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Lehrermangel und Flüchtlinge "Gesellschaftliche Bombe könnte hochgehen"

Immer mehr Flüchtlingskinder kommen nach Bayern und gehen dort auch in die Schule. Darauf ist das Schulsystem nicht ausreichend vorbereitet. Lehrerverbände warnen vor einer Gefährdung der Grundversorgung, aber auch davor, deutsche gegen Migrantenkinder auszuspielen.

Von: Ernst Eisenbichler und Gerhard Brack

Stand: 20.07.2015

Radio/Bayern 2/Sendungen/regionalZeit - Südbayern30.000 Schüler mit Flüchtlingshintergrund besuchen derzeit Bayerns Schulen: Mehr als 6.100 lernen in Übergangsklassen gerade Deutsch, rund 4.500 besuchen in besonderen Flüchtlingsklassen berufliche Schulen. Weil so viele Menschen in Deutschland Asyl suchen, wachsen auch die Aufgaben für die Lehrer.

Hilferuf der Lehrerverbände

Bayerns Schulen sind bereits jetzt überfordert. Schon geistern Szenarien herum, die sogenannte Mobile Reserve könne bei der Flüchtlingsbetreuung aushelfen. Dieses Kontingent an flexibel disponierten Lehrkräften soll eigentlich für die etatmäßigen einspringen, wenn diese ausfallen. Und das kommt jetzt schon oft genug vor. Was also tun? Heute Vormittag wenden sich die bayerischen Lehrerverbände gemeinsam mit einem Hilferuf an die Politik und verabschieden eine gemeinsame Erklärung zur Beschulung und Betreuung von Flüchtlingen.

BLLV warnt: Grundversorgung gefährdet

BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann

Der Verband der Lehrer an den beruflichen Schulen in Bayern hatte bereits in einem Brandbrief vor einem Kollaps der Berufsschulen gewarnt. Auch der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) ist besorgt: "An den Grund- und Mittelschulen ist die Mobile Reserve jetzt schon oft nach einem halben Schuljahr aufgebraucht", beklagt BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann.

Simone Fleischmann: "Keine Zeit, keine Kompetenz"

Im B5 Thema des Tages forderte Simone Fleischmann mehr ausgebildetes Personal für Flüchtlingskinder - Psychologen, Dolmetscher, Lehrer mit Kenntnissen in Deutsch als Fremdsprache. Derzeit fehle es an Kompetenz, Zeit und Unterstützung, um sich angemessen um die Flüchtlingskinder zu kümmern.

"Übergangsklassen sind ein wunderbares Angebot – aber nicht jedes Flüchtlingskind sitzt in einer Übergangsklasse. Viele gehen in Regelklassen, da sitzen schon 24 Kinder und dann kommen ein, zwei Kinder dazu, die kein Deutsch können und traumatische Erfahrungen haben. Vom Klassenleiter wird dann verlangt, dieses Thema aktiv aufzugreifen."

Angesichts steigender Flüchtlingszahlen könne sich die Situation bald zuspitzen, wenn die Reserve nicht bald aufgestockt wird und gleichzeitig zunehmend für Flüchtlingskinder abgezogen werden sollte. Dann bestehe die Gefahr, dass Unterrichtsstunden ausfallen und die Grundversorgung nicht mehr gewährleistet sei - in allen Schularten. Fleischmann warnt vor möglichen sozialpolitischen Folgen:

"Es könnte eine gesellschaftliche Bombe hochgehen. Ich habe große Sorge, dass dann deutsche gegen Migrantenkinder ausgespielt werden."

Simone Fleischmann, BLLV

In diesem Zusammenhang hatte CSU-Landtagsfraktionschef Thomas Kreuzer im Juni in einem Zeitungsinterview gesagt: "Man kann sich vorstellen, was los ist, wenn die komplette Mobile Reserve der Lehrer für die Betreuung der Flüchtlingskinder eingesetzt ist und es deswegen zu Unterrichtsausfall kommt." Kreuzer warnte in diesem Zusammenhang vor einem Stimmungsumschwung gegen Flüchtlinge in der Bevölkerung. Das bayerische Kultusministerium war aktuell für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Task-Force für Flüchtlingsunterricht und Sonderbudget gefordert

Angesichts der Erfahrungswerte der vergangenen Jahre fordert der BLLV unter anderem, dass die Kontingente für Mobile Reserven schon zu Schuljahresbeginn deutlich erhöht und nicht erst während des Schuljahres aufgestockt werden. Zudem plädiert der Verband für eine Task-Force für Unterricht und Betreuung von Asylbewerbern und Flüchtlingen.

