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Bundesverfassungsgericht Numerus Clausus für Medizin vor Gericht

Der Numerus Clausus für das Medizinstudium verletzt das Recht auf freie Berufswahl und verstößt deshalb gegen das Grundgesetz. Diese Auffassung vertreten Richter in Gelsenkirchen. Heute befassen sich die Verfassungsrichter in Karlsruhe damit.

Stand: 04.10.2017

Medizinstudentinnen an der Charité in Berlin üben an einem Dummy | Bild: picture-alliance/dpa / Britta Pedersen

Diese Umfrage ist ein Stimmungsbild und nicht repräsentativ. Technisch ist das System bestmöglich geschützt, um Manipulationen zu vermeiden.

Maximilian Hubert aus Nürnberg hat vor zwei Jahren das Abitur gemacht und mit 1,7 einen guten Notendurchschnitt. Doch für ein Medizinstudium reicht es nicht. Seine Wartezeit beträgt deshalb 14 Semester. Aber Maximilian lässt sich nicht entmutigen und macht zurzeit eine Ausbildung im OP zum Anästhesietechnischen Assistenten – in der Hoffnung, dass ihm die Ausbildung einige Pluspunkte für einen Medizinstudienplatz verschaffen wird. Wenn das Bundesverfassungsgericht den Numerus Clausus (NC) ganz abschaffen würde, könnten sich seine Chancen nochmals verbessern.

Fünf Bewerber je Medizinstudienplatz

Auf die rund 9.000 Medizin-Studienplätze in Deutschland bewerben sich aktuell über 40.000 junge Menschen. 20 Prozent der Plätze werden über den NC vergeben, weitere 20 Prozent über Wartezeit. Über die Auswahlkriterien für die restlichen 60 Prozent der Plätze entscheiden die Hochschulen selber.

In Bayern kombinieren Erlangen-Nürnberg, München, Regensburg und Würzburg dazu teilweise die Bestnoten mit einem Medizinertest und vergeben Boni. Doch bei fünfmal so vielen Bewerbern wie Studienplätzen muss ausgesiebt werden. Ob dazu künftig alleine ein NC herangezogen werden kann, das wird heute am Bundesverfassungsgericht verhandelt.

Unikliniken und Medizinstudenten fordern Reform

Die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg will sich zur möglichen Abschaffung des NC nicht äußern und verweist auf den Medizinischen Fakultätentag (MFT). Der bundesweite Verband mit Sitz in Berlin hält eine Reform der Studienplatzvergabe in der Medizin für überfällig. Strittig sei jedoch die Umsetzung. Zentrale Assessment-Center oder die Hoffnung auf eine generelle Abschaffung des NC durch das Bundesverfassungsgericht sieht der MFT äußerst kritisch.

"Den NC gänzlich abzuschaffen, lässt sich zwar öffentlichkeitswirksam fordern, kann aber nicht die Lösung sein."

MFT-Generalsekretär Frank Wissing

Auch der Bundesverband der Medizinstudierenden in Deutschland fordert, dass das aktuelle Verfahren der Wartezeitquote dringend in ein anderes Verfahren überführt werden müsse, das für ein Medizinstudium geeignete Bewerber schon frühzeitig erkennt. Denn sonst "vergeuden" sie viele Jahre.

Vorschlag zum Auswahlverfahren für Medizinstudenten

Gemeinsam haben der Medizinische Fakultätentag und der Bundesverband der Medizinstudierenden in Deutschland ein Modell entwickelt, wie Studienplätze künftig vergeben werden sollten. Über die Stiftung Hochschulzulassung sollen sich alle Studienplatzbewerber einem deutschlandweit zentralen Verfahren unterziehen.
Dabei werden maximal 100 Punkte vergeben:


Abiturnote: maximal 40 Punkte,
Studierfähigkeitstest, der auch nichtschulisches Wissen und Fähigkeiten abfragt: maximal 40 Punkte.
Berufserfahrung in einem medizinnahen Bereich oder der Freiwilligendienst: maximal 10 Punkte,
"Situational Judgement Test" (SJT), der neben medizinspezifischem Wissen auch die soziale Kompetenz der Bewerber prüfen sollte: maximal 10 Punkte.

NC-Ausweg für wohlhabende Studendenten: Ausland oder Privatuni

Wer es sich leisten kann, studiert kostenpflichtig im Ausland oder an einer privaten Medizin-Hochschule wie der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität (PMU) in Nürnberg. In den Auswahlverfahren zählt kein NC, sondern gute Noten in den Naturwissenschaften und unter anderem die psychologische Eignung für den Arztberuf.

Urteil dauert

Maximilian Hubert ist wie so viele sehr gespannt, welches Urteil Karlsruhe in ein paar Woche oder gar Monaten bekannt geben wird.


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Stan, Mittwoch, 04.Oktober, 18:39 Uhr

12. Herz und Hirn

Wer Arzt werden will, braucht beides: Herz und Hirn.
Der NC eignet sich als Kriterium nur bedingt. Das im Artikel beschriebene Auswahlverfahren aber ist überlegen:

Abiturnote: maximal 40 Punkte,
Studierfähigkeitstest, der auch nichtschulisches Wissen und Fähigkeiten abfragt: maximal 40 Punkte.
Berufserfahrung in einem medizinnahen Bereich oder der Freiwilligendienst: maximal 10 Punkte,
"Situational Judgement Test" (SJT), der neben medizinspezifischem Wissen auch die soziale Kompetenz der Bewerber prüfen sollte: maximal 10 Punkte.

