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Klimawandel und Migration Auf der Flucht vor der Dürre

Langanhaltende Dürren, Überschwemmungen und verheerende Stürme. Naturkatastrophen bedrohen ganze Nationen. Experten sehen in ihnen zunehmend auch ein Sicherheitsrisiko. Sogar zum Konflikt in Syrien sollen Klimaphänomene beigetragen haben.

Von: Sebastian Hofmann

Stand: 11.02.2016

Gerissener Lehm an einer ausgetrockneten Wasserstelle in der Syrischen Wüste. | Bild: picture-alliance/dpa

Wir blicken nach Syrien ins Jahr 2006: Vor allem im Norden des Landes kommt es zu extremen Dürren.

Über Monate hinweg gibt es keinen Niederschlag, Nutzpflanzen wachsen nicht mehr, der Grundwasserspiegel sinkt. Weil die Regierung Lebensmittel importiert, steigen die Lebenserhaltungskosten drastisch. Für viele Syrer entstehen existenzielle Probleme. Es kommt zu weitläufigen Migrationsbewegungen und Unruhen in der Bevölkerung. Experten sehen den Klimawandel in diesem Fall als:

"Eine mittelbare Ursache des Konflikts in Syrien, indem er mit einer Dürre zur Binnenmigration und gemeinsam mit anderen Faktoren zu dem Konflikt und dem Konfliktausbruch beigetragen hat."

Dr. Christiane Fröhlich, Sicherheits- und Friedensforscherin

Misslungene Agrar- und Gesellschaftspolitik

Unangemessene Politik habe die hitzige Stimmung im Land noch zusätzlich angefacht. Die Unzufriedenheit der syrischen Bürger und die Wut auf die Verantwortlichen in der Regierung sei gewachsen. Obwohl auch das Nachbarland Jordanien von der Dürre betroffen war, kam es dort nicht zu Unruhen: Mit nachhaltigen politischen Entscheidungen konnte man die schlimmsten Auswirkungen der Naturkatastrophe eindämmen.

 Klimaflucht als weltweites Phänomen

Nicht nur im nahen Osten, sondern auch weltweit rechnen Experten in den nächsten Jahren mit weitreichenden Fluchtbewegungen durch den Klimawandel. Schätzungen zur Zahl von Klimaflüchtlingen bis ins Jahr 2050 reichen von mehreren Millionen bis hin zu einer Milliarde Menschen. Bereits heute sind Millionen auf der Flucht vor Überflutung, Dürre und anderen Klimakatastrophen. Deshalb sei es wichtig, entsprechende Vorsorgemaßnahmen zu treffen.

"Das können technische Maßnahmen sein. ‚Was pflanze ich zukünftig an?’, ‚Wie verhindere ich Abholzung?’ und so weiter. Da muss man ein ganzes Spektrum, einen ganzen Fächer von Anpassungsmaßnahmen in Betracht ziehen und der ist von Region zu Region sehr unterschiedlich."

Dr. Paul Becker, Vizepräsident Deutscher Wetterdienst

Vorsorgemaßnahmen treffen

In Zukunft ist immer häufiger mit immer stärkeren Naturkatastrophen zu rechnen. Es sei jedoch extrem schwierig, durch entsprechende Messungen wissenschaftliche Zusammenhänge nachzuweisen, meint Becker. Klimadaten aus der Vergangenheit seien nur in geringem Umfang geeignet, um Projektionen für die Zukunft zu entwerfen. Zu undetailliert die alten Messdaten und zu individuell und differenziert globale Klimastrukturen.


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