – fast 20 Prozent. So hoch ist der Anteil nach Angaben des Sozialministeriums auch im Rest Bayerns. Sie wohnen noch immer in Gemeinschaftsunterkünften, einige sogar in Turnhallen, obwohl sie eigentlich in eine eigene Wohnung umziehen dürften. Der vielerorts angespannte Wohnungsmarkt sorgt dafür, dass die Flüchtlinge keine bezahlbaren Wohnungen finden. Diese – in der Amtssprache "Fehlbeleger" genannten – anerkannten Flüchtlinge konkurrieren mit Alleinerziehenden, Arbeitslosen und sozial Schwachen um eine Wohnung.

Überhöhte Kosten belasten Städte

Einige Vermieter versuchen Profit aus der Situation zu schlagen: Manche Betreiber von Flüchtlingsunterkünften erhöben hohe Gebühren, so Bernd Mesovic von der Hilfsorganisation Pro Asyl: "Wenn das Miete wäre, wäre das zigfacher Wucher. Sicher wäre es auch für uns als Steuerzahler günstiger, wenn sich da schnell etwas bewegen würde."

Flüchtling mit Arbeit muss Kosten selbst tragen

Sobald Flüchtlinge ein Bleiberecht haben, fallen die meisten in die Zuständigkeit der Jobcenter. Wenn sie arbeitslos sind, muss das Amt die Unterkunft zahlen. Nach Angaben des Chefs des Nürnberger Sozialamtes, Dieter Maly, sind das in Nürnberg "leicht 600 bis 700 Euro im Monat. Der Richtwert von 450 Euro pro Einpersonenhaushalt wird in der Gemeinschaftsunterkunft deutlich übertroffen." Hat ein Flüchtling Bleiberecht und einen Job, muss er die Kosten für die Gemeinschaftsunterkunft aber selbst tragen. "Für viele lohnt sich das Arbeiten daher nicht", sagt Maly.

Keine Privatssphäre und kein Kontakt zu Einheimischen

Oft kann den Flüchtlingen niemand sagen, wann sie aus den Sammelunterkünften ausziehen können. Das sorgt für Frust. Viele der Flüchtlinge bräuchten dringend Rückzugsraum, weil sie psychisch angeschlagen sind, so Bernd Mesovic. Sie kommen aber nicht zur Ruhe, haben Konzentrationsprobleme in den Sprachkursen oder in der Schule.

Zudem gibt es in großen Heimen mit mehreren Hundert Menschen oft Konflikte. Wie Mitra Sharifi, der Vorsitzende der bayerischen Ausländerbeiräte feststellt, "brodelt es" dort. "Da entstehen gruppendynamische Prozesse, die nicht positiv sind." Kontakte zwischen Einheimischen und Flüchtlingen, die eine Akzeptanz fördern könnten, sind selten. Das sieht auch Dieter Maly so. Eine Befragung unter 300 Flüchtlingen in Unterkünften der Stadt Nürnberg habe ergeben, dass mehr als die Hälfte der Bewohner keinerlei Kontakte zu Einheimischen habe.

"In der Gemeinschaftsunterkunft findet der Abend und das gesamte Wochenende unter seinesgleichen statt."

Dieter Maly, Chef des Nürnberger Sozialamts

Programmhinweis

  • zur Sendungshomepage Regionalnachrichten Franken von 6.00 bis 18.00 Uhr, jeweils zur halben und zur vollen Stunde, Bayern 1

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