Das ist ein guter Ansatz.

Das Auswahlverfahren sollte in jedem Fall knallhart sein. Nicht zuletzt im Interesse der Patienten.

Gabi, Mittwoch, 04.Oktober, 18:36 Uhr

11. Kfz-Mechaniker

Sehr geehrter Robert,
wenn Sie an einen unterqualifizierten Kfz-Mechaniker (der dank des "Dualen Systems" eine durchaus seltene Art sein dürfte) geraten würden, dann könnte es durchaus passieren, dass defekte Bremsen zum Tode führen könnten! Ähnliches gilt für Maurer, Straßenbauer...., alles Ausführer qualifizierter Arbeiten, die durchaus Sicherheit gewährleisten müssen.
Die meisten dieser Art zwar ohne Abitur, dennoch sachverständig, verantwortungsvoll und bereit für einen Hungerlohn große Verantwortung zu übernehmen!!!

  • Antwort von Robert, Mittwoch, 04.Oktober, 19:04 Uhr

    Gabi, Sie müssen aber sicherlich zugeben, dass ein Arzt ungleich vielfältigere Möglichkeiten hat, einem das Leben zu vermasseln.
    Zweifellos ist ein Berufs-Eignungstest auch für KFZ-ler sinnvoll, genauso wie für zahllose andere Berufe aber gerade wegen der höheren Verdienstmöglichkeiten glaube ich, dass es mehr Leute gibt, die deswegen lieber Körpergelenke richten als Automobil-Gelenke ohne über das jeweils nötige Expertenwissen zu verfügen.
    Ich wollte mit meinem Post keinesfalls KFZ-ler in ein schlechtes Licht rücken (ebensowenig wie Ärzte). Genauso hätte ich stattdessen auch Fernsehtechniker oder Klempner anführen können, es sollte lediglich die Wichtigkeit fähiger, mit ihrem Beruf verbundener Ärzte herausstellen und dafür sind Noten und Eignung halt die einzigen Kriterien.

  • Antwort von kritikwürdig, Mittwoch, 04.Oktober, 20:12 Uhr

    Das überschätzen Sie aber!
    Auch andere Berufsgruppen haben riesiges Potential Ihnen und mir das Leben zu vermasseln. Der Pilot kann neben seinen Gästen ganze Städte mit einem Fehler hinrichten.
    Der Statiker ein Hochhaus einstürzen lassen. Man sieht ja jüngst in England, dass auch Menschen ohne med.-Studium auf einen Schlag viele Mensche töten können. Siehe Hochhausbrand.
    Ich kann die herausgestellte berufliche Ärztlichkeit schon lange nicht mehr verstehen. SInd nicht auch Entwickler und Programierer moderner Medizintechnik mindestens so wichtig, wie der Arzt, der die OP ausführt. Beide zusammen können menschliches Leid verhindern. Heute aber nur noch gemeinsam!

Robert, Mittwoch, 04.Oktober, 17:14 Uhr

10. Pro NC!

Wir reden hier von zukünftigen Ärzten, die für Leben und Gesundheit von Menschen zuständig sind. Natürlich ist das Beste dafür gerade gut genug! Weitaus wichtiger als ein NC ist allerdings ein Eignungstest für den Medizinberuf. Ich möchte nicht von einem Arzt behandelt werden, der den Beruf nur ergriffen hat, weil man damit gut Geld verdienen kann (und ich weiß, aus eigener Erfahrung, dass es solche gibt)!
Wenn ein KFZ-Meister nichts taugt muss ich mir halt ein neues Auto kaufen aber wenn ein Arzt nichts taugt bin ich tot oder sitze im Rollstuhl.

  • Antwort von kritikwürdig, Mittwoch, 04.Oktober, 20:01 Uhr

    Das könnte ihnen beim Auto genauso passieren. Wenn der Reifenmoteur (ohne Abi) einen groben Fehler macht, dann ist das Lebensgefährlich, wie bei falscher ärztlicher Behandlung.
    Die Ärzte haben bei Fehlern nur einen riesigen Vorteil, eine gigantische Lobby durch ihren Berufsverband und natürlich dicke Freundschaften in der Politik. Sonst wüsste die Öffentlichkeit längst, wie Fehlerhaft auch Menschen mit Abinote 1 arbeiten.
    Der Notendurchschnitt wird vollkommen überbewertet. Würfeln wäre fairer.

    Es wäre für die Bevölkerung auch deutlich sicherer, wenn man bewußt deutlch mehr Studienanfäger für das Medizinstudium zulässt und im Laufe der ersten zwei Ausbildungsjahre knallhart die guten von den weniger guten trennt. Die Studieninhalte müssten vermutlich entsprechend verändert werden, um sehr früh die Belastbarkeit und die persönliche Fähigkeit für das Fach Medizin herauszuarbeiten.

Rainer, Mittwoch, 04.Oktober, 15:16 Uhr

9.

Und nun arbeiten Sie als Rechsanwältin? ;-)

Lore Ley, Mittwoch, 04.Oktober, 14:34 Uhr

8. NC

Hoffentlich wird der NC als irregulär eingestuft, dann kann ich meinen Verdienstausfall der letzten 40 Jahre einklagen. Ich glaube, ich wäre damals nämlich Arzt geworden, war aber zu dumm dafür.