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Gefährliche Wiederkäuer? Die Angst vor der Kuh

Immer wieder kommt es zu tödlichen Unfällen mit Rindern. Erst vor einem Monat hat im Ostallgäu ein Stier einen Landwirt auf der Weide getötet. Und manchen Wanderer beschleicht ein ungutes Gefühl, wenn er bei der Bergtour über eine Kuhweide muss. Zu recht?

Von: Rupert Waldmüller

Stand: 19.10.2016

Kühe im Stall | Bild: BR/Waldmüller

Der Prozess um die "Killer-Kuh Verona" machte vor drei Jahren Schlagzeilen: Die Kuh hatte auf einer Weide in Hessen eine Spaziergängerin mit Hund angegriffen und die Frau getötet, weil sie ihr Kälbchen beschützen wollte. Wegen fahrlässiger Tötung verurteilte das Amtsgericht Dillenburg Veronas Halterin im Spätsommer 2013 zu 2.700 Euro Geldstrafe auf Bewährung. Die trächtige Verona war vor dem Angriff vom Hof der Bäuerin ausgebüxt und hatte das Kalb auf einer Wiese selbst zur Welt gebracht.

Die Tiere im Stall von Bauer Franz Hage in Untermaiselstein sind absolut friedlich. Dass seine Kühe Menschen angreifen, hat es noch nicht gegeben. Aber so etwas kommt immer mal wieder vor:

"Es gibt schon ab und zu mal solche Fälle. Letzthin habe ich meinen Cousin getroffen, der hat eine Kuh, da hat es gar nichts gegeben. Er hat sie in einer Box drinnen. Und dann hat die den Bauer da an die Boxrohre hingedrückt. Er hat gerade das Glück gehabt, dass er weg gekommen ist. Über Nacht kann so was kommen."

Franz Hage, Landwirt

Und wenn so eine Kuh mit 500, 600 oder sogar 800 Kilo auf einen losgeht, dann wird's eng.

"Dann must du schauen, dass du möglichst schnell unter dem Zaun durch kommst oder möglichst schnell weg kommst. Weil da hast du keine Chance mehr."

Franz Hage

Unfälle mit Rindern keine Seltenheit

Angriffe von Rindern auf Menschen sind keine Seltenheit, sagt Michael Miller, Sicherheitsberater bei der landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft. Allein im Jahr 2014 gab es in Deutschland 6.000 Unfälle mit Rindern. Acht davon endeten tödlich. Doch dass Wanderer, Spaziergänger oder Mountainbiker angegriffen werden - das ist eher die Ausnahme.

"Die Mehrzahl der Unfälle mit Rindern, mit Kühen passieren natürlich eher direkt im Kontakt im landwirtschaftlichen Betrieb selber."

Michael Miller, landwirtschaftliche Berufsgenossenschaft

Mutterkühe sind angriffslustig, wenn es um den Nachwuchs geht

Normalerweise sind Kühe sehr friedliche Wesen und in erster Linie Fluchttiere. Wenn sie sich aber bedroht oder in die Enge getrieben fühlen, dann wehren sie sich eben. Besonders, wenn es um den Nachwuchs geht, reagieren Mutterkühe oft sehr aggressiv. Deswegen rät Bauer Franz Hage, der auch Vorsitzender des Alpwirtschaftlichen Vereins im Allgäu ist: Um Weiden mit Mutterkuhhaltung sollten Wanderer am Besten einen großen Bogen machen:

"Da kann es dann schon passieren, dass die Gäste angreifen, wenn die zu nah hinkommen. Das geht ja schon so los – auch im Laufstall: Wenn da nachts eine kalbt und man will das Kälbchen wegnehmen, um es in die eigene Box reinzutun, da kann es auch schon sein: Die beschützen sie schon und man muss da auch schon Obacht geben."

Franz Hage

Kritisch wird es auch, wenn Wanderer freilaufende Hunde dabei haben. Franz Hage hat das auf seiner Alpe selbst erlebt, als eine Frau mit ihrem Dackel über die Weide gelaufen kam. Der Dackel habe die Tiere angebellt und sei zwischen sie gelaufen. Instinkt lässt die Kühe auf den potentiellen Angreifer reagieren.

"Dann sind die her gegangen und haben den Dackel eingekreist. Und eine hat ausgetreten und der Dackel war hin."

