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Zeitzeuge mit zwei Flügeln Die "Landshut" ist zurück in Deutschland

40 Jahre nach ihrer Entführung kehrte heute die "Landshut" nach Deutschland zurück. Sie steht für ein gewalttätiges und blutiges Stück deutscher Geschichte. Im Friedrichshafener Dornier-Museum soll sie künftig an den Deutschen Herbst erinnern.

Von: Roana Brogsitter

Stand: 23.09.2017

Zwei Frachtmaschinen haben die am 13. Oktober 1977 entführte "Landshut" heute zurück nach Deutschland gebracht. Die erste vom Typ Antonov 124, einem der größten Frachtflugzeuge der Welt, landete um 9:20 Uhr auf dem auf dem Bodensee-Airport in Friedrichshafen. Sie war gestern Abend im brasilianischen Fortaleza gestartet. An Bord war u.a. Rumpf der zerlegten "Landshut".

Letzte Station der "Landshut": Dornier Museum in Friedrichshafen

Mittags landete eine zweite Maschine, eine Iljuschin 76. Sie brachte die Tragflächen, Sitze und andere Teile der Boing 737, nach Friedrichshafen. Alle Teile der "Landshut" werden nach dem Entladen in einem Hangar des Flughafens untergebracht, der sich direkt neben dem Dornier Museum befindet, in dem die Maschine nach ihrer Restaurierung ausgestellt werden soll.

Viele Menschen kamen heute zum Flughafen Friedrichshafen, um die Landung live zu verfolgen. Darunter einige Zeitzeugen wie der damalige Co-Pilot Jürgen Vietor, die Stewardess Gabriele von Lutzau, eine Passagierin und ein GSG9-Beamter.

Die Lufthansa-Maschine "Landshut" war am 13. Oktober 1977 auf dem Flug von Mallorca nach Frankfurt von vier mit der Roten Armee Fraktion (RAF) verbündeten palästinensischen Terroristen entführt worden. Sie wollten dadurch die in Stammheim inhaftierte Führungsriege der RAF sowie zwei in der Türkei einsitzende Palästinenser freipressen und verlangten zusätzlich 15 Millionen US-Dollar Lösegeld.

Tagelanger Irrflug

An Bord der Lufthansa befanden sich 86 Passagiere und fünf Besatzungsmitglieder. Die Boing 737 der Lufthansa landete zunächst in Rom zum Auftanken und flog von dort weiter nach Larnaka auf Zypern. Von da ging es weiter in Richtung Libanon. Weil dort mehrere Flughäfen gesperrt worden waren, landete die "Landshut" schließlich aus Treibstoffmangel in Dubai. Dort stand sie drei Tage auf dem Rollfeld. Da die Entführer mit der Erschießung der Geiseln drohten, scheiterte eine Befreiungsaktion.

Der ehemalige Co-Pilot der "Landshut", Jürgen Vietor.

Nächste Station des Irrflugs war Aden im Südjemen. Dort erschossen die Terroristen den Kapitän Jürgen Schumann vor den Augen der Passagiere. Co-Pilot Jürgen Vietor flog die Maschine nach dem Auftanken schließlich nach Mogadischu. Erst hier konnte die Landshut am 18. Oktober 1977 durch ein GSG 9 Kommando befreit werden. Dabei wurden drei der vier Terroristen getötet.

Die Befreiung der Geiseln in Mogadischu gilt als Auslöser für die Todesnacht in Stammheim, in der sich die RAF-Terroristen Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe das Leben nahmen. Alle wurden am Morgen nach der Befreiung der "Landshut" tot in ihren Zellen aufgefunden. Am Tag danach gab die RAF die Ermordung des deutschen Managers Hanns Martin Schleyers bekannt.

"Landshut" noch drei Jahrzehnte im Einsatz

Nach der Befreiung war die Landshut noch drei Jahrzehnte weltweit im Einsatz. Erst für die Lufthansa, dann wurde sie nacheinander in die USA, nach Frankreich und schließlich nach Indonesien verkauft. 1997 kaufte eine brasilianische Frachtfluggesellschaft die Maschine. 2008 wurde sie schließlich stillgelegt und landete auf einem Flugzeug-Friedhof im brasilianischen Fortaleza, wo sie bis jetzt vor sich hinrostete.

Im Mai dieses Jahres kaufte die Bundesregierung die "Landshut" für 20.000 Euro. Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) bezeichnete sie als "lebendige Zeugin" der jüngeren deutschen Geschichte, ein "lebendiges Symbol einer freien Gesellschaft, die sich von Angst und Terror nicht unterkriegen lässt".

Gewaltige logistische Herausforderung

Die Rückkehr der "Landshut" war eine gewaltige logistische Herausforderung. Am 22. August hatte ein fünfzehnköpfiges Expertenteam der Lufthansa Technik damit begonnen, das Flugzeug zu demontieren. Große Schritte waren dabei zunächst die Demontage der Triebwerke. Es folgten Höhen- und Seitenleitwerke, danach wurden die Fahrwerke entfernt. Erst zum Schluß wurden die Tragflächen vom Rumpf getrennt.

Auf dem Weg nach Deutschland musste das Frachtflugzeug auf den vor Afrika gelegenen Kapverdischen Inseln einen Zwischenstopp einlegen, um aufzutanken. Ihre endgültig letzte Station ist jetzt das private Friedrichshafener Dornier Museum, in dem historische Maschinen aus der Produktion des Flugzeugpioniers Claude Dornier ausgestellt werden. Vor Ort hatte es Kritik an der Entscheidung David Dorniers gegeben, das Flugzeug nach Friedrichshafen zu holen, da es keinerlei historischen Bezug zu der Stadt am Bodensee gebe. Die auf mehrere Millionen Euro geschätzten Kosten für Demontage und Überführung wurden vom Bund übernommen.

