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Hotspots für Flüchtlinge in Lampedusa Registrierung funktioniert - medizinische Versorgung nicht

Der SPD-Europaabgeordnete Arne Lietz war zu Besuch auf der italienischen Insel Lampedusa. Seine Mission: Sich den sogenannten "Hotspot", also das Regierungszentrum für ankommende Flüchtlinge, einmal mit eigenen Augen anschauen.

Von: Karin Bensch

Stand: 27.02.2016

105 Flüchtlinge, die in einem Schlauchboot vor der italienische Insel Lampedusa darauf warten, an Bord der "Phoenix" gebracht zu werden | Bild: picture-alliance/dpa

Die umzäunten Gebäude liegen am Rande der Stadt Lampedusa, in der Nähe des Hafens. "Interessanterweise, obwohl es abgesperrt ist, und ein Verbot gibt, das Gelände zu verlassen, gibt es ein Loch im Zaun," erzählt der SPD-Europaabgeordnete Arne Lietz. Und durch dieses Loch gehen die Flüchtlinge auch schon mal raus in den Ort. 500 Personen kann das Flüchtlingslager aufnehmen. Zurzeit sind 444 Menschen dort untergebracht. Viele Männer, etliche Minderjährige, wenige Frauen. Die meisten kommen aus Afrika, aus dem Sudan und Eritrea, kaum jemand aus Syrien. Die Unterkunft ist soweit in Ordnung, meint der SPD-Europaabgeordnete. Besorgniserregend findet er die medizinische Versorgung.

Arne Lietz, SPD-Europaabgeordneter

"Wir haben für die 444 Flüchtlinge, die ja ihrerseits aus sehr schwierigen Bedingungen auch ihre mehrmonatige Reise angetreten haben, jetzt nur einen Arzt und eine Krankenschwester."

Arne Lietz, SPD-Europaabgeordneter

Die meisten Flüchtlinge haben keinen Pass

Die Flüchtlinge sind einige Tage bis mehrere Wochen in dem Lager untergebracht. Wer registriert ist, wird in andere Flüchtlingsunterkünfte nach Sizilien oder auf das italienische Festland gebracht. Oft wird die Registrierung in den "Hotspots" kritisiert. Auf Lampedusa funktioniert sie, meint der Europapolitiker.

"Hier werden die Fingerabdrücke genommen, hier werden Personaldaten gegeben. Statistisch gesehen, wurde mir erzählt, dass von 200 Flüchtlingen nur etwa eine Person ein gültiges Reisedokument oder ein Identifikationsdokument hat."

Arne Lietz, SPD-Europaabgeordneter

Frontex-Mitarbeiter recherchieren intensiv

Zwölf Mitarbeiter der europäischen Außengrenzschützer von "Frontex" versuchen also herauszufinden, wer dort vor ihnen sitzt. Sie fragen die Flüchtlinge, woher sie stammen. Überprüfen das, indem sie testen, ob sie die Sprache des Landes sprechen. Viele Afrikaner haben Schlepper bezahlt, um mit einem Boot nach Lampedusa zu gelangen. Die Frontex-Mitarbeiter befragen die Flüchtlinge auch über die Schleuserbanden. Es gibt mittlerweile einen ganzen Fragenkatalog, sagt Arne Lietz.

"Was man sich so vorstellen muss, dass es beispielsweise Fotos gibt von Autos, mit denen die Flüchtlinge durch die Sahara bzw. durch andere Länder fahren. Es werden Fotos von Landmarken gezeigt, wo die Flüchtlinge angeben, wo sie waren. Man ist mittlerweile über Google maps soweit, dass man die einzelnen Gebäude herausfinden kann, wo die Unterkünfte waren. Es wird direkt abgefragt, ob es Telefonnummern oder Bankverbindungen von Schleusern gibt."

Arne Lietz, SPD-Europaabgeordneter

Die Frontex-Mitarbeiter sammeln diese Daten, um sich ein besseres Bild zu machen, über die Vorgehensweise der Menschenschlepper. Und, wenn möglich, auch gegen sie vorzugehen, meint der SPD-Europaabgeordnete.    

"Man sieht die Hafenanlagen beispielweise von Libyen, damit man mitbekommt, aus welchen Häfen sie gekommen sind. Man sieht auch die verschiedenen Schlauchboottypen, die verwendet wurden. Diese Interviews werden anonym geführt. Führen aber dazu, genauere Hintergründe zu bekommen."

Arne Lietz, SPD-Europaabgeordneter

Flüchtlinge auf Lampedusa willkommen

Was nimmt der Europaabgeordnete mit von Lampedusa nach Brüssel? Dass es ein gemeinsames Migrations- und Einwanderungsgesetz in Europa braucht. Und eine gerechtere Verteilung von Flüchtlingen. Aber auch etwas ganz Persönliches:

"Die Menschen hier auf der Insel sind sehr gastfreundlich. Die Menschen heißen die Flüchtlinge hier willkommen."

Arne Lietz, SPD-Europaabgeordneter

Eine Offenheit, die es in vielen europäischen Ländern nicht mehr gibt.  

Karte: Die elf Flüchtlingszentren der EU


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