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Tierschutz am Schlachthof Weiter Missstände in Bayern

Immer wieder Probleme bei der Betäubung von Schweinen: Im vergangenen Jahr haben BR Recherche und Süddeutsche Zeitung teils gravierende Tierschutzverstöße an bayerischen Schlachthöfen öffentlich gemacht. Ministerin Ulrike Scharf kündigte Nach-und Sonderkontrollen an. Jetzt liegen erste Ergebnisse vor.

Von: Eva Achinger

Stand: 16.02.2017

Schlachten von Schweinen | Bild: picture-alliance/dpa

In welchem Schlachthof die Spezialeinheit war, teilt das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, kurz LGL, nicht mit. Aber es schreibt: Die Kontrolle war unangekündigt.

Schlachtschweine im Wartestand

Und es gebe erhebliche Mängel bei der Betäubung von Schweinen vor der Schlachtung. Weiter heißt es auf Anfrage: In Einzelfällen hätten Mitarbeiter des Betriebs die unzureichende Betäubung nicht erkannt und dementsprechend keine Nachbetäubung durchgeführt.

In der Tierschutzschlachtverordnung ist klar formuliert, dass ein Schwein vor der Schlachtung betäubt werden muss, damit es die Schlachtarbeiten nicht zu spüren bekommt. Das Fazit der ersten Sonderkontrolle legt nahe, dass der Schlachthofalltag anders aussieht:

"Schmerzen der Tiere können nicht sicher ausgeschlossen werden."

Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Ulrike Scharf, bayerische Verbraucherschutzministerin

Verbraucherschutzministerin Ulrike Scharf hatte Ende vergangenen Jahres die Spezialeinheit des LGL mit Sonderkontrollen zum Tierschutz beauftragt.  Im Laufe des Jahres sollen insgesamt 30 große bayerische Schlachtbetriebe kontrolliert werden. Das „Sonderkontrollprojekt Tierschutz“ ist eine Reaktion auf gravierende Tierschutzprobleme, die im vergangenen Jahr bekannt geworden sind.

Immer noch Probleme

Unter anderem hatte eine Studie einer ehemaligen Mitarbeiterin des LGL offen gelegt: In insgesamt 19 untersuchten bayerischen Betrieben gab es bei jedem vierten Schwein Probleme mit der elektrischen Betäubung. Ministerin Ulrike Scharf hatte daraufhin betont, dass die zuständigen Behörden die Mängel "ausnahmslos“ und "nachhaltig“ abzustellen hätten. Die Ergebnisse der Nachkontrollen durch örtliche Behörden im Oktober und November 2016 zeigten, dass dies nicht gelungen ist: Drei von zehn Schlachthöfen sind auch bei den Nachkontrollen durch "gravierende“ Mängel erneut aufgefallen. 


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Gerlach, Martina, Donnerstag, 23.Februar, 14:06 Uhr

15. Video-Überwachung in allen Schlachthöfen ist unerlässlich!

Schlachten kommt leider auch in Deutschland viel zu oft dem grausamen inakzeptablen betäubungslosem Schächten gleich, welches unter Religionsvorwänden zugestanden/praktiziert wird. Für die betroffenen Tiere ist es egal unter welchem Vorwand oder durch welche Nachlässigkeit von Menschen oder defekte Technik sie - für uns unvorstellbar - grausam leiden müssen, nicht selten bei vollem Bewusstsein zerlegt werden. Kein Mensch möchte am eigenen Leibe das erdulden müssen, was täglich zigtausenden fühlenden, leidenden denkenden Tieren - auch Schweinen - angetan wird. Trotzdem stößt die bitter nötige Forderung nach EU-weiter Video-Überwachung auf allen Schlachthöfen - vom Entladen bis zum Zerlegen - immer noch auf Ablehnung. Nicht nachvollziehbar. Ich habe, so weit so etwas überhaupt möglich ist, das grausame Problem für mich/uns gelost: Wir wurden Veganer, um nicht länger an solchen Verbrechen beteiligt zu sein. Ich wünsche mir glückliche Schweine bis an ihr natürliches Lebensende.

