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Marcel Reif schmeißt hin Mit 66 fängt das Leben an

Markanter, charakteristischer und auch umstrittener als Marcel Reif ist kein Fußballkommentator unserer Zeit. Er prägte die Fußballübertragungen der vergangenen 20 Jahre - und nun hört er auf. Manche Fans atmen durch, andere bedauern schon jetzt den Verlust einer der größten deutschen Kommentatoren-Stimmen.

Stand: 15.01.2016

Fußball-Kommentator Marcel Reif hört auf | Bild: picture-alliance/dpa

Für viele Fußballfans ist Marcel Reif eine der prägenden Stimmen vieler Fernsehübertragungen. Legendär und umstritten zugleich ist der mittlerweile 66-Jährige, der zu den bekanntesten Kommentatoren in Deutschland zählt. Doch im Sommer ist Schluss - das hat Reif nun angekündigt. Seine Karriere begann allerdings nicht im Fußball - wahrscheinlich reifte sein analytisches Können in der Zeit als Politik-Reporter. Doch die Leidenschaft Fußball prägte den späteren Bundesliga- und Champions League-Reporter Reif bei seinem Jugendclub in Kaiserslautern.

"Nach 17 Jahren läuft mein Vertrag aus und es ist an der Zeit, sich neuen Herausforderungen und Projekten zu widmen. Bei und mit Sky habe ich eine spannende Zeit mit vielen Höhepunkten erlebt. Wir gehen mit gegenseitigem Dank und mit Wertschätzung auseinander."

Marcel Reif, Fußballkommentator

Sternstunde in Madrid

Der Durchbruch kam zusammen mit Günther Jauch, als 1998 bereits vor Anpfiff der Partie zwischen Madrid und Dortmund bereits ein Tor fiel - allerdings im wörtlichen Sinne. Deshalb begann das Spiel über eine Stunde verspätet und die beiden Kommentatoren mussten improvisieren und überbrücken. Dafür gab es unter anderem den Bayerischen Fernsehpreis. Durch seine charakteristische Kommentationsart hat sich Reif nicht nur einen großen Fankreis aufgebaut. Allerdings gilt er bei vielen Fußballfans auch als egozentrischer Fachmann, der gern auch seine eigene Meinung in den Vordergrund schiebt. Diese Kritik perlte in der Vergangenheit jedoch an Reif ab - selbst nachdem er von Kritikern im Stadion angegriffen wurde.

Die besten Zitate von Marcel Reif

"Es gibt ja ein paar Teile am Körper, die möchte man ja noch mal verwenden können."

"Ich darf als Reporter ja nicht parteiisch sein... ich will auch nicht parteiisch sein - aber... lauft, meine kleinen schwarzen Freunde, lauft!"

"In acht Minuten drei Tore, was können wir als Kassenpatienten mehr verlangen."

"Noch nie hätte ein Tor einem Spiel so gut getan wie heute hier."

"Und dieser öffnende Pass brachte wieder 57 Zentimeter Raumgewinn!"

"Die Spieler von Ghana erkennen Sie an den gelben Stutzen."

"Je länger das Spiel dauert, desto weniger Zeit bleibt."

"Wenn Sie dieses Spiel atemberaubend finden, haben Sie es an den Bronchien."

"Wenn die Hamburger jetzt in der Abwehr gut stehen und kein Tor mehr zulassen, werden sie auf jeden Fall nicht mehr verlieren."

Finale in Mailand

Nun sei aber Schluss erklärte Reif und löste einen kleinen Schockzustand in Fußballdeutschland aus. Selbst Trainer wie der Dortmunder Coach Thomas Tuchel bedauerten den Rücktritt. In sozialen Medien hingegen ging ein Raunen und Aufatmen um. Das diesjährige Champions League-Finale in Mailand wird sein letztes Spiel als Kommentator. Wie es danach weitergeht, ließ Reif noch offen. Es gebe allerdings "interessante Angebote".


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Holger, Samstag, 16.Januar, 16:37 Uhr

3. They never come back

Tschüss, Grökatz .... grösster Kommentator aller Zeiten ;-)

Udo Pablitschko, Samstag, 16.Januar, 08:35 Uhr

2. Fuasboilabara


Is´guat weida .

dildoldi, Samstag, 16.Januar, 07:44 Uhr

1. Marcel Reif hört auf

Na endlich, wurde auch Zeit. Der Artikel hier wurde wohl von seiner PR Agentur verfasst. Der Mann war mit seiner völlig überflüssigen Emotionalisierung eines Sportgeschehens einer der Hauptgründe dafür, dass ich bei Sportübertragungen, nicht nur das Ballgetrete, den Ton abstelle. Das lächerliche Herumgeplärre am Mikrofon, das Verwenden absolut unangemessener Adjektive wie sensationell, unglaublich etc. für das Tun von Sportmillionären, die sich an ihrem Arbeitsplatz eben so verhalten, wie man es erwarten darf im Hinblick auf das dafür erhaltene Salär, das sind Dinge, die in meinen Augen Reif als Totengräber einer ausgewogenen, neutralen Sportberichterstattung charakterisieren. Es ist gut, dass er endlich ( viel zu spät ) geht, leider scheint sein Geblöke am Mikrofon zum neuen Qualitätsmerkmal einer von objektiven Fakten völlig losgelösten Sportberichterstattung zu sein.

MfG

  • Antwort von Emil, Samstag, 16.Januar, 15:39 Uhr

    "überflüssigen Emotionalisierung", " lächerliche Herumgeplärre am Mikrofon", " Geblöke am Mikrofon". Leider empfinden viele Zuschauer genau diese Eigenschaften bei Kommentatoren wie Wolff-Christoph Fuss und Co. als peppig, modern und unterhaltsam. Dazu werden noch Anglizismen wie die "Box" abgefeiert und 1:1 übernommen. Schade, dass ein guter Kommentator und prägender Charakter so auseinandergenommen und sogar persönlich attackiert wird. Den Grund sehe ich dabei eher bei den vielen (schwachen) Social-Media-Nutzern, die sich in einem solch lächerlichen Strom mitreißen lassen. Schade! Ich freue mich schon, wenn dann wieder gejammert wird es gäbe keine Charakter mehr vor dem Mikro und der Nächste unbegrechtigt die Rolle des Prügelknaben einnehmen muss.