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DIW-Studie Millionen Beschäftigte verdienen weniger als den Mindestlohn

Obwohl der Mindestlohn im Januar 2015 eingeführt wurde, verdienen mehrere Millionen Menschen in Deutschland weniger als gesetzlich vorgeschrieben. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Verbessert hat sich die Lage vieler Geringverdiener trotzdem.

Von: Wolfgang Kerler

Stand: 06.12.2017

Mindestlohn 8.50 Euro | Bild: BR/Thomas Schmidt

Direkt nach der Einführung des Mindestlohns im Januar 2015 verdienten noch 2,1 Millionen Menschen weniger als die gesetzlichen vorgeschriebenen 8,50 Euro pro Stunde. Im ersten Halbjahr 2016 bekamen noch rund 1,8 Millionen Menschen weniger als ihnen zustand. Zu diesem Ergebnis kommt zumindest das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung.

Andere Quellen - andere Zahlen

Bisherige Schätzungen für die Bundesregierung gingen von deutlich weniger Betroffenen aus. Für das Jahr 2016 kam die von der Regierung eingesetzte Mindestlohnkommission auf nur 1,1 Millionen Menschen, die trotz ihres Anspruchs einen Stundenlohn von unter 8,50 Euro erhielten.

Oft werden Überstunden nicht bezahlt

Die auseinanderklaffenden Zahlen lassen sich laut DIW durch die unterschiedliche Datengrundlage der beiden Erhebungen erklären: Während die Mindestlohnkommission auf die Angaben der Unternehmen zurückgreift, befragte das DIW die Beschäftigten selbst im Rahmen des "sozio-ökonomischen Panels". Jedes Jahr machen dafür Menschen aus ungefähr 15.000 Haushalten Angaben über ihr Einkommen und ihre Arbeitszeit.

Noch schlechter fällt die Bilanz nach der neuen Studie des DIW aus, wenn man auch die unbezahlten Überstunden berücksichtigt, die viele Arbeitnehmer jeden Tag leisten: Wird die tatsächliche Arbeitszeit betrachtet, verdienen ungefähr 2,6 Millionen Erwerbstätige weniger als den Mindestlohn von 8,50 Euro.

Besonders häufig betroffen sind Frauen, geringfügig Beschäftigte, Mitarbeiter in kleinen Firmen und Arbeitnehmer in Ostdeutschland.

DIW: Zoll hat nicht genügen Kapazitäten für Kontrollen

Aus Sicht des DIW könnte der Staat die Kontrolle des Mindestlohns noch verbessern. "Der Zoll als zuständige Behörde hat im Moment nicht genug Kapazitäten", sagt die DIW-Expertin Alexandra Fedorets. "Außerdem wäre die Vereinfachung der Beschwerdemöglichkeiten ein guter Weg, damit Arbeitnehmer ihr Recht auf den Mindestlohn besser durchsetzen können."

Trotz dieser Mängel stellt das DIW auch deutliche Verbesserungen durch den Mindestlohn fest: Während die Einkommen im Niedriglohnsektor vor dessen Einführung oft besonders langsam anstiegen, fiel das Plus dort zuletzt besonders kräftig aus.


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Kommentare

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Wanda, Mittwoch, 06.Dezember, 15:22 Uhr

6. Lüge

Soviel zur ständigen Wiederholung unserer Unions- und FDP-Politiker: Deutschland gehe es sehr gut...

  • Antwort von Erich , Mittwoch, 06.Dezember, 16:24 Uhr

    Hauptsache die Steuereinnahmen sprudeln!

Barbara, Mittwoch, 06.Dezember, 14:42 Uhr

5. Was nützt es, wenn die Menschen alle "beschäftigt" sind,

aber von dem bißchen Einkommen nicht leben und keine Rente erzielen können? Die Folge ist, daß es Millionen Armuts-Rentner gibt, die weniger als 500 € Rente haben.

  • Antwort von latte e mielle, Mittwoch, 06.Dezember, 15:35 Uhr

    @barbara
    im "milch u,honig-land" hilft ....... aufstocken,aufstocken.......alternativ hilft das jeweilige pfarramt gerne.
    das letztere aus purer christlichen nächstenliebe,versteht sich.:-)))))

  • Antwort von latte e mielle, Mittwoch, 06.Dezember, 15:42 Uhr

    wer weniger verdient als der gesetzliche mindestlohn (sklavenlohn) der ist in der sozialen - hängematte besser aufgehoben.
    in dem fall lohnt arbeit absolut nicht.

Squareman, Mittwoch, 06.Dezember, 12:39 Uhr

4. Politsch gewollt

Das die Zahl derer die nichtmal den Mindestlohn bekommen so hoch ist liegt an fehlenden Kontrollen, und das ist politisch gewollt. Während Politiker und Manager bei ihrem Einkommen keine Sorgen machen müssen, selbst wenn sie Nieten sind, geht es beim Mindestlohn um das Existenzminimum. Da muß man anscheinend nicht so genau hinsehen.

fjodor k., Mittwoch, 06.Dezember, 12:30 Uhr

3. Ach was?

Say what? Dieses System muß weg...

Isabell Speidel, Mittwoch, 06.Dezember, 12:28 Uhr

2. Steuern endlich senken

Löhne steigen, Tabelle bleibt bestehen. Der Durchschnittslohn nähert sich immer mehr dem Spitzensteuersatz an.
Reich sind ja immer die anderen und der Staat hat kein Geld blabla.

Steuern sind Raub und der Staat schwimmt im Geld. Daher: Komplette Soliabschaffung jetzt. Abschaffung der kalten Progression (statt Diäten an Lohnentwicklung zu koppeln hätte man das mit Steuertarifen machen können!). Wenn schon rote, grüne und dunkelrote Parteien gegen Steuersenkungen sind dann sollte doch der BR endlich mal eine Grafik bringen die zeigt, wie der deutsche Arbeitnehmer vom Staat geschröpft wird und warum sozialistisch-denkende Parteien das für gut befinden. Mit einer großen Steuerreform wäre mehr getan als diese Flickschusterei sozialistischer Natur die nichts anderes ist als eine Umverteilung!

  • Antwort von Hallo, Mittwoch, 06.Dezember, 14:20 Uhr

    Oder als Diät einfach der 20igfache Sozialhilfesatz. Das müsste einem Politiker eigentlich reichen...

  • Antwort von lebt wohl im luftleeren Raum, Mittwoch, 06.Dezember, 15:47 Uhr

    So einen Blödsinn zu schreiben. Steuern sind mit nichten Raub. Sind sie auf die Schule gegangen? Haben sie eine/ein Ausbildung/Studium absolviert? Benutzen sie Straßen/Gehwege? Sorgt jemand für ihre Sicherheit? Ihre Existenz muss verwaltet werden (Geburt, Heirat, Eigentum usw.). Kommt jemand, wenn es mal brennt? Um nur ein paar Beispiele zu bringen.