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Merkel trifft Trump Annäherung im Weißen Haus

Mit Spannung war es erwartet worden, das erste Date zwischen Kanzlerin Merkel und US-Präsident Trump. Angespannt gaben sich die beiden im Anschluss vor der Weltpresse. Sie signalisierten Einigkeit in den großen Fragen.

Von: Birgit Gamböck, Martin Ganslmeier

Stand: 17.03.2017

Freundlich, aber sachlich verlief die Begrüßung. Mit einem kurzen Händedruck hieß Donald Trump Angela Merkel in Washington willkommen. Dann ein leichtes Schwenken zu den wartenden Fotografen, ein Lächeln in die Kameras. "Sendet ein schönes Bild heim nach Deutschland", rief Trump den Fotografen zu. Im Oval Office dann der nächste Fototermin. Trump ist sichtlich angestrengt, starrt reglos vor sich hin. Die Fotografen fordern einen Handschlag. Trump will nicht. Die Kanzlerin ist irritiert, lächelt. Dann verschwinden sie zu Gesprächen hinter verschlossenen Türen.

Bekenntnis zur NATO

Als sie wieder vor die Öffentlichkeit treten: demonstrative Harmonie. Trump bekräftigt seine Unterstützung für die NATO. Er sei ein starker Befürworter der Militärallianz. Zuvor sagte er aber auch: "Ein starkes Amerika ist im Interesse der Welt." Merkel, sichtlich erfreut über die Bündnistreue des Amerikaners, versprach den Verteidigungshaushalt zu erhöhen.

"Hand in Hand" werde man zusammenarbeiten, so die Kanzlerin. In Afghanistan, in Syrien, im Irak. Man sei auch darüber einig, sich um ein besseres Verhältnis zu Russland zu bemühen. Das Minsker-Friedensabkommen für die Ukraine müsse dabei eine Grundlage sein, setzte Merkel einen diplomatischen Pflock.

Merkel verteidigt Flüchtlingspolitik

Unterschiede zwischen den beiden traten in der Migrationsfrage zu Tage. Trump unterstrich seine harte Linie bei der Einwanderung: "Immigration ist ein Privileg, nicht ein Recht." Merkel betonte, Migration müsse geordnet und gesteuert werden. Mit Blick auf Trumps Mauerbaupläne an der Grenze zu Mexiko riet sie, beim Schutz der Außengrenzen müsse im gegenseitigen Interesse mit den Nachbarn gearbeitet werden. Außerdem sprach sie sich für Hilfen vor Ort in den Bürgerkriegsländern aus.

"Manchmal ist es natürlich auch mühevoll, Kompromisse zu finden, aber dazu sind wir gewählt."

Angela Merkel

Dissens beim Handel

In Sachen Handel gab sich der US-Präsident offener als bisher. Vor dem Treffen stand noch seine Drohung im Raum, Amerikas Markt durch Strafzölle dicht zu machen. Er sei nicht für Abschottung und Isolation, sagte er nun. Und: "Ich bin für Handel, aber Handel muss fair sein." Er erwarte eine "großartige Handelsbeziehung mit Deutschland".

Die Kanzlerin beharrte allerdings auf der europäischen Dimension. Es werde keine bilateralen Verhandlungen zwischen Deutschland und den USA geben. Sie hoffe vielmehr, dass die EU und die USA ihre Verhandlungen über ein Handelsabkommen wieder aufnehmen. Das dürfte schwierig werden. Trump beklagte einmal mehr, die USA seien bei Handelsabkommen in der Vergangenheit sehr unfair behandelt worden.

Insgesamt sei die deutsche Abordnung "freundschaftlich und sehr warmherzig" empfangen worden, sagte Merkel. Die Kanzlerin sprach aber auch von einem "guten und sehr offenen ersten Austausch". Letzteres umschreibt in der Diplomatensprache eine kontroverse Auseinandersetzung.

Kein Auftritt von Trump ohne Aufreger

"Was das Abhören der letzten Regierung angeht - ich denke, da haben wir etwas gemeinsam."

Trump mit Blick auf die von ihm erhobenen Vorwürfe, sein Vorgänger Barack Obama habe ihn abhören lassen. Merkels Handy wurde nachgewiesenermaßen vom US-Geheimdienst abgehört.