Franz Hage

Doch dass Wanderer oder Spaziergänger ernsthaft verletzt werden, ist laut dem Oberälpler auf den Alpen im Allgäu zum Glück der Ausnahmefall. Und für den Fall, dass man als Wanderer einmal durch muss durch eine Weide, gibt es von Sicherheitsberater Michael Miller und Bauer Franz Hage ein paar einfache Tipps, mit denen sich Panik bei Mensch und Tier einfach vermeiden lassen.

Tipps im Umgang mit Kühen auf der Weide

1. langsam durch die Weide gehen
2. an der Herde vorbeigehen
3. die Tierherde nicht durchqueren
4. nicht ein Tier von der Herde trennen
5. Wenn der Hund dabei ist: auf jeden Fall angeleint lassen
6. Dem Rind nicht in die Augen schauen – denn so signalisiere ich dem Tier: Der Jäger hat jetzt mich als Beute rausgesucht.


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holger Fischer, Freitag, 21.Oktober, 05:39 Uhr

8. die Angst vor der Kuh

So zeigt manche Kuh beachtlichere Carakter Eigenschaftenn wie mancher Zeitgenosse. Zum Beispiel Verteidigung des Eigenen. Teritoriums Gebähren ihrers Nachwuchses in Freiheit und Unabängigkeit. Alle Achtung vor solchen Kühen. Die haben noch Seelische Qualitäten einer Natürlich gebliebenen von Gott geschaffenen Spezies ohne wenn und aber..DerMensch sollte die Natur achten und beachten.was er natürlich keinesfalls tut.Der Umsatz Befielt. Mit Monsanto und deren Genossen ihrer Produkte die Tiere vergiften bis zum Umfallen. Milch raus aus der Kuh bis zum letzen Gramm nach Plan.Einsperren so eng wie geht noch ,bis vor Selbst Aufgabe des gequälten Individeums. Keine Achtung der Natur gegüber. Die Tiere schändlich verstümmeln durch das absägen der Höhrner. Eines Tages wird das System Kollabieren. TTIP und Ceta werden den Rest besorgen.Wer noch Milch trinkt lebt noch vor 100 Jahren. und hat vor lauter Reklame nichts bemerkt. Danke für die zukunftstächtigen Arbeiten! Nur weiter so.!!!

Florian, Mittwoch, 19.Oktober, 19:04 Uhr

7. Angst?

Solange es Anhänger der AfD, der NPD, der Reichsbürger, der Pegida-Bewegung mit allen Nachmachern, der Linken, der DDR, der Republikaner, des IS und sonstiger radikaler Gesinnungen gibt, sollte die Kuh unser kleinstes Problem sein. Passt einfach auf Euch auf und respektiert andere, auch Kühe.

Helmut, Mittwoch, 19.Oktober, 17:08 Uhr

6. Kühe sind große Tiere

Sollte man als Wanderer nicht vergessen. Vor allem finde ich es ziemlich fahrlässig, auf einer Viehweide Hunde frei rumlaufen zu lassen. Das macht man auf der Strasse doch auch nicht. Wenn ein Dackel ein Auto anbellt und dabei überfahren wird, wer ist dann Schuld ?

  • Antwort von landfrau, Donnerstag, 20.Oktober, 09:50 Uhr

    Das Auto.
    Auf der Weide die Kühe.
    So ist es doch am einfachsten - man muss sich nicht selbst an die Nase fassen und das Hirn einschalten.
    Und komischerweise erhalten solche Leute dann auch noch recht.

  • Antwort von thorie, Donnerstag, 20.Oktober, 10:59 Uhr

    landfrauen müssen zeit haben...
    wenn landwirte ihre anscheinend "gefährlichen" viecher auf wanderwegen weiden lassen, bzw. wanderwege durch "ihr" weideland führen... und das auch noch von den landwirten geduldet.... stellt sich die frage nach den personenschäden doch gar net.
    das wissen der gefährlichkeit impliziert eine fahrlässigkeit der kuhbesitzer. punkt!

  • Antwort von landfrau, Donnerstag, 20.Oktober, 15:42 Uhr

    @thorie
    Ob Landfrauen Zeit haben, überlassen Sie in meinem Fall mal mir selbst.
    Auf alle Fälle gehören Hunde beim Spaziergang an die Leine (bei Begegnung mit Kühen auf jeden Fall).
    Vielleicht sollten Sie mal in den Duden schauen - mit Groß-und Kleinschreibung stehen Sie scheinbar auf Kriegsfuß - nicht nur mit Landfrauen oder
    Frauen vom Land ???

thorie, Mittwoch, 19.Oktober, 10:35 Uhr

5. und wenn hier schon wieder...

