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Neue bayerische Behörde Lebensmittelkontrolleure nehmen Arbeit auf

Die neue Bayerische Kontrollbehörde für Lebensmittelsicherheit (KBLV) nimmt heute ihre Arbeit auf. Große Lebensmittelfirmen werden dann nicht mehr von den bayerischen Landratsämtern kontrolliert, sondern von der KBLV mit Hauptsitz in Kulmbach und einer Zweigstelle in Oberding.

Von: Lisa Weiß

Stand: 02.01.2018

In einem Labor für Lebensmitteluntersuchungen im Thüringer Landesamt für Verbraucherschutz untersucht eine Veterinärmedizinische Assistentin in Bad Langensalza (Thüringen) Proben von Milchspeiseeis durch das Anlegen von Kulturen auf Nährboden.  | Bild: picture-alliance/dpa

Lebensmittelkontrolleur Manfred Woller steht vor der Heckklappe eines weißen Kleinbusses, der vollgeladen ist mit Kisten und Taschen. Alles Material, das er für die Kontrollen bei den Großbetrieben braucht. Und bevor es losgeht, schaut er lieber nochmal nach, ob doch irgendwas fehlt.

"Da gehen wir jetzt schnell durch, ob alles da ist. Wenn man die Box anschaut, da ist jetzt die Kamera mit drin und das Thermometer mit drin, was wir brauchen, um die amtliche Messung durchzuführen, um Fotos zu tätigen, welche wir vor Ort benötigen und in der Box sind die Probenahmeutensilien drin, das heißt, Probenahmebeutel, Probenahmebehälter."

Manfred Woller, Lebensmittelkontrolleur

Schutzkleidung ist auch drin – alles gut, Manfred Woller nickt zufrieden. Er ist eigentlich ausgebildeter Küchenmeister. Und jetzt einer der Kontrolleure der ersten Stunde bei der neuen Behörde. Aber kein Anfänger:

"Ich bin seit 25 Jahren im Geschäft und glaub für mich sagen zu dürfen, ich hab einige Tausend Kontrollen hinter mir im Lebensmittelbereich. Und damit ein alter Hase, ja. Und das ist insofern spannend, als dass wir eine neue Ära der Lebensmittelüberwachung einleiten, mit einer anderen Art und Weise der Kontrolle und ich bin mit vollem Eifer dabei, dass wir das hinbringen."

Manfred Woller, Lebensmittelkontrolleur

Bayernweite Kontrolle von Großbetrieben

Denn die neue Kontrollbehörde für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen soll bayernweit Großbetriebe kontrollieren. Und das unabhängig, objektiv und effizient, verspricht die Leiterin der Behörde, Claudia Thielen:

"Bisher haben die Landratsämter die Betriebe kontrolliert, aber die Landratsämter hatten ganz vielfältige Aufgaben. Die haben neben dem Großbetrieb, vielleicht einer Großbäckerei haben sie auch die Dönerbude kontrolliert, die haben die Schlangenhaltung kontrolliert, also die waren für den ganzen Bereich der Veterinär- und Lebensmittelüberwachung zuständig."

Claudia Thielen, Leiterin der KBLV

Entlastung für die Landratsämter

Die neue Behörde soll die Landratsämter jetzt entlasten, sie kümmern sich in Zukunft nur noch um die Kontrolle kleinerer Betriebe. Die etwa 600 bayerischen Großbetriebe übernehmen die speziell ausgebildeten Kontrolleure der neuen Behörde, gut 50 sind das momentan.

Konsequenz aus Lebensmittelskandalen

Die Behörde ist für die Kontrollen zuständig und auch für eventuelle Bußgeldverfahren – alles soll in einer Hand bleiben, sagt Claudia Thielen. Der Freistaat zieht damit Konsequenzen aus Lebensmittelskandalen, bei denen beispielsweise salmonellenverseuchte Eier in den Handel kamen:

"Der Bayern-Ei-Skandal ist einer von mehreren Vorfällen in der Vergangenheit, die halt zu einem Umdenken bewegt haben und dazu geführt haben, dass halt die Lebensmittelüberwachung reformiert worden ist."

