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Merkel nach Zahlen Merkels Klimabilanz

Angela Merkel und Sigmar Gabriel in roten Jacken am Gletscher – dieses Bild ist legendär. Es stammt von 2007: Merkel war schon damals Kanzlerin, Gabriel war Umweltminister. Das Bild trug maßgeblich zu Merkels Image als Klimakanzlerin bei.

Stand: 24.04.2017

 Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD), aufgenommen am Freitag (17.08.2007) vor dem Eqi Gletscher bei Ilulissat in Grönland.   | Bild: picture-alliance/dpa

2015 Klimakonferenz in Paris

International ist dieses Bild geblieben. 2015, bei der Klimakonferenz in Paris, warb Merkel für ehrgeizige Klimaziele, die dann auch tatsächlich beschlossen wurden. Für Deutschland erneuerte sie dieses Versprechen:

"Wir wollen unsere CO2-Emissionen bis 2020 um 40 Prozent reduzieren, und wir wollen bis 2050 gegenüber 1990 um 80-95 Prozent Reduktion erreichen."

Angela Merkel

Die Richtung stimmt, aber nicht das Tempo

40 Prozent weniger Treibhausgase bis 2020 – dass Deutschland dieses Ziel erfüllt, glaubt praktisch niemand mehr. Erreicht waren bis 2016 nicht einmal 28 Prozent. Zu Beginn von Merkels Kanzlerschaft waren es gut 21 Prozent; die Richtung stimmt also, aber das Tempo nicht.

Vielleicht wäre etwas mehr Treibhausgas-Reduktion drin gewesen, wenn Merkel bei ihrem Kurs geblieben wäre, den sie bis März 2011 vertrat: In dieser Zeit bezeichnete sie die Nutzung der Kernenergie als Brückentechnologie auch nach 2020 als wünschenswert – auch, um das deutsche Klimaziel zu erreichen. 

Atomausstieg mit Fukushima


Nicht, dass Atomstrom ökologisch vorteilhaft wäre – aber der deutsche CO2-Ausstoß könnte durchaus niedriger sein, wenn die Kanzlerin statt diverser Atomkraftwerke einige Kohlekraftwerke abgeschaltet hätte. Doch 2011, nach der Katastrophe von Fukushima, sah sie sich zur atompolitischen Kehrtwende gezwungen. Innerhalb weniger Tage setzte Merkel den Atomausstieg durch. Ihre Begründung: "Fukushima hat meine Haltung zur Kernenergie verändert."


Das logische Ergebnis: Die deutschen Atomkraftwerke erzeugen seit 2011 deutlich weniger Strom. Die klimaschädliche Stromerzeugung aus Braunkohle und Steinkohle ist dagegen ziemlich konstant geblieben, seit 1990 sogar. Eine Klima-Abgabe für ältere Kohlekraftwerke konnte 2015 der damalige Wirtschaftsminister Gabriel nicht durchsetzen; auch, weil ihn die Kanzlerin dabei wenig bis gar nicht unterstützte. Entsprechend bleibt die Energiewirtschaft – trotz Ökostromausbau – auch nach knapp zwölf Jahren Merkel der emissionsstärkste Sektor.

Schlechte Verkehrs-Bilanz

Sogar gestiegen ist der Treibhausgas-Ausstoß beim Verkehr – sowohl im Vergleich zu 1990 als auch zu 2005, als Merkel Kanzlerin wurde. Denn eine Verkehrswende – vom Flugzeug zur Bahn, vom Auto aufs Fahrrad, vom LKW auf die Schiene – fand nicht statt. Bärbel Höhn, Umweltpolitikerin von den Grünen, findet, Verkehrsminister Dobrindt und auch dessen Vorgänger hätten sie "null" um Klimaschutz und den CO2-Ausstoß gekümmert.

2016: 906 Millionen Tonnen Treibhausgasaustoß


Geplant hat die Regierung, bis 2020 eine Million Elektroautos auf deutsche Straßen zu bringen – doch das scheint kaum noch erreichbar, trotz Förderung vom Staat. Unterm Strich hat Deutschland im vergangenen Jahr 906 Millionen Tonnen Treibhausgas ausgestoßen – eigentlich hätten es nur noch etwas mehr als 800 Millionen sein dürfen, denn die Zielmarke für 2020 lautet: 750 Millionen.


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