Scan-Technologie Mehrheit gegen Gesichts-Tracking zu Werbezwecken

Die Mehrheit der Kunden lehnt Gesichtserkennung für Werbezwecke ab. In der Technik für zielgerichtete Werbung steckt zwar viel Potenzial, erste Tests wurden wegen negativer Resonanz aber schon wieder eingestellt - auch in Bayern.

Von: Florian Regensburger

Stand: 05.10.2017

Bild: picture-alliance/dpa

78 Prozent der deutschen Internetnutzer möchten nicht, dass ihre Gesichter in Geschäften automatisch gescannt und die Aufnahmen für zielgruppenspezifische Werbung ausgewertet werden. Das ergab eine repräsentative Online-Befragung des Marktwächter-Teams Digitale Welt in der Verbraucherzentrale NRW.

Rabatte für Kunden kein Argument

Selbst wenn die Technik möglicherweise zu günstigeren Preisen führen würde, stößt sie bei mehr als zwei Dritteln der Befragten noch immer auf große Ablehnung: So lehnen 71 Prozent auch eine Auswertung entsprechender biometrischer Daten für "zielgruppengerechte Rabatte" ab.

Noch größer ist die Ablehnung, wenn die Analyse des Gesichtsausdrucks "zur Verbesserung von Werbespots" dienen soll: 83 Prozent der Umfrageteilnehmer lehnen dies ab. Bei allen drei möglichen Einsatzbereichen von Gesichtserkennungstechnik ist die Ablehnung bei den Über-60-Jährigen am stärksten, teilen die Verbraucherschützer mit.

Kunden trauen der Sicherheit ihrer Daten nicht

Grund für die Ablehnung sind mehrheitlich Datenschutzbedenken: 82 Prozent fürchten, im Fall von Gesichtserkennungsaufnahmen etwa im Supermarkt "keine Kontrolle über die gesammelten Informationen zu haben". Nur 24 Prozent vertrauen darauf, dass "die gesammelten Informationen nicht ohne Erlaubnis mit anderen Unternehmen geteilt und die Datenschutzinteressen im Auge behalten werden".

69 Prozent der Befragten gaben an, sie würden in einem Supermarkt, der Gesichtserkennungstechnologie einsetze, in der Folge nicht mehr einkaufen gehen.

Real stellte Test mit Gesichtsscannern an der Kasse vorzeitig ein

Erst im Sommer dieses Jahres hatte die Supermarktkette Real einen Testbetrieb mit Gesichts-Scannern an der Kasse in Märkten unter anderem in München und im Raum Augsburg vorzeitig beendet. An Werbe-Monitoren angebrachte Kameras sollten dabei ungefähres Alter und Geschlecht von wartenden Kunden erkennen und die Auswahl der auf den Monitoren angezeigten Werbespots entsprechend anpassen.

Als Begründung nannte Real damals die "öffentlich geführte Diskussion" in den Medien, welche einen falschen Eindruck erweckt habe. Die Studie der Verbraucherschützer legt nun aber nahe, dass auch die Akzeptanz beim Kunden für derartige Technologie grundsätzlich nicht vorhanden ist. Die deutsche Post dagegen, die ein ähnliches System testet, hielt am versuchsweisen Einsatz der Gesichtserkennungstechnik fest.