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Ermittlungen laufen Zugunglück von Meerbusch womöglich Fehler der Fahrdienstleitung

Ein Fehler der Fahrdienstleitung könnte einem Medienbericht zufolge die Ursache für das Zugunglück von Meerbusch sein. Dem Lokführer des Personenzugs sei über Funk die Erlaubnis zur Weiterfahrt erteilt worden. Einstweilen bergen Spezialkräfte die verunglückten Züge.

Von: Petra Zimmermann

Stand: 06.12.2017

Mitarbeiter der Bahn beginnen am 06.12.2017 bei Meerbusch mit den Bergungsarbeiten der Unfallzüge | Bild: Roland Weihrauch/dpa

Einem Bericht des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND) zufolge soll die Fahrdienstleitung dem Lokführer des Personenzugs über Zugfunk mündlich die Erlaubnis zur Weiterfahrt erteilt haben, obwohl sein Streckensignal auf Halt stand.

Zugnummern könnten falsch eingetragen worden sein

Dem Bericht zufolge gehen die Ermittler dem Verdacht nach, dass die vergebenen Zugnummern fehlerhaft eingetragen waren. Deswegen könnte übersehen worden sein, dass zwei Züge sich im selben Streckenabschnitt befanden. Eine Sprecherin der Deutschen Bahn wollte sich nicht zu dem Bericht äußern.

Bergung läuft

Unterdessen sind Spezialkräfte vor Ort: Auf der Bahnstrecke zwischen Krefeld und Neuss musste schweres Gerät eingesetzt werden, um die Unfallzüge zu bergen. Die Reperaturarbeiten würden sicherlich einige Tage dauern, so die Deutsche Bahn.

Warum hielt der Personenzug nicht?

Zugleich nahmen Bundespolizei und die Bonner Bundesstelle Ermittlungen zu Ursache und Hergang des Unfalls vom Dienstagabend auf. "Der Regionalzug hätte diesen Gleisabschnitt nicht befahren dürfen", sagte der Sprecher der Bundesstelle für Eisenbahnunfalluntersuchungen (BEU), Gerd Münnich, am Mittwoch in Bonn. Die Ermittlungen stünden aber noch ganz am Anfang. Demnach hatte der Güterzug von der DB Cargo vor einem Signal auf die Einfahrt in den Bahnhof Meerbusch-Osterath gewartet. In einem solchen Fall dürften nachfolgende Züge nicht in den betreffenden Gleisabschnitt einfahren, sagte Münnich. Es müsse nun geklärt werden, warum der Personenzug dennoch auf dem Abschnitt unterwegs war.

50 Verletzte

Laut Bundespolizei wurden bei dem Zusammenstoß 50 Menschen verletzt, neun von ihnen schwer. Am Unglücksort waren bis zu 400 Helfer im Einsatz.

400 Retter an der Unfallstelle

Mehr als 400 Rettungskräfte eilten an die Unfallstelle. Anwohner verteilten warme Getränke an die Helfer. Die Reisenden berichteten von einem "großen Knall", der auf die Notbremsung folgte. "Es hat sich angehört, als ob ein Haus explodiert", so ein Anwohner. 173 Menschen - auch die Verletzten - mussten lange in dem Zug ausharren, bis die Feuerwehr endlich nach fast zwei Stunden die Türen öffnen konnte.

Lokführer verhinderte wohl Schlimmeres

Die Rettungskräfte loben den Lokführer. Der habe sich, obwohl selbst deutlich mitgenommen, um die Fahrgäste gekümmert und geholfen, das alles ruhig abgelaufen sei. Mit seiner Notbremsung habe er zudem Schlimmeres verhindert. "Wir hoffen, dass ihn keine Schuld trifft", sagt ein Sprecher des privaten Zugbetreibers National Express Rail.


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