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AfD-Jugend Nürnberg Vorstand tritt zurück – Kontakte zu Rechtsextremen

Riccardo P., ein Vorstandsmitglied der AfD-Jugendorganisation "Junge Alternative Nürnberg", ist von seinem Posten als Schriftführer zurückgetreten. Zuvor war bekannt geworden, dass er Kontakte zur rechtsextremen Szene hat.

Stand: 30.03.2017

Riccardo P. | Bild: BR

Den Rücktritt von Riccardo P. teilte die "Junge Alternative Nürnberg" (JA) in einem Facebook-Post mit. Demnach könne er das Amt aus "privaten Gründen nicht mehr ausführen". Der Kreisverband der "Jungen Alternative Nürnberg" (JA) hat sich im Dezember 2016 gegründet. In den Vorstand wurden fünf Personen gewählt, darunter Riccardo P. als Schriftführer.

Wie BR-Recherchen belegen, nahm P. im Jahr 2012 an Aufmärschen der rechtsextremen Szene in Franken teil. Bei einer Demonstration der NPD-Jugendorganisation in Coburg trug er sogar die Fahne der Jungen Nationaldemokraten. Bei einer weiteren rechtsextremen Kundgebung in Coburg trat P. mit einem T-Shirt der Kameradschaft "Division Franken" auf und hielt die Fahne des Nürnberger NPD-Kreisverbandes. Die Neonazis forderten damals Freiheit für den inhaftierten Holocaust-Leugner Horst Mahler und "alle Nationalisten".

Kunde bei rechtsextremen Versandhandel

Schon 2011 war P. Kunde bei einem rechtsextremen Online-Shop aus Sachsen. Dies belegen gehackte Kundendaten, die von Aktivisten des Web-Kollektivs Anonymous veröffentlicht wurden. Der Versandhandel bietet Reichkriegsfahnen, "Nazi Tank Tops" und Propagandamaterial an und wird im sächsischen Verfassungsschutzbericht erwähnt. Bilder, die dem BR vorliegen, zeigen, dass P. bis Mitte 2014 Kontakt mit Kadern der NPD-Jugend und Aktivisten der Nürnberger "Bürgerinitiative Ausländerstopp" pflegte. Noch heute ist der Nachwuchspolitiker mit bayerischen NPD-Funktionären in sozialen Netzwerken befreundet. Der Landesvorstand distanziert sich auf BR-Anfrage von Riccardo P.

"Die Mitgliedschaft und die besondere Nähe zu rechtsextremen Vereinigungen auch in der Vergangenheit und die Mitgliedschaft in der Jungen Alternative Bayern schließen sich bereits satzungsmäßig, aber auch nach unserer, die Freiheitlich-Demokratische-Grundordnung eindeutig bejahenden Programmatik, vollständig aus."

Aus der Stellungnahme des Landesvorstands der Jungen Alternative

Der Landesverband ist nach der BR-Anfrage eigenen Angaben zufolge "unverzüglich zusammengetreten", um mögliche Konsequenzen zu ziehen. Riccardo P. selbst wollte keine Stellungnahme abgeben. Ein zunächst vereinbartes Interview mit dem BR sagte der Jungfunktionär wieder ab.


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