...einige vergleiche mit hunden anstellen:
1. wenn ein hund jemand verletzt, stellt sich kein journalist hin und hinterfragt, was der hund ggf (berechtigt) verteidigt hat.
was vllt der depperte mensch falsch gemacht hat. bei kühen schon (die kuh hat dem journalist in einem exklusiv-interview berichtet, das iwer anders schuld war)
2. für auffällige hunde gibts verordnungen
3. bei kühen hat noch keiner eine rassebedingte aggressivität untersucht ("kampfhunde" gibts--kampfkühe net)
4 wenn schon bekannt ist, das mutterkühe ihre kälber aggressiv verteidigen... warum ist es dann noch erlaubt, diese auf weiden zu halten, durch die offizielle wanderwege führen?

  • Antwort von N. Schöttl, Mittwoch, 19.Oktober, 11:30 Uhr

    Wenn Sie das Tierschutzgesetz und die Straßenverkehrsordnung kennen würden, dann würden Sie wissen, dass dies mit den "offiziellen wanderwege(n)" (im Sinne, dass diese dem Staat gehören d.h. ähnlich wie dies mit Straßen der Fall ist) so nicht geht, denn dann würde die örtliche Gemeinde in der Haft stehen und zwar sowohl gegenüber den "Gästen", als auch gegenüber den Tieren auf der Weide. Sie können daher im Grunde immer davon ausgehen, dass dort wo Wanderwege Almwiesen mit Tieren durchkreuzen, dass diese im Privatbesitz sind. Den Wanderweg sperren kann dabei nur der Grundbesitzer, dem die Wiese gehört. Dem Grundbesitzer obliegt es auch Regeln aufzustellen z.B. dass man die Wege nicht verlassen darf.

  • Antwort von thorie, Mittwoch, 19.Oktober, 11:46 Uhr

    @schötti
    und wenns o sein sollte.... warum sperren die landwirte dann die wege net?
    weils zuschüsse gibt?
    weil se eh immer "recht" kriegen?
    weil se sonst ihre am von den zahlungsfreudigen touris trennen würden?

  • Antwort von N. Schöttl, Mittwoch, 19.Oktober, 14:20 Uhr

    @thorie
    Was andere Landwirte machen, dies ist natürlich deren Sache, doch für meinen Teil, hätte ich definitiv etwas dagegen, wenn Touristen oder andere Wanderer die Tiere berühren oder in Kontakt kommen würden. Alleine schon deshalb, damit diese keine Krankheiten übertragen und dies sowohl von Mensch auf Tier, als auch anders herum. Stichwort: Antibotika der Landwirtschaft.

  • Antwort von Manfred, Mittwoch, 19.Oktober, 15:01 Uhr

    Das mit "öffentlichen" Wegen ist dann doch deutlich komplizierter. (Diese Eigenschaft hat zumindest nichts mit den Besitzverhältnissen zu tun.) - Und die StVO hat damit gar nichts zu tun.

  • Antwort von N. Schöttl, Mittwoch, 19.Oktober, 22:55 Uhr

    @Manfred
    Entscheidend ist, wem der Boden gehört. Ist es ein Weg der Gemeinde / des Landes / des Bundes so haftet der Gemeinde Rat, die Landesregierung oder die Bundesregierung dafür, dass von dem Weg (ggf. auch Tieren) keine Gefahr ausgeht. Ist der Weg dagegen im Privatbesitz, so obliegt es dem Grundbesitzer etwaige Regeln aufzustellen. Darüber hinaus spielt es noch eine Rolle, wie jemand auf öffentlichen Grund / Privatgrundstück handelt. Die Rechtsprechung ist nun mal etwas komplizierter. Fahrlässigkeit oder Delikte können dabei von allen Parteien d.h. Regierung, Gemeinde Rat, Privatpersonen etc. stattfinden und in einem Rechtsstaat entsprechend gleichermaßen geahndet werden. So kann eine Privatperson durchaus eine Regierung verklagen.

viefuessler, Mittwoch, 19.Oktober, 10:12 Uhr

4. Mutterkühe sind angriffslustig, wenn es um den Nachwuchs geht

Habt ihr schon einmal beobachtet, wie sich ein brutpflegendes Homo Sapiens Weibchen bis hin zur Unberechenbarkeit im Strassenverkehr verwandelt, wenn komische Namen auf dem Auto aufgeklebt sind?

  • Antwort von thorie, Mittwoch, 19.Oktober, 11:08 Uhr

    upps---werbe-zensur
    neu:
    pass auf, das du nicht mit desinfektionsmittel besprüht wirst.