Sie soll unter anderem dafür sorgen, dass den Migranten genügend qualifizierte Lehrkräfte zur Verfügung stehen. Mindestens 70 Pädagogen seien dazu nötig, so die Forderung der Arbeitsgemeinschaft bayerischer Lehrerverbände (ABL). Notwendig wäre dazu ein gesondertes Budget im bayerischen Haushalt. An den Kosten sollen sich alle Ministerien beteiligen, denn es gehe um eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Das sei zwar teuer, aber auch unumgänglich.

Schließlich könne nicht anderswo an Unterricht gespart werden, nur weil Asylbewerber nach Bayern kommen, so die ABL. Die Flüchtlingskinder hätten oft traumatische Erfahrungen gemacht. Sie bräuchten dringend Psychologen, Dolmetscher, Sozialarbeiter. Auch Deutschkurse sollten die Kinder schnell bekommen. Darüber hinaus seien auch mehr Verwaltungskräfte und Räume nötig, so die ABL.

Mobile Reserve: die "Lehrerfeuerwehr"

Die Mobile Reserve kann und soll überall dort einspringen, wo Lehrermangel herrscht. Jeder Schulamtsbezirk hat dazu ein Kontingent von Lehrkräften, das bei Bedarf sowohl an Grund- als auch an Mittelschulen eingesetzt werden kann - zum Beispiel als Ersatz für Schwangere oder Langzeiterkrankte. Die Mobile Reserve sieht neben einer Grundversorgung ab Schuljahresbeginn regelmäßige Aufstockungen in den Monaten November, Januar und Februar vor.


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Ingeborg F., Freitag, 24.Juli, 11:53 Uhr

23. Notizbuch-Freitagsforum

Als ehemalige Lehrerin habe ich gleich zu Anfang meiner Tätigkeit 1969 schmerzlich erfahren, dass ich für die Lösung der Probleme, die sich aus der höchst unterschiedlichen Zusammensetzung einer Klasse ergeben, nicht ausreichend vorbereitet war. Ich hätte mich gerne viel mehr um "schwache" Schüler gekümmert, war aber auch der Förderung der Begabten verpflichtet.
Diese Problematik verschärft sich jetzt in hohem Tempo durch Flüchtlingskinder. Unter guten Bedingungen hätten wir eine große Chance, durch die Begegnung mit den jungen Menschen hier bei uns mit der ganzen Welt enger verbunden zu sein. Die uns anvertrauten Kinder könnten Schutz und Zuneigung erfahren - beste Voraussetzungen für eine friedliche Welt.

Herrmann Hasse, Dienstag, 21.Juli, 04:35 Uhr

22. Willkommenskulturbolschewisten

Wozu noch lernen? Die unbeschulbaren "Deutschen mit Migrationshintergrund" kriegen doch auch schon seit Jahren unsere Sozialleistungen vorne und hinten reingeschoben - das hat sich offenkundig mittlerweile in aller Welt herumgesprochen.

Ehemaliger Schüler, Montag, 20.Juli, 22:12 Uhr

21. Zu meiner Zeit sind am Gymnasium

alle mit Migrationshintergrund bis zur 10. Klasse verschwunden.

Otti, Montag, 20.Juli, 22:11 Uhr

20.

Es wird gespart in Deutschland und der EU, aber meist am Bürger, für den Rest wir massiv Geld rausgeworfen. Wie "blöd" sind wir eigentlich!
Als Bürger kommt man sich in Deutschland nur noch ver..... vor! Aus den 500 Millionen Flüchtlingshilfe sind nun schon über 2 Milliarden geworden, es ist klar wer dies am Schluß bezahlten wird >> deshalb unbedingt NEUWAHLEN jetzt. Wir müssen uns alle zu einem Generalstreik zusammenschließen. Den Flüchtlingen muß geholfen werden! Aber es müssen endlich die Ursachen angegangen werden. Wieviele Flüchtlinge nehmen eigentlich die USA. England hat bis jetzt 148 Flüchtlinge genommen. Dazu fällt einem nicht mehr ein!

sympathie träger, Montag, 20.Juli, 19:47 Uhr

19. was , flüchtlinge kosten geld ?

die kosten , welche die flüchtlinge wirklich und auf dauer verusachen, werden der normalen bevölkerung über kurz oder lang jeglichen spielraum für die eigene
zukunft nehmen ! nicht nur an schulen fressen die nötigen sondermassnahmen die spärlichen resourcen auf . sogar die BA will jetzt sondermassnahmen für flüchtlinge mehr fördern , für alteingesessene arbeitslose heisst das doch nur, für sie ist kein geld da weil es keinen interesiert .
auch nicht asylanten sollten wieder ein recht auf zukunft , bildung und arbeit in diesen land haben !!!