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Klinglbach im Bayerischen Wald Streit ums Wasser

Wer das 50-Seelen-Dorf Klinglbach im Landkreis Straubing-Bogen besucht, befindet sich augenblicklich inmitten der scheinbar untrügbaren Idylle des Bayerischen Waldes. Doch der Schein trügt. Denn die Klinglbacher proben gerade den Aufstand.

Von: Astrid Halder

Stand: 02.03.2016

Ihre Quelle ist den Klinglbachern heilig. Die Menschen hier schätzen ihr Wasser. Für manche war es sogar ein entscheidender Grund hierherzuziehen, "weil wir hier dieses Recht miterworben haben, dieses Quellwasser aus unserer Leitung haben zu können", so die Klinglbacherin Theresia Pany. Doch von der anderen Seite des Bergs, vier Kilometer weiter östlich, aus der Gemeindeverwaltung Sankt Englmar, droht Ungemach. Denn bald soll es vorbei sein mit der Quellwasserversorgung.

"Es soll ein Anschluss erfolgen an die zentrale Wasserversorgung Bayerischer Wald. Das ist die Möglichkeit, die momentan vom Gemeinderat Sankt Englmar gesehen wird."

Anton Piermeier (CSU), Bürgermeister Sankt Englmar

Klinglbach

Statt frischem Quellwasser gechlortes Fernwasser? Nicht nur die Klinglbacher sind schockiert. Auch Touristen, die seit Jahren hierher kommen. Wie Regina und Hans Visser aus den Niederlanden. Dreimal im Jahr mieten sich die Quellwasser-Fans in Klinglbach eine Ferienwohnung und nehmen es flaschenweise wieder mit nach Hause. Wenn das Wasser hier weg sei, meint das Ehepaar Visser, "dann überlegen wir, dass wir nicht mehr hierher kommen".

Gemeinde dreht den Quellhahn zu

Doch warum das alles? Wenn doch das Wasser so gut ist? Die Behörden sagen, das ein Wasserschutzgebiet so heute nicht mehr ausgewiesen würde. Es gäbe drei Gefährdungspotentiale A, B und C. Gefährdungspotential A) 100 Meter oberhalb der Quelle befindet sich eine Straße. Sie führt nur zu wenigen Anwesen. Doch die Sorge der Behörden: Wenn hier ein Heizöltanker verunglückt, dann wäre die Quelle verseucht. Doch selbst die Bundesanstalt für Straßenwesen schreibt, "ein Gefährdungspotential sei extrem gering und die Schwere möglicher Folgen ebenfalls sehr gering". Und dann gibt es noch Gefährdungspotential B) nämlich dieses seit Jahrzehnten unbewohnte Haus; es könnte ja mal wieder bewohnt werden. Und Gefährdungspotential C) Ein Skipiste mit Beschneiungsanlage. Dort wird aus Trinkwasser Schnee gemacht. Kann das gefährlich sein? Das Amt relativiert das selbst, und schreibt, dass es sich um abstrakte Gefahrenpotentiale handelt.

Fördergelder sollen fließen

Die Kommunalpolitiker wollen dennoch an ihrem Entschluss eines Fernwasser-Anschlusses festhalten. Schließlich gibt es hierfür Fördergelder. Würde sich die Gemeinde jetzt entschließen, den Beschluss doch nicht umzusetzen, würde sie in der Konsequenz die Fördergelder aufs Spiel setzen und könnte dafür möglicherweise in Haftung genommen werden. Die Bürger ärgern sich dennoch, weil für sie trotz Zuschuss wohl Anschlussgebühren in Höhe von mehreren tausend Euro pro Haushalt zukommen - ob sie das Wasser nun wollen oder nicht.

Im Herbst wollen die Behörden mit dem Fernwasseranschluss beginnen. Bis dahin werden die Klinglbacher für ihr Quellwasser weiterkämpfen.


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Hans Baumgartner, Sonntag, 13.März, 20:37 Uhr

9. Riesenschweinerei gegen Klingelbach

Ein Immobilienmakler hat mal gesagt, dass ein Haus ohne Brunnen auf dem Land nur halb so viel Wert ist. Bei uns gibt es eine Quelle, die versorgt 6 Häuser. Wir hatten schon mal einen zu hohen Nitratgehalt und manchmal ist das Wasser knapp und wir müssen sparen wenns länger kein Regenwetter gibt. Eine Fernwasserleitung war bei uns noch nie Thema. Wir müssen das Wasser halbjährlich prüfen lassen und dem gesundheitsamt melden und der Dürngabstand zur Fassung wurde einfach vergrößert. Sonst gibt es keine Vorschriften und der Lanfkreis Passau ist genauso in Bayern, wo alle Gesetzte gleich sind. Unser Wasserrecht wurde sogar anstandslos verlängert. Also ist es eine reine politische Angelegenheit und das ist eine Riesenschweinerei, die sich St. Englmar gegen die Klingelbacher leistet. Bitte in ganz Deutschland verbreiten!!!!! Das Wasser betrifft uns alle und auch die Subventuibsverschleuderung muss gestoppt werden.

