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Trauer um Musiker Max Greger ist tot

Metzger sollte er werden und wurde Saxofonist. In den 60ern bespielte er die Wiesn, versöhnte Jazz und Blasmusik. Bis zuletzt stand er auf der Bühne, oft gemeinsam mit Sohn Max und Enkel Max: "Ein Künstler ist nicht da, um abzutreten, sondern aufzutreten". Jetzt ist Max Greger tot.

Von: Michael Kubitza

Stand: 18.08.2015

Max Greger ist mit 89 Jahren am frühen Samstagmorgen an Krebs gestorben. Am 13. Juli hatte er seinen letzten Auftritt in München.

Wie so viele andere arrivierte Künstler lebte Greger lange Jahre im Münchner Nobelvorort Grünwald. Geboren und aufgewachsen aber ist er ein Stück isarabwärts im alten Arbeiterviertel Giesing. Viel war da nicht los nach dem Krieg. Ein Haufen Trümmer, das Übrige eher bescheiden. Obwohl: Einen strammen Freistoß weg vom Alpenplatz, wo Max Greger aufwuchs, kickte ein kleiner Kaiser namens Franz, und nur ein Saxofonsolo von Beckenbauers Bolzplatz entfernt bereiteten sich die Sechziger auf ihren einzigen Meistertitel 1966 vor.

Volltreffer! Max Greger zur WM 1974 im Fußballdress

Drei Jahre zuvor spielte der Greger Max seinen bis heute erfolgreichsten Titel ein, der in den späten Adenauer-Jahren auch Menschen erreichte, für die Jazz-Synkopen sonst so obskur waren wie Frauenfußball: die Melodie des "Aktuellen Sportstudios".

"Das ist das längst- und meistgespielte Thema auf der Welt", glaubte Greger. "Und doch nur 23 Sekunden lang." Von da ab gehörten Trimm-Dich-Platten und "Weltmeisterschaftstanzpartys" zu Gregers Dauerbrennern. Erst für eine CD zu seinem 80. Geburtstag baute Greger seine Erkennungsmelodie auf immerhin zweieinhalb Minuten aus.

1938: Auftritt statt Aufschnitt

Beinahe wäre er ja Metzger geworden wie sein Vater. Swing und Blues aber lagen ihm mehr als das Beil. Als Kind spielte Max Akkordeon, dann Klarinette, später Saxofon am Münchner Konservatorium. Nach dem Krieg gab es in amerikanischen Offizierskasinos immer etwas dazuzuverdienen, hier traf er die Größen der kleinen deutschen Jazzszene und oft genug auch Swing-Götter aus Übersee.

1948ff. : Der Louis, der Max, der Paul und der Hugo

Ein Mann, ein Sound: Greger als Big Band Leader

Seit 1948 trat er mit dem eigenen Max-Greger-Sextett auf, das bei Live-Auftritten im Bayerischen Rundfunk Enzian-Sextett hieß und entschieden mehrheitsfähige Töne anschlug. Standards von Louis Armstrong - mit dem er immer wieder gern zusammenspielte - neben "Auf Bergeshöhen" und dem "Teenager Cha Cha": Bei Greger war das kein Widerspruch.

Das Saxofon wurde Gregers Hauptinstrument - vielleicht auch, weil München in Hugo Strasser bald einen exzellenten Klarinettisten hatte. Dabei hatte der in jungen Jahren in Gregers Band das Saxofon geblasen.

Baaa-ba-da-da: Der Sound des Wirtschaftswunders

1959 besuchte Gregers Crew als erste westliche Big Band die Sowjetunion und brachte an 36 ausverkauften Abenden Bayernpop und Glenn Miller unter Hammer und Sichel. Der ganz große Erfolg kam mit dem Fernsehen: kaum eine Show, in der Max Gregers Orchester nicht aufspielte. Im Rückblick ist das vielleicht, mehr noch als Schlager und früher Krautrock, der Sound des Wirtschaftswunders: der dezent groovende und rund arrangierte Orchesterklang von Max Greger und Hugo Strasser, Kurt Edelhagen und Paul Kuhn, James Last und Horst Jankowski.

Der unkomplizierte Bayer Greger, der Jazz-Connaisseuren wie Oktoberfestzelten einheizte, blieb auch nach dem Ende der Big-Band-Blütes populär. Erst ein tragischer Garagen-Unfall, bei dem 1992 sein Schwager ums Leben kam, brachte ihn vorübergehend von der Bühne.

Die Kanne blieb heiß

Im neuen Jahrtausend startete Greger im Herrentrio mit Paul Kuhn und Hugo Strasser noch einmal durch. Vor allem mit letzterem hatte Greger über Jahrzehnte zusammengearbeitet - auch wenn sich die Bandleader am Anfang gegenseitig die begabtesten Musiker ausspannten. Strasser bewundert an Greger dessen unbändige Dynamik, der gab das Kompliment zurück: "Ich blase eher eine heiße Kanne, Hugo ist der Gentleman."

Noch familiärer als bei den drei "swingenden alten Deppen" (Strasser) ging es nur zu, wenn Greger den Tripelmax gibt: mit dem Junior am Klavier und den Junior junior an der Gitarre. Das hätte noch eine Weile so bleiben können. Gregers Frau Johanna fand: "Er ist eigentlich für sein Alter zu viel unterwegs. Aber es macht ihm einfach Spaß." Greger selbst sah das so: "Die Musik ist das Einzige, was fit hält. Da kann es zwei Minuten vorm Auftritt noch so sehr im Kreuz zwicken, wenn der Applaus kommt, ist alles weggeblasen."


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Pius Vögel, Sonntag, 16.August, 20:50 Uhr

20. Posizionswechsel

Jetzt bringt er Schwung in den Himmel und die Engerln zu tanzen.

  • Antwort von Asinger Heinz, Freitag, 21.August, 15:30 Uhr

    Ich hatte das große Glück die letzten Konzerte in Wien zu verfolgen. Ein ganz großartiger Mensch und Musiker hat uns verlassen.
    Seine Musik wird weiterleben.

    Tiefstes Mitgefühl aus Wien!

    Heinz Asinger

Ulrike Graf, Sonntag, 16.August, 16:49 Uhr

19. Zum Tod von Max Greger

Ein großer Künstler hat sich verabschiedet, ich mochte ihn sehr und er hat uns allen mit seiner Musik sehr viel Freude gemacht. Mein Mitgefühl gilt seiner Familie.

pedrico, Sonntag, 16.August, 13:39 Uhr

18. Max Greger............

............war der autentischste Interpret von Glenn Miller............Danke.............

Colla Alberts, Sonntag, 16.August, 13:30 Uhr

17. Tod Max Greger

Ein Blitzschlag, sein Tod hat uns überrascht denn wir sind alle mit der Musik von Max Greger aufgewachsen, damals schaute Jeder Limburger nach die Große Programmen am Samstagabend, sehr oft spieltte Max Greger mit seinem BigBand auf. . Ein Monument ist nicht mehr, wir wünschen seine Ehefrau und weitereFamilie alles gute, starke und Mut. Herr Max Greger, Ruhe in Friede und ... Danke für deine tolle Musik.
Colla Alberts, Süd Limburg Niederlande

Francesco, Sonntag, 16.August, 13:01 Uhr

16. Kategorie "Typen"

So geht leider ein Typ nach dem anderen und wir müssen immer mehr mit den blassen "Mainstreamern" leben. Max danke für alles und lass' es Dir oben gut gehen.... An die Familie ein herzliches Beileid, das Leben geht (immer) weiter.