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Verdacht gegen Jäger Luchse auf der Abschussliste?

Unruhe im Bayerischen Wald: Wer ist der Luchskiller? Der Verdacht: Es war ein Jäger. Die Indizien deuten darauf hin. Die Abendschau hat in Lam mit Jägern, die ihre Reviere rund um die Fundstelle der abgeschnittenen Pfoten haben, gesprochen.

Stand: 16.07.2015

Im Mai wurden in der Gegend Luchspfoten gefunden - sie stammen von zwei unterschiedlichen Tieren. In einer der Pfoten wurden auch Geschosspartikel festgestellt. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass es sich dabei um Jagdmunition handelt. Offenbar wurde den Tieren gezielt nachgestellt:

"Mir wurde schon durchaus gesagt, wenn sie einen Luchs vor der Flinte haben, praktisch im Fadenkreuz, dann drücken sie auch ab! ... Wie ich es sehe, gibt es eine regelrechte Jagd auf den Luchs - leider Gottes!"

Karl-Heinz Schindlatz, Landesbund für Vogelschutz

"Ich hab mich eigentlich noch nie dazu geäußert, aber das ist schon ein bisschen ein Kasperltheater finde ich ganz ehrlich."

Andreas Roßbauer, Jäger

Die Jagd auf den Luchs also ein Kasperltheater, das aber durchaus mit Gefängnis bestraft werden kann. Dichte Wälder prägen die Gegend oberhalb von Lam, wo die abgeschnittenen Luchspfoten im Mai gefunden wurden. Häuser gibt es dort kaum. Wer hier einen Luchs abschießen will, muss sich auskennen. Andreas Roßbauer ist einer von drei Jägern, die hier oben ihre Reviere haben. "Es gibt hier bei uns keinen Verdächtigen", sagt er. Kommt der Täter etwa von auswärts? "Mit Sicherheit", meint Roßbauer.

Auch Otto Frisch geht hier oben zur Jagd. Der Luchs sei ein schönes Tier, sagt er, nur brauche ihn hier niemand. 

"Es sind halt unheimlich viele Luchse da. Wir wissen schon bald nicht mehr was wir tun sollen! Vor zwei, drei Jahren oder vier, da hab ich sieben verschiedene Luchse auf der Wildkamera gehabt - auf 250 Hektar - Also bei aller Liebe! Aber das ist einfach zu viel!"

Otto Frisch, Jäger

Luchsforscher ringen dagegen seit Jahren um eine wachsende Population. Gerade einmal sechs Weibchen vermuten die Wissenschaftler im Bayerischen Wald. Diese Zahl kann Otto Frisch nicht nachvollziehen:

"Ich wäre dafür, dass man einen geregelten Abschuss macht für den Luchs."

Otto Frisch

"Um Gotteswillen – wir brauchen keinen Abschuss – wir brauchen einen Luchsschutz."

Karl-Heinz Schindlatz

Die Luchstötungen im Bayerischen Wald schaden dem Image der Region. Die Ermittlungen laufen - neue Ergebnisse gibt es bislang nicht.

"Den muss man auf frsciher Tat ertappen  - aber einen Jäger dabei zu erwischen ist unmöglich. Deswegen wird das alles im Sande verlaufen."

Karl-Heinz Schindlatz

Im Frühling gab es Streit in Lam zwischen Anwohnern und Naturschützern. Gleich ums Eck - am Kaitersberg - wurde ein Luchsschutzgebiet ausgewiesen. Kurz darauf fanden Luchsforscher die vier abgetrennten Pfoten. Andreas Rossbauer sagt uns, er sei es Leid, dass sich Naturschützer immer wieder durchsetzten.

"Da liegt es ja auch Nahe zu sagen, solchen Leuten verpassen wir mal einen schönen Denkzettel? Das gehört eingentlich schon lange mal gemacht, ja. Und wenn sich da welche zusammen tun, da würde ich sagen, da sollte man schon auch mitmachen!"

Andreas Roßbauer

Deutliche Worte in Richtung der Naturschützer.


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