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Ministertreffen in Brüssel Wie soll die europäische Landwirtschaftspolitik aussehen?

In Brüssel treffen sich heute die EU-Landwirtschaftsminister, um über die Zukunft der gemeinsamen Agrarpolitik zu reden. Dabei geht es vor allem um die Zuteilung der Subventionen. Denn obwohl es viele Fördermittel gibt, hat die Branche ein Problem. Von Karin Bensch

Von: Von Karin Bensch

Stand: 06.03.2017

EU-Agrarpolitik - Symbolbild | Bild: picture alliance / Photoshot

Die Zukunft der europäischen Landwirtschaft - wie soll die aussehen? Ökologischer? Leistungsstärker? Mehr Masse oder Klasse? Es ist ein Dilemma. Zum einen wird jedes Jahr eine massiv Geld in die europäische Landwirtschaft hineingepumpt. 58 Milliarden Euro, das sind etwa 40 Prozent des gesamten EU-Haushalts. Doch obwohl es so viele Agrarsubventionen gibt, hat die Branche ein dickes Problem. Viele Bauern haben in den vergangenen Monaten und Jahren ihren Betrieb zugemacht, weil sie nicht mehr kostendeckend produzieren konnten. 

Um diese Situation zu ändern, sammelt die EU-Kommission nun Ideen, wie die Landwirtschaftspolitik verbessert und die Lebensmittelversorgung garantiert werden kann. Für Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt liegt die Zukunft der Landwirtschaft in den kleinen und mittleren Betrieben.

"Mir liegt daran, dass wir stärker fokussieren auf den in der Region verwurzelten, aktiven Landwirt. Das heißt, dass diese Förderung übertragen wird insbesondere auf die mittleren und kleineren Betriebe."

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt

Preise für Milch- und Schweinefleischprodukte seit Jahren im Keller

Viele kleine und mittlere Landwirtschaftsbetriebe beklagen, dass von den Milliarden Fördergeldern wenig bei ihnen ankommt. Die Zuschüsse reichten gerade aus, um die Kosten zu decken. Große Agrarbetriebe könnten billiger produzieren. Für sie sei es einfacher, auf ein paar Tausend Euro Förderung zu verzichten. Die ersten Hektar eines Betriebs werden zusätzlich gefördert, danach bleibt der Flächenzuschuss pro Hektar gleich - unabhängig von der Größe.

Chronik der EU-Agrarpolitik

Und: Die Preise für Lebensmittel sind ein Problem. Seit Jahren sind in Europa die Preise für Milch- und Schweinefleischprodukte im Keller. Denn der Preiskampf der Discounter und Supermärkte ist groß. Hinzu kommt, dass Russland wegen der EU-Wirtschaftssanktionen im Zusammenhang mit der Ukraine-Krise ein Einfuhrverbot für europäische Landwirtschaftsprodukte verhängt hat. Das bekommen vor allem osteuropäische Länder zu spüren, zum Beispiel polnische Apfelbauern.

Plan soll bis Ende des Jahres stehen

Hinzu kommt: Europäische Landwirte müssen sich an Weltmarktpreisen orientieren. Die Exportsubventionen wurden vor einigen Jahren abgeschafft, weil sie den Wettbewerb verzerrt hatten. Niedrige Preise auf dem Weltmarkt stehen hohen Kosten für Sozial- und Umweltstandards in Europa gegenüber. Viele Landwirte fordern hier einen Ausgleich.

Das derzeitige System - kaum jemand scheint damit zufrieden zu sein. Auch in Deutschland nicht. Der Deutsche Bauernverband zum Beispiel fordert, dass die Förderregeln vereinfacht werden. Der Naturschutzbund Deutschland wünscht sich, dass Gelder in Zukunft deutlich stärker an Umweltschutz und Tierwohl geknüpft werden.

Jetzt ist die Zeit, Ideen zu sammeln. Ende des Jahres will die EU-Kommission dann vorstellen, in welche Richtung sie gehen soll - die neue gemeinsame Agrarpolitik.


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websaurier, Montag, 06.März, 14:48 Uhr

1. Subventionen halbieren...


Zuschüsse nur an kleinere und mittlere Betrieb mit Zukunftskonzepten !
Hätte man eigentlich schon seit Jahren machen können.
Aber unsere Polit-Pfeifen blubbern und sabbern nur. Und das seit Jahren.
Die meisten Gelder fließen in Riesenbetriebe/Agrarindustrien, die haben die beste Lobby...
Und viele Agrarminister und Staatssekretäre in diesem Bereich haben selbst tolle Höfe und Güter.

Wen wundert es noch, das nichts vorangeht?

  • Antwort von Erich, Montag, 06.März, 16:34 Uhr

    Nur mal eine kleine Info. Es fließen 60% des gesamten EU-Haushalts in die Land- Agrarwirtschaft, wofür die 2% zum Bruttossozialprodukt beitragen. Irrer gehts nimmer.