Zwei Jahre werden für die Restaurierung der Landshut veranschlagt. Erst dann kann sie besichtigt werden.

  • BR-Autorin Roana Brogsitter | Bild: BR Roana Brogsitter

    Redakteurin und Autorin für "Das Tagesgespräch", "Neues vom Buchmarkt" und BR24


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Gabriele, Dienstag, 26.September, 18:46 Uhr

10. Die Rückkehr der Landshut

Die Entscheidung die Landshut wieder nach Deutschland zu holen kann ich nur begrüßen. Sie erhält nun die Wertschätzung und Ehre die ihr gebührt. Sie ist eine Zeitzeugin für das Ende der RAF und einen Staat der sich nicht erpressen läßt. Die Landshut ist ein Mahnmal gegen den Terrorismus. Wir werden durch ihre Rückkehr an die schrecklichen und unsinnigen Morde von Jürgen Schuhmann und Hans -Martin-Schleyer erinnert. Danke, den standhaften Politikern und der GSG 9, die so viele Menschen gerettet haben. Willkommen Zuhause Landshut!

Thomas Beck, Samstag, 23.September, 22:09 Uhr

9. Landshut in Friedrichshafen Dornier Museum

Danke an das Dornier Museum, Initiative zu ergreifen und den passenden Raum für Gedenken wider Terrorismus bereitzustellen. Danke an die Bundesregierung für die Finanzierung des Transportes. Und danke an die reiche Provinzstadt Friedrichshafen, deren Vertreter womöglich diese Chance nicht begreifen und leicht überfordert wirken.
Es ist unseres Landes unwürdig, einem schwer traumatisierten jungen Opfer des terroristischen Aktes, welches dadurch lebenslänglich keine Arbeit ausüben konnte, keine Entschädigung zukommen zu lassen
Thomas Beck

Dr. Oleg K. Antonow (1906-84), Samstag, 23.September, 19:49 Uhr

8.

Flugzeugkonstrukteur; u. a. entwarf er die An-124, die ihren Erstflug an Heilig Abend 1982 absolvierte

Nach der 6-strahligen Antonow An-225 (Nutzlast: 250 t, Volumen: 1220 cbm) ist die 4-strahlige An-124 (150 t, 1020 cbm) das größte Flugzeug der Erde, noch vor der 4-strahligen Lockheed C-5 "Galaxy" (122 t, 880 cbm). Dann folgen die Boing C-17A "Globemaster III" (77 t, 550 cbm), die Xian Y-20 (ca. 66 t) und die Iljuschin Il-76 (60 t, 400 cbm). Grüße

EMGI, Samstag, 23.September, 17:43 Uhr

7. Zeitzeugnis

Die Landshut ist ein Zeugnis dafür, als es in Deutschland noch Politiker wie Helmut Schmidt und Hans Jügen Wischniewski gab. Ein Zeugnis für einen Ulrich Wegner, der mit seinen Leuten das Unmögliche möglich gemacht hat. Zeugnis für einen Jürgen Schumann, der das Ganze mit dem Leben bezahlt hat, Zeugnis für Herrn Vitor, der die Maschine in Aden unfallfrei neben der Piste aufgesetzt hat und sie dann alleine weiterflog. Und ob es einem passt oder nicht: alle oder fast alle weiß ich nicht genau hatten militärische Erfahrung und eben gelernt in solcher Ausnahmesituationen zu funktionieren. Wäre das heute auch noch möglich? Oder würden die Herrschaften dann vorher erstmal ZDF Politbarometer einschalten? Ich würde heute nicht so gerne in der Landshut sitzen, wenn Altmaier koordinieren müsste (keine Ahnung ob der beim Bund war).

  • Antwort von max, Samstag, 23.September, 19:56 Uhr

    Ein Hoch auf den Militarismus! Egal ob man denken oder schreiben kann, Hauptsache man kann schießen.
    Übrigens schreibt sich der damalige GSG-9-Chef Wegener und ist nicht ganz so sauber. Ein bisserl Räuberpistolen erzählen gehört aber zum Militaristenleben. (U.a., er hat "nur" die GSG 9 in Mogadishu geleitet, aber war nicht aktiv bei der Erstürmung dabei, wie er gerne erzählt.)
    Noch ein paar Tipps: "Hans-Jürgen Wischnewski", "Jürgen Vietor", "ZDF-Politbarometer" und Herr Altmaier war beim Bund, allerdings teile ich da Ihre Auffassung, aber als Koch soll er ganz gut sein.

  • Antwort von Ben Wisch (Spitzname v. H.-J. Wischnewski, SPD), Samstag, 23.September, 20:01 Uhr

    Die Personen heißen Wischnewski, Wegener und Vietor.
    Das hat gar nichts mit Bund zu tun. Das Zauberwort heißt: Disziplin. Bei Rettungsdienst, Polizei und Feuerwehr gibt es genügend Menschen, die "funktionieren", die aber nicht nur beim Bund waren, sondern auch Zivildienst leisteten oder beides nicht hatten (Frauen).

  • Antwort von Uwe Taubert, Montag, 25.September, 13:04 Uhr

    Diese Aktion ist doch Schwachsinn. Habe gehört, die ganze Sache kostet 10 Mio. Euro. Das Geld könnte wirklich für sinnvollere Projekte verwendet werden!

Egon, Samstag, 23.September, 17:26 Uhr

6. Sowjetische, russische Flugzeuge ??

Wie geht das denn ? Gabs da nix anderes ? Und ich dachte, es gäbe Sanktionen .......