Die Deutschen: Abzocker mit Kriminalitätsproblem

Während des Wahlkampfes und Trumps ersten Wochen im Amt brauchte Merkel starke Nerven. Trump schwankte in seinen Äußerungen über Deutschland zwischen Respekt vor der wirtschaftlichen Leistung, heftiger Kritik an Deutschlands geringen Verteidigungsausgaben und regelrechtem Grauen wegen der Aufnahme hunderttausender Flüchtlinge. Für den Wahlkämpfer Trump und seine Berater stand stets fest: Amerikas engste Verbündete, Deutschland und Japan, sind Trittbrettfahrer: Sie exportieren ihre Produkte wie die Weltmeister in die USA, aber ihre Verteidigung lassen sie sich von Amerika bezahlen: "Das sind sehr kluge Leute in Deutschland und Japan", so Trump in einem Fernsehinterview: "Die haben uns seit langer Zeit abgezockt!"

Achterbahn der Gefühle: Donald Trump über Merkel und Deutschland

„Eine fantastische Führungspersönlichkeit! Weltweit die großartigste, die klügste und großartigste weltweit!“

„Ich habe immer gedacht, Merkel sei diese großartige Führungspersönlichkeit. Aber, was sie in Deutschland gemacht hat, ist verrückt! Es ist verrückt, alle möglichen Anschläge zu haben. Ich will die Leute hier nicht haben!“

„Armes Deutschland! In den Straßen von Köln gibt es jetzt Krawalle. Was da passiert, ist unglaublich! Diese Verbrechen und Vergewaltigungen! Unvorstellbar, was da in Deutschland passiert!“

„Die haben Krawalle in ihren Straßen. Sie haben Verbrechen wie nie zuvor. Ihr werdet schon sehen, was mit Deutschland und Merkel passiert. Ich bin kein Fan mehr von ihr, auch wenn ich mit ihr mal zu tun haben sollte. Aber ich bin kein Fan mehr.“

Wenn er Präsident werde, so versprach Trump im Wahlkampf, dann werde alles anders.

"Die müssen uns dann bezahlen. Wir können uns einfach nicht mehr leisten, Milliarden um Milliarden zu verlieren, um sie zu verteidigen."

Donald Trump

Trump fährt Mercedes - aber deutsche Autos in Amerika mag er nicht

Trump ärgert sich vor allem über das riesige Handelsbilanzdefizit Amerikas gegenüber Deutschland. In seiner Nachbarschaft in Manhattan sehe er überall deutsche Autos. Aber amerikanische Autos gebe es kaum in Deutschland.

Der alte Mercedes von Donald und Ivana Trump, den ein Autohändler aus der Nähe von Mannheim demnächst versteigern will.

Für Trump und seine Berater ist die deutsche Wirtschaft der große Profiteur der Europäischen Union und des schwachen Euro. Dadurch könnten die Deutschen ihre Produkte unschlagbar günstig im Ausland verkaufen. Einige Berater Trumps vermuten sogar, dass die Bundesregierung bewusst Einfluss auf die Europäische Zentralbank nimmt, um den Euro gegenüber dem Dollar weiter zu schwächen. Damit die Amerikaner mehr US-Produkte kaufen, plant Trump eine Art Importsteuer, die ausländische Produkte deutlich verteuern würde.

"Wahlschwede" Trump

Obwohl Trumps Großvater aus dem pfälzischen Kallstadt stammt, hat Trump lange behauptet, seine Vorfahren seien aus Schweden gekommen. Im jüdisch geprägten New York schien ihm dies vermutlich besser fürs Geschäft. Im Wahlkampf äußerte sich Trump dann ausschließlich negativ über das Land seiner Vorfahren - wegen der Aufnahme hunderttausender Flüchtlinge und "alldem Gemetzel".

Auch als Geschäftsmann hat Trump keine guten Erinnerungen an Deutschland. In Frankfurt und Stuttgart wollte er vor 15 Jahren Wolkenkratzer bauen. War dann aber entsetzt über all die Bauvorschriften in Deutschland. Seither gilt ihm Deutschland als Inbegriff einer überregulierten Bürokratie.

Ob Angela Merkel es geschafft hat, Trumps Deutschland-Bild zu verbessern?


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Sara, Sonntag, 19.März, 12:05 Uhr

23. Annäherung im Weissen Haus

Also ich weiss ja nicht, über welches Treffen Sie hier berichten, aber von einer Annäherung kann keine Rede sein. Trumps Verhalten gegenüber Merkel war höchst unhöflich, die Verweigerung des handshakes ein Affront, die Reaktion auf die Fragen der deutschen Journalisten, vor allem der dpa - Journalisten, absolut lächerlich und unverschämt, und inhaltlich könnten die beiden nicht weiter voneinander entfernt sein. Ich empfehle allen Hörern, mal die Pressekonferenz im Original auf youtube anzuschauen, und etwa den zugehörigen New York Times Artikel zu lesen, in dem Merkel als "Führerin der freien Welt" bezeichnet wird, Trump als deren Zerstörer... Das trifft die Stimmung schon eher.

