0

TIMMS-Studie Deutsche Viertklässler sind Mathe-Muffel

Die gute Nachricht: Die deutschen Viertklässler haben im Fach Mathematik ihr Leistungsniveau gehalten. Die schlechte Nachricht: Im internationalen Vergleich sind die deutschen Schüler abgerutscht.

Von: Janina Lückoff

Stand: 29.11.2016

Ein Mädchen liegt auf der Schulbank, im Hintergrund: Matheaufgaben an der Tafel | Bild: dpa-Zentralbild

Gut 300.000 Grundschüler aus 48 Staaten haben sich an der TIMSS-Studie beteiligt, die alle vier Jahre durchgeführt wird. In Deutschland waren rund 4.000 Schülerinnen und Schüler aus 204 Schulen in die Untersuchung einbezogen.

Viertklässer unterdurchschnittlich

Allerdings: Im Vergleich zu den EU- und den OECD-Staaten sind deutsche Viertklässler unterdurchschnittlich. Der Leiter der Studie, Wilfried Bos vom Institut für Schulentwicklungsforschung an der TU Dortmund, erläutert das:

"Andere Länder haben deutlich zugelegt. Wir haben unsere Leistung gehalten, die gleichen Ergebnisse, aber andere Länder sind eben deutlich besser geworden."

Wilfried Bos, Leiter der TIMSS-Studie in Deutschland

Und zwar deshalb, weil andere Länder deutlich besser geworden seien, während Deutschland seine Leistungen gehalten habe. Als Beispiele zählt Bos Dänemark, Litauen, Finnland, Belgien, Norwegen und Irland auf.

Nicht mehr als Grundrechenarten

Insgesamt 21 der 48 teilnehmenden Staaten schneiden bei der jüngsten TIMSS-Studie im Bereich Mathematik besser ab als Deutschland. Fast jeder vierte deutsche Schüler erreicht in Mathematik nicht die dritte von fünf Kompetenzstufen.

Problem ab der fünften Klasse

Das heißt laut Bos: „Die können die Grundrechenarten, mit Müh und Not, aber mehr ist da nicht zu holen.“ Da habe sich seit 2007 wenig geändert, so Bos. Die betreffenden Schüler werden aller Wahrscheinlichkeit nach den Anschluss verlieren, wenn sie in die fünfte Klasse kommen und dort von Fachlehrern unterrichtet werden.

Gut in den Naturwissenschaften

Anders als in Mathematik schneiden die deutschen Viertklässler in den Naturwissenschaften wie schon 2011 und 2007 vergleichsweise gut ab: nur in 15 Staaten sind die Leistungen noch besser.

Eine weitere Erkenntnis der neuen TIMSS-Studie: Der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungschancen hat sich seit 2007 nicht verändert. "Der Unterschied zwischen Kinder aus der oberen Schicht und unteren Schicht liegt bei 39 Punkten, das ist ungefähr das, was in einem Jahr dazugelernt wird, sagt Bos.

Trotzdem: Spaß an der Sache

So weisen - nicht nur in Deutschland - jene Schülerinnen und Schüler signifikant bessere Leistungen in Mathematik vor, die von mehr als 100 Büchern zu Hause berichten.

Doch auch wenn die Leistungen der deutschen Viertklässler in Mathe nicht immer die besten sind: Den meisten scheint das Fach Spaß zu machen.

"Wir sehen, dass zwei Drittel unserer Kinder eine positive Einstellung zur Mathematik hat; das ist ein tolles Ergebnis. Unserer Grundschule gelingt es, die Kinder zu motvieren, anzuregen und mit einer positiven Einstellung nach Hause zu schicken."

Wilfried Bos, Leiter der TIMSS-Studie in Deutschland

Leistungsschwächere Schüler im Fokus

Die Präsidentin der Kultusministerkonferenz, Bogedan, sieht in den Ergebnissen keinen Grund für Euphorie, aber auch keinen Grund, in, wie sie sagt: Sack und Asche zu gehen.

"Ich denke, das ist erst einmal ein gutes Ergebnis: Diejenigen, die schwächer waren sind mitgezogen worden, aber es ist eben nicht insgesamt gelungen, das System gelungen, wie es in anderen Ländern gelungen ist zu verbessern."

Claudia Bogedan, Präsidentin der Kultusministerkonferenz

Empfehlungen der Schulforscher

Nun gehe es darum, sowohl die leistungsschwächeren als auch die leistungsstarken Schülerinnen und Schüler noch stärker in den Blick zu nehmen.

Der Parlamentarische Staatssekretär im Bildungsministerium, Müller, kündigte an, in den nächsten Jahren die Lehrkräfte bei dieser Aufgabe unterstützen zu wollen. Beides hatten die Schulforscher der deutschen Bildungspolitik empfohlen.

Mathe-Adventskalender

Dass das Bildungsministerium fast zeitgleich mit der Präsentation der TIMSS-Ergebnisse auf ein besonderes Angebot aufmerksam machte war ganz bestimmt Zufall: Der Mathe-Adventskalender soll laut Pressemitteilung auf spielerische Art und Weise den mathematischen Horizont der Kinder erweitern. Informationen zu dem Wettbewerb gibt's im Internet unter dem Suchbegriff "Mathe im Advent".

  • Janina Lückoff | Bild: ARD-Hauptstadtstudio / Reiner Freese Janina Lückoff

    Janina Lückoff arbeitet für den Bayerischen Rundfunk als Korrespondentin im Hauptstadtstudio Berlin


0

Kommentare

Inhalt kommentieren

Bitte geben Sie höchstens 1000 Zeichen ein.

Spamschutz * Bitte geben Sie das Ergebnis der folgenden Aufgabe als Zahl ein:

Ettore Atalan, Mittwoch, 30.November, 18:46 Uhr

3. Bessere Überschrift: Deutsches Schulsystem produziert Mathe-Muffel

Genauso wie Physik-, Chemie-, Deutsch-, Informatik-Muffel, usw.

Fürs Leben lernen passt eben nicht zu starren und veralteten Lehr- und Stundenplänen, strengen Hierarchien, Frontalunterricht und v.a. zu früher Selektion nach der 4. Klasse.

Elke, Mittwoch, 30.November, 08:20 Uhr

2. Deutschland wirkt auf arme Analphabeten und Ungebildete wie ein Magnet.

Kinder von Analphabeten und von Ungebildeten werden in der Bildung auch nicht viel weiter kommen als ihre Eltern. Harz IV Bezug wird offensichtlich weiter vererbt. Wenn die Eltern harzen, dann harzen in der Regel auch ihre Kinder. Aus dem Hochtechnologie-Deutschland, aus der Wirtschaftslokomotive Deutschland wird eine Schrottreife rostige Dampfwalze. Danach werden die Asylsuchenden ausbleiben, dann lohnt sich die lange Anreise über sieben oder mehr sichere Länder nicht mehr.

Erich, Dienstag, 29.November, 18:01 Uhr

1. Deutsche Viertklässler?

Es gibt viele Grundschulen in Deutschland mit bis zu 98% Migrantenanteil. Die 2% deutschen Kinder an solchen Schulen, fallen hinten runter.

Süddeutsche Zeitung vom 29. November 2012, -------- > Eltern flüchten vor hohem Ausländeranteil

  • Antwort von Erich, Dienstag, 29.November, 19:35 Uhr

    Noch eine kleine Anmerkung! Länder wie Ungarn, Tschechien, Polen, die Baltischen Staaten, nehmen genau die entgegengesetzte Richtung, wenns um die Leistung des Nachwuchses geht., Woran das liegt, dürfte wohl jedem klar sein!