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Private Stromerzeugung Anzapfen und Sparen

Die Energiewende nutzt nur denen, die sich eine Immobilie leisten können - so lautet ein Vorwurf. In erster Linie sind das Einfamilienhausbesitzer mit Solarzellen auf ihrem Dach. Per Einspeisevergütung subventionieren jedoch viele ärmere Stromverbraucher dieses Maßnahme. Schluss damit - so zumindest das Versprechen des Modells Mieterstrom.

Von: Lorenz Storch

Stand: 21.04.2017

Der Münchener Ortsteil Aubing – auf einem früheren Bahngelände hat Investor Hendrik Schlune einen Block mit Sozialwohnungen errichtet- und auf dem Dach: eine Photovoltaikanlage. Den Strom daraus verkauft er direkt an seine Mieter. Abzocken kann er sie dabei nicht.

"Die Mieter können jeden Stromanbieter wählen, den sie wollen. Das heißt, wir müssen unseren Strom günstig machen. Ich glaube, im Augenblick liegen wir etwa zehn Prozent unter dem Tarif der örtlichen Stromversorger."

Hendrik Schlune

Mieter Masut Amiri hat sich mit seiner Familie für den Mieterstrom entschieden – nachdem er mit anderen Angeboten verglichen hatte.

"Das ist schon gut, dass es direkt vom Dach ist und die Umwelt geschützt wird. Da hat man ein gutes Gewissen – und es ist auch noch günstig."

Masut Amiri

Energiewende frei Haus

Damit der Vermieter selbst nicht zum Stromanbieter werden muss, kümmert sich um das Organisatorische in der Regel ein Unternehmen. Naturstrom etwa ist seit langem in Mieterstromprojekten engagiert – im Wohnblock in Allach ist es die Firma Polarstern aus München. Deren Geschäftsführer Florian Henle registriert in den vergangenen Monaten einen steilen Anstieg bei der Nachfrage nach Mieterstrom.

"Der Mieterstrom bringt die Energiewende auch zu den Mietern. So einfach kann man das sagen. Und für die Eigentümer ist es interessant, weil sie ihre Immobilie aufwerten, und auch für die Anlage eine Zusatzimmobilie erwirtschaften."

Florian Henle, Geschäftsführer von Polarstern

Win-Win?

Der Mieterstrom soll also dem Hauseigentümer und dem externen Unternehmen Profit bringen und trotzdem billigere Preise für den Mieter ermöglichen. Das ist nur deshalb möglich, weil darauf weniger Abgaben fällig werden. Kein Netzentgelt, keine Stromsteuer. Die Margen sind aber klein, sagt Florian Henle von Polarstern. Seine Firma muss auch häufig Projekte ablehnen, weil die Häuser zu klein sind oder der Stromanschluss zu kompliziert. Deshalb freut er sich, dass ein Gesetzesentwurf der Großen Koalition für die Zukunft auch eine Zusatzförderung für Mieterstrom vorsieht.

"Natürlich ist es schön, wenn es sich ein bisschen besser rechnet. Jetzt ist es tatsächlich sehr eng, man muss es wollen. Und wenn es tatsächlich zwei bis vier Cent pro Kilowattstunde gibt, die jetzt diskutiert werden, dann wird das dem Mieterstrom auf jeden Fall helfen."

Florian Henle, Geschäftsführer von Polarstern

Energieversorger bleiben kritsich

Die etablierten Energieversorger sehen diese geplante Förderung des Mieterstroms allerdings kritisch. So auch Detlef Fischer vom Verband der bayerischen Energie- und Wasserwirtschaft.

"Wir müssen uns ja immer fragen: Wer zahlt denn die Förderung. Und das sind ja vor allem die Mieter, die in einer Wohnung leben, deren Dach nicht für eine Photovoltaik-Anlage geeignet ist. Und das sind sehr viele."

Detlef Fischer

Knapp ein Fünftel der Mietwohnungen in Deutschland wären maximal für Mieterstrom geeignet, hat eine Studie im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums ergeben.

Energiewende muss warten

Der Bund Naturschutz findet, dieses Potenzial gehört erschlossen – auch wenn BN-Energiefachmann Herbert Barthel das geplante Fördermodell für zu kompliziert hält.

"Mieterstrom, also selbst Strom herstellen, sich an einer Anlage beteiligen oder in einem Vertrag stehen und den Strom selber nutzen, das ist wahrscheinlich die Zukunft. Aber wir müssen noch einiges ändern, um das gut machen zu können."

Herbert Barthel

Deutschland hat drei Jahre in Folge sein Ausbauziel bei Photovoltaik verfehlt. Solarzellen auch auf Mietshäusern sind ein Modell, um neuen Schwung beim Sonnenstrom zu bringen. Ein Allheilmittel für die Energiewende ist freilich auch der Mieterstrom nicht.


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PS_ED, Freitag, 21.April, 15:36 Uhr

2. Bewusstsein statt Förderung!

Ich hallte die ganze Förderung für eine mutwilige Umschichtung von unten nach oben!

Wenn der Staat etwas will, dann muss er den leuten das Bewusstsein geben, dass wenn sie für die Umwelt handeln, sie gelichzeitig sich und den Kinden etwas gutes tun und das wie in der bayr, Verfassung steht Eigentum verpflichtet, d.h.:

1. Der Staat sollte die Flächen der Hausbesitzer für Stromanlagen den örtlichen Betreibern (Gemeinde) zur Vefügung stellen, d.h. die Gemeinden bauen die PV Anlagen auf die Dächer, und speißen so den Strom höchst effizient in das örtliche Stromnetz ein!

2. Der Staat kümmert sich um die Speicherung der Stromspitzen, d.h. Metanisierung und Gewinnung von Erdgas aus der Luft und Wasser!

3. Der Hausbewohner bekommt als erster den Strom, der von seinem Dach produziert wird.

4. Die Reinigung der Zellen kann so auch auf alle verteilt werden!

Es entspricht nicht dem Gedanken von Privatisierung, aber so hilft es allen und schafft Verständnis!

STEVE, Freitag, 21.April, 15:11 Uhr

1. Gute Sache

Es gilt schon lange die Forderung, den Strom dort herzustellen, wo er auch gebraucht wird. - Prinzip kurze Wege.
Und wir brauchen auch mehr Solarstrom, wenn wird auf E-Mobilität setzen. - Das EON und Co das nicht so gut finden ist ja verständlich...