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Kommentar Friedensnobelpreis für Ican: Falscher Empfänger

Das Nobelpreis-Komitee hat mit der Auszeichnung für die Anti-Atomwaffenbewegung 'Ican' heute ein klares Signal in Richtung Nordkorea gesendet. Lange war die Gefahr des Einsatzes von Atomwaffen nicht so groß wie heute. Doch ist 'Ican' dafür der richtige Empfänger?

Von: Kai Küstner

Stand: 06.10.2017

Ican-Direktorin Beatrice Fihn (l), von der Internationalen Kampagne zur atomaren Abrüstung (Ican), Daniel Hogsta, Koordinator der internationalen Kampagnen von Ican und Grethe Ostern, Mitglied der Steuerungsgruppe von Ican, geben nach der Bekanntgabe des Friedensnobelpreises am 06.10.2017 in Genf, Schweiz, eine Pressekonferenz.  | Bild: dpa-Bildfunk/Martial Trezzini

Wie sehr das Thema 'atomare Abrüstung' dem Nobel-Preis-Komitee auf der Seele brennt, ist offensichtlich: So erhielt etwa US-Präsident Barack Obama seine Auszeichnung 2009 – sehr voreilig, wie sich schnell herausstellte – für "seinen Einsatz für eine atomwaffenfreie Welt". Nun also wird eine Kampagne geehrt, deren Kürzel sich wie ein Obama-Wahlkampfslogan anhört: 'Ican' – die 'Internationale Kampagne zur Abschaffung von Nuklearwaffen'.

Signal zur richtigen Zeit

Das Signal aus Oslo kommt im Prinzip genau zur richtigen Zeit: Selten zuvor schien die Gefahr eines Atomkonflikts so groß. Weil Nordkoreas Diktator Kim Jong-Un mit deutlich mehr als nur dem Feuer spielt. Und sich ein völlig unbeholfener und Strategie-befreiter Donald Trump im Weißen Haus immer wieder dazu hinreißen lässt, auf die spät-pubertär wirkenden Provokationen aus Pjöngjang seinerseits mit Kriegsdrohungen zu reagieren.

Nun hat es die Welt seit Ende des kalten Krieges geschafft, die Zahl der nuklearen Sprengköpfe insgesamt deutlich, auf 15.000 nämlich, zu verkleinern. Die Erinnerungsbotschaft aus Norwegen, dass diese Abrüstungsanstrengung weitergehen und gerade jetzt weitergehen muss, ist also wichtig. Realistisch ist indes eine atomwaffenfreie Welt in absehbarer Zeit nicht: Ob es die USA sind oder Russland, ob es die NATO ist, Indien oder Pakistan – sie alle setzen auf nukleare Abschreckung. Und daran wird sich auch so schnell nichts ändern.

Falscher Empfänger des Friedensnobelpreises

Strategisch klüger und zeitlich noch präziser wäre es daher gewesen, das Nuklear-Abkommen mit dem Iran zu ehren: US-Präsident Trump, ein Gegner des Deals, steht nämlich gerade kurz davor, den vermutlich verheerendsten Fehler seiner Amtszeit zu begehen und die Weichen für eine Auflösung des über zwölf Jahre mühsam ausgehandelten Vertrags zu stellen.

Dass Donald Trump eine Gefahr für unseren Planeten darstellt, hat er nicht nur mit der Kündigung des Welt-Klima-Abkommens bereits unter Beweis gestellt. Doch befördert er das 104 Seiten schwere Iran-Dokument leichtfertig in den Papierkorb, würde das alle vorherigen Fehl-Entscheidungen Trumps noch in den Schatten stellen: Es besteht die Gefahr, dass der Iran dann wieder im großen Stil mit der Uran-Anreicherung beginnt.

Kündigt Trump den Iran-Deal auf?

Damit hätte die Welt, die mit Nordkorea bereits alle Hände voll zu tun hat, ein Nuklear-Problem mehr. Europas Sicherheit wäre ernsthaft in Gefahr. Die USA wären weltweit ihren Ruf als verlässlicher Verhandlungspartner los. Nebenbei stünde den transatlantischen Beziehungen ein Stresstest bevor, den es in den letzten Jahrzehnten so nie gegeben hat. Weil die EU – genau wie China und Russland übrigens – alles daransetzen werden, um das Abkommen doch noch irgendwie zu retten.

Nun ist es nicht so, dass ein Donald Trump seine Meinung am Nobelpreis-Komitee in Norwegen ausrichtet. Aber ein starkes Signal wäre es doch gewesen, gerade jetzt dem Iran-Deal seine Friedenstiftende Wirkung zu bestätigen. Diese Chance hat das ehrwürdige Komitee leider verstreichen lassen.


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Yourkeau, Freitag, 06.Oktober, 19:42 Uhr

8. Die Ukraine hat Atomwaffe abgegeben. Von Russland angegriffen

Die USA, Großbritannien und Russland garantierten damals Sicherheit für die Ukraine, weil sie freiwillig Atomwaffe abgegeben hatte.

2014 hat Russland Krim anektiert und Ostukraine angegriffen. Die USA, UK und Deutschland schweigen. BMW nach Moskau verkaufen ist wichtiger.

Ab 2014 es wird kein Idiot mehr von seiner Atomwaffe verzichten. Danke, Westen!