Birgit, Freitag, 17.März, 23:11 Uhr

22. Nachhilfeunterricht?

Nachhilfeunterricht: Thema Grenzsicherung.

Otto, Freitag, 17.März, 23:09 Uhr

21. Das wichtigste: Das Wetter war diesmal sehr gut.

Die dpa berichtet nüchtern (und lobt vor allem das Wetter):

„US-Präsident Donald Trump hat Bundeskanzlerin Angela Merkel am Freitag im Weißen Haus empfangen. Er holte sie bei strahlendem Sonnenschein vor der Tür ab, nach einem kurzen Händedruck zogen sich die beiden Regierungschefs zu einem Gespräch zurück. Es ist das erste Zusammentreffen des neuen US-Präsidenten mit der Kanzlerin."

hasan, Freitag, 17.März, 23:07 Uhr

20. Dumpfbackenmagnet wieder aktiv

Ist schon erstaunlich, welchen Käse unsere rechten Populisten hier wieder vom Stapel lassen - nur noch lächerlich

  • Antwort von Conny, Freitag, 17.März, 23:52 Uhr

    @hassan
    Sie sehen überall Rechte, Dumpfbacken und Nazis.
    Was haben die vielen linken Kommentarschreiber wie Sie davon, wenn alle Pechvogel, Versager, Arbeitslose und einige Verfolgte aus der ganzen Welt nach Deutschland kommen und alle für immer bleiben? Wie soll das gehen? Wie soll das Deutschland bewältigen, schaffen? Wo sollen alle wohnen? Von was sollen alle leben? Was wird aus dem Umweltschutz und aus dem Naturschutz? Alle retten, alle aufnehmen und dann?

  • Antwort von Nepomuk, Freitag, 17.März, 23:59 Uhr

    Lieber Hasan.
    Bitte keine rechtspopulistischen Hetze. Flüchtlinge ohne Hetze zur Ausreise zwingen. Keine Ausbeutung der vearmten deutschen Steuerzahler durch Fremde zulassen. Die meisten Deutschen arbeiten 40 Jahre lang und am Ende besitzen sie außer des Sozialsystems nichts. Kein Raub am Sozialsystem durch Fremde zulassen. Flüchtlinge ohne Hetze zur Ausreise zwingen.

  • Antwort von Leser , Samstag, 18.März, 00:02 Uhr

    Diese fleißigen linken Kommentarschreiber wie Hasan werden sich noch wundern was eine grenzenlose Willkommenskultur kostet. Und wer glaubt, dass der IS in Deutschland Ruhe gibt, der ist naiv wie ein Kind. Wie viele Anschläge muß es noch geben bis der letzte Kommentarschreiber zugibt, dass Deutschland so wie Afghanistan kein sicheres Land mehr ist? Warum werden in anderen Ländern Reisewarnungen für Deutschland herausgegeben? Donald Trump ist ein kluger weitsichtiger Präsident.

  • Antwort von Truderinger, Samstag, 18.März, 08:46 Uhr

    Wer sagt denn, dass hasan links ist. Ich erkenne nur, dass er gegen Rechtsextrem ist

  • Antwort von AfD-Gegner, Samstag, 18.März, 08:56 Uhr

    Linksextremisten und Soziaromantiker wieder aktiv.

  • Antwort von Schublader, Samstag, 18.März, 09:21 Uhr

    Tja, leider gibt es eben Schubladendenker, dia einfach nicht herauskrabbeln können.
    Irgendein triviales Feindbild muss her und schon ist die eigene Argumentation erleichtert.
    Dabei hat Hasan doch recht. Einfach mal die Kommentare durchgeforstet und bald täglich finden sie sich in diesem Forum ein.
    Der Spaß dabei ist, daß sie glauben damit noch Werbung für den Altenverein für Deutschland zu machen.

    Also, ihr, Kästchenhocker, dann bin ich halt links oder Kommunist (eigentlich aber CSUler)
    :-)

Thomas, Freitag, 17.März, 23:05 Uhr

19. Donald Trump versteht Flüchtling-Mama ohne Obergrenze nicht.

Der Gesamteindruck dieses Treffens war eher kühl: Ein sonst oft übliches, nochmaliges Händeschütteln gab es nicht – trotz lautstarker Aufforderungen der Fotografen, und auch die Kanzlerin fragte den Präsidenten leise danach. Trump reagierte nicht.

  • Antwort von Andrea , Samstag, 18.März, 00:09 Uhr

    Donald Trump kann nicht verstehen warum sich ein stark verschuldeter Staat wie Deutschland mit verschuldeten Städten und Gemeinden für alle armen und beruflich unbrauchbaren Flüchtlinge aus der ganzen großen Welt geöffnet hat und warum Deutschland die abgelehnten Asylantragsteller nicht abschieben kann.