Eckard Wendt, Sonntag, 19.Februar, 16:40 Uhr

14. Tierschutz am Schlachthof

Vielen Dank, dass sich der BR des leidigen Themas angenommen hat.
Hauptübel ist der Akkorddruck in den Großschlachtereien. Mitverantwortlich ist aber auch die Tatsache, dass sehr oft Niedriglohn-Kräfte aus Südosteuropa die Drecksarbeit des Betäubens und des „Stechens“ vornehmen, kaum ein Deutscher bereit ist, zu solchen Löhnen im Akkord zu töten.
Der Konkurrenzdruck unter den Schlachtbetrieben sowie die profitgeile Unternehmensführung kommen verschärfend hinzu.
Leider gibt es nur noch wenige kleine, örtliche Schlachtereien, bei denen der Inhaber und seine Angestellten für ihr Handeln persönlich geradestehen und den Kunden aus dem Umfeld in die Augen sehen können müssen.
Wer aus seiner „Geiz ist geil!“—Mentalität heraus nur nach anonymen Billig- und Sonderangeboten giert, macht sich mitschuldig am schrecklichen Leiden der Nutztiere, ja, er stiftet sogar dazu an!
Eckard Wendt, Vorsitzender, Arbeitsgemeinschaft für artgerechte Nutztierhaltung e.V., www.agfan.org

Thomas Bachmeier , Freitag, 17.Februar, 14:17 Uhr

13. Bürgerentscheid zum Regionalschlachthof in Atting

In der Gemeinde Atting, LKr. Straubing-Bogen, findet am Sonntag, 19.02., ein Bürgerentscheid zum Thema "Ansiedlung eines Regionalschlachthofes" statt. Eine Firma aus Straßkirchem möchte in der Nähe des Flugplatzes Wallmühle einen "Regionalschlachthof" errichten. Viele Bürger sind gegen die Ansiedlung! Deshalb können die Bürger am Sonntag entscheiden, ob sich der Regionalschlachthof dort ansiedeln darf. Der Gemeinde Atting geht es finanziell sehr gut, es besteht überhaupt kein Grund, solch ein negativ besetztes Gewerbe zuzulassen. Der Standort ist für einen Schlachthof ungeeignet. Mir ist nicht klar, weshalb die Gemeinde Atting dieses Gewerbe ansiedeln will. Es gibt in Atting praktisch keine Arbeitslosigkeit, die Finanzen sind in Ordnung, der Flugplatz und die Betriebe am Flugplatz laufen hervorragend. Mit einem Schlachthof holt man sich ohne Not viele Probleme in die Gemeinde. Die Bürger können dies verhindern. Nein zum Schlachthof!

  • Antwort von Eckard Wendt, AGfaN e.V., Sonntag, 19.Februar, 17:13 Uhr

    Sehr geehrter Herr Bachmeier!
    damit keine Missverständnisse aufkommen. Ich bin nicht nur bekennender Fleischesser, sondern habe meine Legehennen und Masthühner auch selber geschlachtet.
    Ihre Argumentation hört sich ganz nach „Fleisch ja, aber Schlachtung (und Produktion?) nur ja nicht bei mir in der Nähe!“ Befürchten Sie, dass Sie womöglich keinen Bissen Fleisch mehr herunterbekommen, wenn Sie mit ansehen müssen, wie lebende Tiere in die Schlachtstätte hineingefahren werden?
    Ich meine, dass jeder, der Fleisch und Fleischprodukte isst, zumindest einmal einer Schlachtung zugesehen haben sollte.

Friedl, Donnerstag, 16.Februar, 16:25 Uhr

12.

Bei den Betrieben war unter anderem auch ein Bio-Schlachtbetrieb dabei. Fakt ist, dass eine hundertprozentige Sicherheit nur Betäubungskammer liefern, in die die Schlachttiere hinabgelassen und mit Kohlendioxid betäubt werden. Diese Gruben gibt es aber nur in Großschlachtereien. Das Betäuben mit dem Stromstoß soll eine Art epileptischer Schock erzeugen. Der richtige Sitz der Zange hinter dem Ohr ist Übungssache und funktioniert nicht in jedem Fall einwandfrei. Es werden aber keine Schweine bei Bewusstsein gestochen oder fahren in den Brühtunnel mit 65 Grad heißem Wasser ein. Die Grünen meinen, dass die Tiere unnötig gequält werden, die freien Wähler wollen Bußgelder und die Ministerin will für die Kontrolle für Großbetriebe eine spezielle Behörde.

B. Sachse, Donnerstag, 16.Februar, 15:34 Uhr

11. Ach du lieber Augustin...

Der allgemeine Niedergang ist hier besonders sichtbar geworden. Wovor früher jeder Firmenchef eine Heidenangst hatte, nämlich vor Ansehens-Verlust, spielt heutzutage keine Rolle mehr. "Geld stinkt nicht" und der Mammon regiert die Gesellschaft. Man könnte auch anfügen, "ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert"... Bei Bayern-Ei hat man das bereits zur Genüge gesehen, wie auch in diesen Fällen...

  • Antwort von Hans, Donnerstag, 16.Februar, 17:33 Uhr

    Dann wird man künftig eben auf Wurst und Fleisch verzichten müssen, ebenso auf Eier. Die Auflagen sind so hoch, dass der normale Metzgereibetrieb nur noch in Gemeinschaften im Schlachthof schlachten kann. Kaufste bei Bio, haste glückliche Schweine von der Wiese?