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Marlene-Dietrich-Videos Klage gegen Youtube abgewiesen

Das Oberlandesgericht München hat eine Klage der Marlene Dietrich Collection gegen Youtube abgewiesen. Der Rechteverwalter wollte erreichen, dass Videos von einem Auftritt der Sängerin nicht mehr gezeigt werden dürfen.

Von: Vera Cornette, Florian Regensburger

Stand: 13.04.2017

"Sag mir, wo die Blumen sind", sang Marlene Dietrich bei einem Konzert 1972 in London. Nach dem Willen des Verwalters der Rechte an Marlene Dietrichs musikalischem Nachlass, der Marlene Dietrich Collection, hätte es bald heißen sollen: "Sag mir, wo die Videos sind". Die Marlene Dietrich Collection wollte nämlich erreichen, dass rund 40 Videos von einem Auftritt der berühmten Sängerin im Jahr 1972 in London nicht mehr auf der Online-Videoplattform gezeigt werden dürfen.

Klägerin hat laut Gericht keine Klagebefugnis

Marlene Dietrich kurz vor ihrem Konzert in London

Das Gericht kam nun aber zu der Auffassung, die Leistungsschutzrechte an den Musikvideos liegen gar nicht bei Marlene Dietrich beziehungsweise ihrem Rechtsnachfolger, in diesem Fall der Marlene Dietrich Collection. Vielmehr lägen diese Rechte nach dem deutschen Urheberrechtsgesetz beim Hersteller der Filmaufnahmen, einer US-amerikanischen und einer britischen TV-Produktionsfirma. Der Marlene Dietrich Collection stehe damit keine Klagebefugnis zu.

Die weitere, drängende Streitfrage, ob Youtube als Plattformbetreiber für die öffentliche Zugänglichmachung von Nutzern eingestellter Videos verantwortlich ist, hat das Gericht danach gar nicht mehr behandelt.

Lange Vorgeschichte des Urteils

Marlene Dietrich 1975 am Flughafen Heathrow

Dem heutigen Urteil ging ein jahrelanger Rechtsstreit voraus. Bereits seit 2012 hatte die Marlene Dietrich Collection mit Sitz in München, die sich dem Schutz der Persönlichkeit und des Lebenswerks der 1992 gestorbenen Künstlerin verschrieben hat, gegen Youtube geklagt - weil es die Konzert-Videos öffentlich zugänglich macht. Hunderttausendfach sind die Clips schon angeklickt und kostenlos angesehen worden.

2012 war Youtube dann in einem ersten Urteil des Oberlandesgerichts München lediglich dazu verurteilt worden, den Klassiker "Lili Marleen" zu löschen. 2014 änderte das Gericht dieses Urteil und erlaubte auch das Zeigen von "Lili Marleen" wieder. Das Gericht war der Auffassung gefolgt, dass Dietrich bei dem Konzert in London kein Leistungsschutzrecht für Deutschland erworben habe. Aus einem anderen Grund, als das Gericht heute urteilte: Weil Marlene Dietrich, die vor den Nazis geflohen warund 1939 die amerikanische Staatsbürgerschaft angenommen hatte, zum Zeitpunkt des Auftritts US-Bürgerin war, hatte das Münchner Gericht auf dem deutschen Youtube-Angebot keine Urheberrechte verletzt gesehen.

Rechteinhaber haben bislang nicht geklagt

Der Bundesgerichtshof in Karlsruhe hob das Urteil 2016 schließlich wieder auf, weil die Künstlerin wegen internationaler Abkommen die gleichen Rechte habe, wie jeder deutsche Künstler heutzutage auch - und verwies den Fall zurück nach München. Dort hat das Oberlandesgericht nun klargestellt, dass die Aufnahmen, die Teil eines Konzertfilms aus dem Jahr 1973 sind, "als Filmwerk zu qualifizerien sind". Die Rechte liegen damit bei den Produzenten dieses Films. Und die haben bislang nicht gegen Youtube geklagt.

  • Vera Cornette | Bild: Vera Cornette/BR Vera Cornette

    Reporterin beim BR-Fernsehen und Autorin für Multimedia-Projekte.

  • Florian Regensburger | Bild: BR Florian Regensburger

    Redaktion BR24 Netzwelt - berichtet für BR24 und den BR-Hörfunk über Netz- und Technikthemen


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