Immobilien im Chiemgau, Oberbayern, Mittwoch, 09.März, 09:47 Uhr

8. Höherer Immobilienwert durch Quellwasser

Der Trend der Landflucht zeichnet sich in der Immobilienbranche längst ab. Fast nur noch Städte und Ballungsgebiete sind zum Wohnen gefragt. Dörfer in der Pampa haben häufig eine schlechte Infrastruktur mit unzureichenden Verkehrsverbindungen, geringen Arbeitsplatz- und Ausbildungsmöglichkeiten. Wer unabhängig ist und sich eine Immobilie auf dem Land leisten kann, hat die große Wahl an zahlreichen Häusern, die verkauft werden. Doch die meisten lassen sich nicht verkaufen oder sind einem starken Preisverfall ausgeliefert. Aber es gibt eine deutliche Ausnahme: Gefragt sind Häuser mit eigenen Brunnen, Quellen oder Wassernutzungsrechten in einer kleinen Versorgungsgemeinschaft wie Klinglbach. Schade, dass das Dorf von einer Verschleierungspolitik in St. Englmar abhängt. Dem Gemeinderat ist nicht klar, worauf er sich einlässt.
Immobilien im Chiemgau, Oberbayern

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Achatz, Deggendorf , Dienstag, 08.März, 22:57 Uhr

7.

Stur->Stumpf->Straubing. Nicht mal für Söder ist der Landkreis interessant. Kein Wunder, wenn Landrat Laumer ein faules Ei nach dem anderen legt, jetzt auch noch als Osterhase der Englmarer. Ei ei ei, schöngefärbt, Schmutzverdeckt im Nest Geimeinderat ... Macht, Gier und Geld gegen wertvolles Quellwasser ohne Rücksicht auf Verluste ... Hallo St. Englmar - Aufwachen - wir sind nicht mehr im 11. Jahrhundert!

Maria und Hans Weber, Montag, 07.März, 22:00 Uhr

6. Ein Beitrag zum Nachdenken über unser Wasser!

Wir freuen uns, dass der BR das Thema Wasser aufgreift. Bitte noch mehr solche, noch längere und informative Beiträge bringen! Wasser geht uns alle an und der Mensch sollte wissen, was genau aus seiner Leitung kommt. Das ist leider bei den Wasserwerken nicht sicher, denn viele Stoffe und Grenzwerte unterliegen keiner Prüfung. Die Gesetzgebung sollte sich nach der Qualität ausrichten und Orte nicht gleich subventionieren, um einen Missbrauch zu unterstützen. Eine bessere Qualität als frisches Quellwasser gibt es nicht. Die Brauerei wirbt nicht umsonst mit frischem Quellwasser. Selbst ein Hund, vor die Wahl gestellt, lässt gechlortes Fernwasser stehen. Und wer die Bibel kennt, weiß, dass Gott mit Quellwasser sicher kein mit Chlor versetztes Fernwasser meinte. Denn die Quelle ist der unmittelbare Ursprung, in ihrer ganzen Kraft. Unser Gebet gilt Klinglbach:
"Ihr werdet Wasser schöpfen voll Freude aus den Quellen des Heils" Jes 12,3

Nadine Weikert, Samstag, 05.März, 23:20 Uhr

5. Chlorwasser statt frisches Quellwasser?

Der Beitrag ist wirklich spitze. Kaum zu glauben, dass eine Gemeinde einen solch wertvollen Schatz, wie das gesunde Quellwasser abschaffen will! Bei uns im Allgäu wird alles dafür getan, um vorhandene Quellen zu schützen. Wenn die so weiter machen, vertreiben sie sich noch die eigenen Gäste! Wie hinterwäldlerisch muss ein Gemeinderat sein, der sich ins eigene Fleisch schneidet? Quellwasser ist doch ein Werbeargument, gerade für den Urlaub auf dem Land! Dass sich Klingelbach wehrt, ist für jeden nachvollziehbar. Die Gefährdungspotenziale sind ja mehr als lächerlich, da dürfte ja keiner mehr Quellen nutzen...