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Entscheidung in Bayern Medizinstudium mit fachgebundener Hochschulreife

Der Bildungsausschuss des Landtags hat einstimmig einem Vorschlag der Staatsregierung zugestimmt, auf beruflichen Oberschulen in Bayern den Bildungszweig "Gesundheit" einzurichten. Künftig können damit Absolventen mit der fachgebundenen Hochschulreife im Bereich Gesundheit Medizin studieren. Auch die SPD unterstützt die Pläne der Staatsregierung. Der Präsident der Bayerischen Landesärztekammer ist dagegen. Er befürchtet einen Qualitätsverlust des Studiengangs.

Von: Katharina Wysocka

Stand: 16.03.2017

Simullierte Notfallbehandlung in der Medizinausbildung | Bild: Britta Pedersen/dpa

Der CSU-Landtagsabgeordnete Tobias Reiß ist Mitglied im Bildungsausschuss und freut sich über den heutigen Beschluss. Er betont, die fachgebundene Hochschulreife in dem jeweiligen Ausbildungszweig sei gleichwertig mit dem Abitur.

"Durch diesen Zweig 'Gesundheit'  können wir jetzt auch über die beruflichen Schulen zum Medizinstudium kommen und das ist wieder ein weiterer Beweis für die Durchlässigkeit des Bayerischen Schulwesens."

Tobias Reiß, CSU

Kritik von der Standesvertretung

Der Präsident der Bayerischen Landesärztekammer, Dr. Max Kaplan, spricht dagegen von einem "total falschen Ansatz". Er befürchtet einen Qualitätsverlust des Studiengangs. Gerade in den ersten Semestern sei Medizin ein naturwissenschaftliches Studium, es bestehe die Gefahr, dass dann die Wissenschaftlichkeit nicht mehr gegeben sei. Und er hat noch weitere Bedenken.

"Wenn ich die berufsgebundene, berufliche Hochschulreife erworben habe, dann habe ich nicht die allgemeine Hochschulreife erworben und es ist hier einfach ein gewisser Qualitätsunterschied da. Dann sehe ich die Gefahr, dass die Abbrecher-Quote im Studium größer wird, was dann dazu führt, dass bei bereits jetzt bestehender Knappheit an Studienplätzen noch weniger Ärztinnen und Ärzte in die Patientenversorgung kämen."

Max Kaplan, Präsident Bayerische Landesärztekammer

Zustimmung aus der Praxis

Ganz anders sieht das der Internist Dr. Thomas Rausch. Er leitet seit 15 Jahren seine Arztpraxis in München und ist Lehrbeauftragter für Assistenzärzte an der Ludwig-Maximilians-Universität in München.

"Was ich häufig festgestellt habe ist, dass Leute, die auf dem ungeraden, dem zweiten Bildungsweg in das Studium gekommen sind, sehr viel zielgerichteter studiert haben und sehr viel besser wussten was sie wollten. Weil gerade nach dem G8 an bayerischen Gymnasien zum Beispiel sind die Leute ziemlich orientierungslos, fangen an zu studieren und merken dann erst, das das nichts für sie ist. Und ich habe viele Kollegen - Frauen nach einer Kinderpause, ehemalige Realschüler - die auf dem zweiten Bildungsweg Medizin studiert haben und die ganz hervorragende Ärzte sind."

Thomas Rausch, Internist

Nach Meinung von Rausch stellt sich in vielen Fällen ohnehin erst nach dem Studium heraus, ob jemand wirklich ein guter Arzt ist.


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Lehrerin, Sonntag, 19.März, 09:04 Uhr

8. Falsche Entwicklung!

Die Bewerberzahlen für Medizin sind in den vergangenen Jahren stetig gestiegen, die Anzahl der Studienplätze hingegen deutlich gesunken und somit die Hürde für einen Studienplatz höher geworden. Wenn man jetzt auch noch Fachabiturienten die Möglichkeit gibt, wird es ja nicht mehr Ärzte geben, sondern nur den NC weiter in Richtung 1,0 bringen. In Deutschland gibt es ja keinen Mangel an Bewerbern, sondern einen Mangel an ausgebildeten Ärzten und hier sollte angesetzt werden!! Dieser Kommentar wurde von der BR-Redaktion entsprechend unseren
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Hanna Schöffmann-Frasch, Freitag, 17.März, 20:00 Uhr

7. Da fragt man sich doch. ..

....auf welchem Informationsstand die Kritiker dieser Neuerung stehen geblieben sind.
Der Unterschied zum bisherigen ist lediglich, dass die Schüler KEINE zweite Fremdsprache nachweisen müssen.
Auch bisher konnte man nach der 13. Klasse Medizin studieren. Man brauchte halt Französisch, Spanisch, Latein. ..

Außerdem gibt es einen Unterschied zwischen der fachgebundenen HS -Reife und der allgemeinen Fachhochschulreife.

Nichts für ungut, aber übers Gymnasium liest man in den Nachrichten viel mehr als über die Berufliche Oberschule! Warum wird über diese Option so wenig berichtet? Schließlich entscheiden sich immer mehr für diesen Weg. Zurecht, sage ich!

Kurt Adler, Freitag, 17.März, 10:47 Uhr

6. Falsche Überschrift

Fachabitur und fachgebundene Hochschulreife sind zwei paar Stiefel! Das Fachabitur legen die Schüler in der 12. Klasse, die fachgebundene Hochschulreife in der 13. Klasse ab.

Kopfschüttel, Donnerstag, 16.März, 22:09 Uhr

5. Was für eine dumme Idee

Das wird ein CSU-Rohrkrepierer wie das G8. Ein Fachabitur ist eben nicht gleichwertig mit dem Abitur.

gehirnzelle, Donnerstag, 16.März, 21:04 Uhr

4. Fachabitur

Nachdem ohnehin sehr viel von den mühsam eingepaukten gymnasialen Lerninhalten vergessen wird, kann man auch darauf verzichten. Es könnte ja dann im Studium auf möglicherweise fehlendes Grundwissen eingegangen werden.