  • Antwort von Oliver M., Samstag, 07.Oktober, 14:33 Uhr

    Ist besser so, dass die geschwiegen haben. Sonst wären wir längst im Krieg - Atomkrieg vielleicht sogar. Wäre das besser?

    Außerdem bin ich mir nicht ganz sicher, ob unsere Medien den Sachverhalt zu 100 % richtig dargestellt haben oder vielleicht doch eher so, wie man das hier hören wollte: Russland = Putin = böse.
    Ich denke die Situation dort kann Otto Normalbürger eh nicht im Detail beurteilen.

    Wir hätten besser auch bei der Türkei geschwiegen. Aber nein, musste ja die Armenienresolution raus - vollig undiplomatisch, zum falschen Zeitpunkt und an eine Generation gerichtet, die das definitiv nicht zu verantworten hat!!! Das war der Beginn der Verschlechterung der Beziehungen - unnötig! Dann unser plumper Boykott gegen Erdogans Wahlkampfauftritte. Die aktuelle Situation ist schlechter als vorher. Sehr viel gewonnen. Wurscht, Hauptsache gepoltert.

    Hauptsache die Nase in Dinge stecken, die uns eigentlich nichts angehen.

angela, Freitag, 06.Oktober, 19:34 Uhr

7. Atomraketen bieten Schutz?

Ich bezweifele stark, dass der Herr aus Nordkorea ebenso der Herr im Osten oder der im Westen von uns, sich von ein paar Raketen, die in Deutschland stationiert sind beeindrucken lässt.
Sollten auch nur ein oder zwei Raketen eingesetz werden nützt es niemandem mehr, dass wir auch welche haben. Die Auswirkungen werden die ganze Welt betreffen - wohl dem, der recht nahe am Einschlagsort lebt - der hat hoffentlich einen schnellen Tod - alle anderen werden noch lange dahinvegetieren, auch die Kinder und Enkel derjenigen. Wer möchte das seinen Enkelkindern antun??
Deshalb benötige ich keine Atomraketen .....

Hans Holtz, Freitag, 06.Oktober, 19:01 Uhr

6. Verquere Welt.

Man muss sich heutzutage nur richtig im Mittelpunkt postieren mit einer lautstarken Empörung, um Preise abzugreifen. Die Menschen, die in wahrer Nächstenliebe tätig sind oder sich jahrelang im Stillen engagieren, die zählen in dieser Gesellschaft nichts mehr. Was haben diese Idealisten schon geleistet, um den Friedensnobelpreis zu verdienen? Na, Obama hat den ja auch bekommen. Und was hat der so vollbracht? Kein anderer Präsident Amerikas fiel mehr durch Müßiggang auf, als Obama...

Seppl, Freitag, 06.Oktober, 18:37 Uhr

5. Die Aufkündigung bedeutet Krieg

Der größte Gegner des Atomabkommens mit dem Iran ist Israel. Es hat das Abkommen von Anfang an abgelehnt und Netanjahu läßt keine Gelegenheit aus, die Aufkündigung des Abkommens zu fordern. Womöglich hat er da in Trump einen Verbündeten gefunden.

Trump wird sicher nicht das Abkommen aufkündigen und dann abwarten, bis der Iran die Zentrifugen wieder anwirft. Ich würde davon ausgehen, dass der Iran dann sehr schnell militärisch unter Druck gesetzt wird. Gelegenheiten gibt es genug:
Einen Luftangriff auf Atomanlagen (wie schon mal geschehen), ein von den Saudis provozierter Zwischenfall im Persichen Golf, Aktionen im Stellvertreterkrieg in Syrien usw.

Kündigt Trump das Abkommen, wird es gefährlich, die Gefahr von Kettenreaktionen eingeschlossen.

Schorsch, Freitag, 06.Oktober, 18:01 Uhr

4. Nuklearwaffen bieten Schutz

Wer auf Atomwaffen verzichtet, ist automatisch den Großmächten und ihren beherrschenden Rohstoffindustrien hilflos ausgeliefert. Die Atomwaffen sind der einzige Schutz vor Weltkriegen, weil der, der im Begriff steht, zu verlieren, die Raketen schicken wird. Will man ersthaft wieder zum atomwaffenfreien 1. Weltkrieg zurück? Der 2. wurde durch die Atomwaffen beendet, der kalte Krieg wegen der Bombe nicht zum heißen. Die Bombe hat also ihr Gutes. Nur Narren liefern sich wehrlos den anderen aus!

  • Antwort von Rosl, Freitag, 06.Oktober, 18:35 Uhr

    Schorsch, da haben Sie recht, ich kann mich noch gut an das Wettrüsten erinnern. Ohne die amerikanischen Pershing-Raketen wäre der Ostblock nicht zusammengebrochen und wir heute wahrscheinlich eine sowjetisch-kommunistische Kolonie, definitiv hätte es keine Wiedervereinigung gegeben. Wer hat denn die Friedensbewegung und ihr Kind, die Grünen, finanziert? Genau, die DDR!
    Man muß Merkel nicht mögen, aber eines hat sie begriffen, nämlich daß Deutschland ohne die hier stationierten Atomraketen sehr angreifbar wäre. Besser wäre es natürlich, es wären unsere eigenen, auch wenn wir auf sie im Kriegsfall angeblich zurückgreifen dürfen. Aber wer traut schon dem Amerikaner, nicht nur die Südvietnamesen haben das bitter bereut.