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Löwenbräu-Abriss Traditionsbrauerei soll Wohnungen weichen

Löwenbräu gilt als Münchner Traditionsbrauerei. Doch nun will das Unternehmen, das längst zu einem internationalen Konzern gehört, die Bierherstellung in der Münchner Innenstadt aufgeben. Auf dem Grundstück sollen Wohnungen entstehen. Lorenz Storch berichtet.

Von: Lorenz Storch

Stand: 12.08.2017

Löwenbräu zieht zu Spaten | Bild: BR/Lorenz Storch

Frisches Bier auf bröckelnder Fassade

Die Brauerei mit dem Löwen steht schon seit 200 Jahren an der Nymphenburger Straße – und sie wirkt inzwischen etwas aus der Zeit gefallen. Außen herum schicke Bürokomplexe mit Glasfassaden. Bei Löwenbräu dagegen blättert der Putz. Eine große Produktionsanlage hier nahe des Münchner Hauptbahnhofs ist angesichts der hohen Bodenpreise eigentlich Luxus.

Die Flucht der Brauereien aus der (Innen-)Stadt

Hacker-Pschorr, ein paar Hundert Meter weiter, ist schon seit Jahrzehnten weg, dort steht heute eine Außenstelle des Europäischen Patentamts. Wo Paulaner war, in der Au, entstehen jetzt Wohnungen. Und auch ein Teil des alten Löwenbräu-Geländes ist schon überbaut. Jetzt soll es also dem Rest an den Kragen gehen – und viele bedauern das.

"Das hat Geschichte da. Das ist ein Wahrzeichen für München."

Münchner Bürger

Doch die Bagger werden ja nicht gleich morgen anrücken, beschwichtigt Jobst Kayser-Eichberg, dessen Firma Sedlmayer Grund und Immobilien das Grundstück gehört.

"Das ist ein ganz langer Prozess, den man jetzt erst einleiten wird in Gesprächen mit ABInbev."

Jobst Kayser-Eichberg

ABInbev mit der Zentrale in New York - so heißt inzwischen der international Braukonzern, dem Löwenbräu und Spaten gehören. Vor 15 Jahren war es noch Interbrew mit Zentrale in Belgien, an den die Münchner Traditionsmarken verkauft wurden.

Gebraut wird auf gepachtetem Grund

Den Grund und Boden aber hatte Kayser-Eichberg mit seiner Münchner Firma damals schon selbst behalten, die Brauereien sind nur noch Pächter, und deren Pachtzins wird sich im Übrigen ab dem nächsten Jahr verzehnfachen. Ein großer Anreiz, sich zu verkleinern.

Wer auf die Wiesn will, muss in München brauen

Der ursprüngliche Plan sah vor, dass die Brauereien dann schon die Innenstadt verlassen haben sollten. Aber da gibt es ein Problem: Wer nicht in München braut, darf nicht mehr aufs Oktoberfest. Und im Stadtgebiet gibt es keine Flächen mehr.

Nach dem Umzug droht noch mehr Lkw-Verkehr in der Nacht

Noch mehr nächtliche Lkw-Staus vor dem Spatengelände?

Deswegen müssen Löwenbräu und Spaten also zusammenrücken, statt raus vor die Stadt. Die beiden Brauereigelände sind schon jetzt durch eine Brücke und Rohrleitungen verbunden. Auch die Löwenbräu-Biere werden bei Spaten abgefüllt. Wenn aus den beiden Brauereien endgültig eine wird, ist es vor allem der Lagerplatz, der knapp werden wird. Statt der alten Reifekeller gibt es dann nur noch Metalltanks. Und das Leergut hat dann keinen Platz mehr auf dem Gelände, sondern muss nachts just in time per Shuttle-LKW geliefert werden.

Zehn Jahre wird es wohl noch dauern, bis es einen neuen Bebauungsplan gibt. Dann will Jobst Kayser-Eichberg auf dem Löwenbräu-Gelände Mietwohnungen bauen. Nicht nur Luxuswohnungen, verspricht er:

"Das gehört dazu, dass neben sehr teuren Wohnungen auch solche erstellt werden, die sich der Normalbürger noch leisten kann."

Jobst Kayser-Eichberg

Zumindest der Löwenbräukeller bleibt

Die Münchner Regelung zur "Sozialgerechten Bodennutzung" schreibt inzwischen 40 Prozent bezahlbare Wohnungen vor – das gilt auch hier. Und so sehen manche Münchner das bevorstehende Ende der Löwenbräu-Brauerei eher unsentimental - es ist ihnen schlichtweg egal. Und immerhin soll der denkmalgeschützte Löwenbräukeller auf jeden Fall stehen bleiben.


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Juergen, Montag, 14.August, 08:20 Uhr

13. Raus aus der Stadt

Wie die Paulaner Brauerei sollten die Unternehmen, die keinen eigenen Platz für Anlieferungen haben, raus aus der Stadt. In der Marsstraße beim "Spaten" stehen täglich zig-LKW auf der linken Fahrspur, geduldet von Polizei und Stadtrat, und behindern den Verkehr erheblich!!! Auf Kosten der Allgemeinheit, da Spaten offensichtlich einen zu kleinen Ladehof hat, geht es noch? Ebenso werden ewig die Fahrspuren zum abladen beim Opel Häusler und BMW in der Landsbergerstr. genutzt. deren Ladehöfe werden anderweitig genutzt. Die "Giesinger Brauerei" hat die Genehmigung am Giesinger Berg erhalten, ohne einen Ladehof zu haben, den hat man zum Umladen in die Magnusstr. verlegt. Gelten für Unternehmen in München andere Gesetze...??? Darüber sollte der Stadtrat mal nachdenken, dies trägt einen großen Anteil am Verkehrskollaps in München!

Süddeutscher und gleich weg, Samstag, 12.August, 15:35 Uhr

12. Sind es etwa Neubürger und deswegen der Beitrag

Man braucht mehr Unterbringungsmöglichkeiten - Ich befürchte nur eine Ansiedlung von Neubürgern.

Lusches, Samstag, 12.August, 14:43 Uhr

11. .... wir

haben verstanden und somit wird es bald kein Bier mehr geben von denen, sondern
Metallplörre.

Wir haben schon Ersatz gefunden, bitte keine Sorgen sich machen um uns.

Helmut, Samstag, 12.August, 14:22 Uhr

10.

Der Pachtzins verzehnfacht sich im nächsten Jahr !

Einfach das Grundstück nicht mehr nutzen, dann hat der Eigentümer keine Einnahme mehr und kommt wieder auf Normalmaß.

Wolfgang, Samstag, 12.August, 09:35 Uhr

9. Wieso hohe Bodenpreise?

Warum sollen die neuen Bewohner eine extrem hohe Wohnsteuer oder Tribut an den Grundherren zahlen.

Wohnsteuer, das Gelände des ehemalige Isarbahnhofes in Thalkirchen ist zu einer sehr teuren Wohnlage umgewandelt worden, der Sozialeffekt des Münchenmodells enlässt die sozial bedürftigen Käufer nur einen kleinen Teil der über den Bodenpreis zu zahlenden Tributs.

Ebenso die Bebauung au fem ehemaligen Rangierbahnhof Laim und privat am südring auf den Paulandergeländen Nockerberg.

Weniger Arbeitsplätze nach München, totaler Baustopp für Gwerbe- und Büroimmobilien, kein Zuzug oder Zuweisung von Arbeitslosen, auch nichht ausländern aus Afrika und Arabien.

Arbeitslose könne auch z.B. in Schweinfurt in ex-US-Wohnanlgen wohnen statt diese abzureissen.