Claudia Thielen, Leiterin der KBLV

In maximal zwei Stunden in jedem Großbetrieb

Das hatten beispielsweise die Grünen im bayerischen Landtag schon seit längerem gefordert. Sie halten die neue Behörde für einen Schritt in die richtige Richtung, wünschen sich aber Behörden-Standorte in jedem Regierungsbezirk. Nicht nur wie jetzt, in Kulmbach und Erding. Denn die Wege zu den Großbetrieben seien weit.

Claudia Thielen sieht das anders: "Wir haben jetzt mit zwei Standorten einmal im Norden, einmal im Süden Bayerns eine ganz gute Abdeckung, also in längstens zwei Stunden ist man eigentlich in jedem Betrieb vor Ort."

Unangemeldete Kontrollen und intensive Nachprüfungen soll es also bei Großbetrieben in allen Teilen Bayerns geben - um Lebensmittelskandale in Zukunft zu vermeiden.


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websaurier, Mittwoch, 03.Januar, 11:00 Uhr

5. Beruhigungspille...


...fürs Dummvolk !

Effektiv funktionieren würden derartige Kontrollen nur, wenn z.B. bayrische Kontrolleure in BadenWürttemberg kontrollieren und umgekehrt die Württemberger in Bayern...
Solange der unsägliche CSU-Filz existiert wird überhaupt nix effektiv kontrolliert und auch weiterhin auch alles aktiv behindert werden...

Francesco, Dienstag, 02.Januar, 13:13 Uhr

4. Liebe CSU...

es geht in diesem leidigen Thema nicht um zusätzliche Behörden, Ämter und sonstigem Schein-Aktionismus. Es geht ausschließlich um den politischen Willen, dagegen ernsthaft etwas zu tun. Ich wünsche Euch (als bisheriger Stammwähler !!) mindestens 2 Koalitionspartner im Landtag (Grüne und SPD...), ansonsten sprechen wir in 10 Jahren - glaube der Gammelfleischskandal ist ca. so lange her - immer noch über wirksame Kontrollen....

Heinrich, Dienstag, 02.Januar, 11:27 Uhr

3. Respekt

Im Jahre 2005 des Herrn begann eine Welle von Lebensmittelskandalen insbesondere mit Gammelfleisch.

Im Jahre 2018 nimmt eine Behörde ihre Arbeit auf, die genau das verhindern soll.

Da liegen ein paar Jahre dazwischen. Und wenn die Mitarbeiter zwei Stunden Zeit für einen Betrieb haben, und es soll sich ja um Großbetriebe handeln, fürchte ich um die Effizienz.

Aber ich bin ja auch nur Laie und Verbraucher.

Eli, Dienstag, 02.Januar, 09:51 Uhr

2. Lachnummer

Solange politisch auf solche Kontrollbehörden Einfluß genommen wird, kann man sich diesen Aktionismus sparen. Bayern-Ei hat doch deutlich gezeigt, dass nicht etwa jemand bei der Kontrolle etwas übersehen hat, sondern der Herr seine schützende Hand im Spiel hatte.

THW, Dienstag, 02.Januar, 07:52 Uhr

1. ausreichend Personal?

Dass der zitierte Kontrolleur "mit vollem Eifer" dabei ist, ist erfreulich und glaubwürdig.

Die Frage, die hier leider nicht gestellt und auch nicht beantwortet wurde: Sind die genannten 50 Kontrolleure zusätzlich eingestellt worden oder wurde nur die Zuständigkeit ausgelagert? Dann würde der Eifer Einzelner nichts nützen, sondern verpuffen.

Vielleicht gibt es dazu noch Informationen?