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Theresa May in den USA "Ein bisschen das Pfeifen im Walde"

Der Applaus war laut und herzlich. Theresa May war die erste ausländische Regierungschefin, die bei der jährlichen Klausur der Republikaner sprechen durfte. Und sie war der erste ausländische Staatsgast, der nach der Wahl von US-Präsidenten Trump und seinen ersten umstrittenen Entscheidungen sprach. Sie wählte ihre Worte vorsichtig. Den USA sagt sie eine starke Zukunft voraus.

Von: Sabrina Fritz, Washington und Imke Köhler (Interview)

Stand: 27.01.2017

Theresa May war die erste ausländische Regierungschefin, die jemals bei der jährlichen Klausur der Republikaner sprechen durfte. Obwohl sie sich bemühte ihre Wortwahl diplomatisch zugestallten, die unterschiedlichen politischen Ansichten konnte sie nicht verbergen. Den USA selbst prophezeite sie dennoch eine starke Zukunft.

"Amerika kann stärker, größer und zuversichtlicher in den kommenden Jahren sein."

Theresa May

Starke Vereinigte Staaten berechtigten aber noch lange nicht zu politischen Alleingängen auf der internalionalen Bühne, fügte May an. Sie appellierte an die neue Regierung, eine gemeinsame Führungsverantwortung anzustreben.

"Es ist unsere Verantwortung gemeinsam zu führen. Andere treten auf, wenn wir zurück treten und das ist schlecht  für Amerika, Großbritannien und die Welt."

Theresa May

Die NATO nannte sie einen „Eckpfeiler unserer Verteidigung.“ Unterstützte die Amerikaner aber in ihrer  Forderung, dass die Mitglieder mehr bezahlen müssen. Sie erinnerte an die vielen Institutionen in denen Großbritannien und die USA zusammen arbeiten und „Wohlstand und Frieden für Milliarden Menschen“ gebracht hätten. Die NATO, die Weltbank, den IWF  und die Vereinten Nationen. Vieler dieser Institutionen bräuchten eine Reform, aber wir sollten auch stolz auf sie sein sagte May. Ein Widersprich zu Donald Trump, der die NATO als überflüssig bezeichnete und die Zahlungen an die Vereinten  Nationen drastisch kürzen will.

Vorsicht bei Russland, Ja zum Iran

Internationale Institutionen waren aber nicht das einzige Thema, bei dem die Britin jedes Wort auf die Goldwaage legen musste. Russland zum Besipiel sollte man aus einer Position der Stärke begegnen, sagte sie. Es dürfe nicht die Freiheit auf‘s Spiel gesetzt werden, die Ronald Reagan und Margret Thatcher für Osteuropa erreicht hätten, indem man akzeptiere, dass diese Freiheit nun unter den Einfluß von Präsident Putin falle.

"Mein Rat für Wladimir Putin, engagiert sein aber wachsam."

Theresa May

May unterstütze in ihrer Rede außerdem das Atomabkommen mit dem Iran. Man müsse es aber streng beobachten. Auch wenn sie ihre Rede in britische Höflichkeit verpackte, zeichneten sich doch ziemlich viele politische Widersprüche zwischen London und dem neuen Präsidenten in Washington ab.

Heute werden beide nun ihre ersten offiziellen Gespräche führen. Dabei wird es vor allem  um die Wirtschaft gehen. Das Ziel ist ein neues Handelsabkommen zwischen den USA und  Großbritannien.

"Da mein Handelsminister noch nicht bestätigt ist, muss ich es wohl selber machen."

Donald Trump

Einschätzung: Zwei Fragen an Stephan Bierling

Stephan Bierling ist Professor für Internationale Politik und Transatlantische Beziehungen an der Universität Regensburg. Trumps bevorzugte Einladung an May hat für ihn historische Gründe.

Warum ist May die erste Europäerin im Weißen Haus?

"Die Briten galten immer als besondere Freunde der Amerikaner. Aber ganz konkret ist es dieses Mal: Wer soll denn sonst ins Weiße Haus kommen? Trump braucht irgendjemand von einer gewissen Statur und da bleibt im Grunde nur die Britin, die ja mit dieser Brexit-Entscheidung, die sie vertritt und hart durchsetzen will, sozusagen auch den Boden für Trump bereitet hat, der immer wieder den Brexit gelobt hat als Vorbild für Amerika."

Stephan Bierling

Die gemeinsame Führungsverantwortung Großbritanniens und den USA von der May sprach, sei erstmal nur rhetorisches Geplänkel. Bezüglich der jüngeren Vergangenheit. bliebe beiden fast nichts anderes übrig.

Wie kommen GB und USA dazu zu glauben, es im Alleingang zu schaffen?

"Beide [Großbritannien und die USA] hatten im letzten Jahr katastrophale nationalistische Entscheidungen mit dem Brexit und der Wahl von Donald Trump und deshalb bleibt ihnen im Moment gar nicht viel übrig. Das haben sie angekündigt: aus der EU raus, Amerika aus Allianzen und anderen Zusammenhängen herauszuführen, deshalb ist es ein bisschen das Pfeifen im Walde, was wir im Moment von beiden Seiten hören, wenn sie die alte, gemeinsame 'Special Relationship', die besondere Freundschaft, beschwören."

Stephan Bierling


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