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Kleine Waffenscheine Fast 600 Prozent mehr

Die Zahl der Menschen in Bayern, die einen sogenannten Kleinen Waffenschein beantragt haben, ist im vergangenen Jahr überdurchschnittlich gestiegen. Auch die Besitzer von scharfen Waffen sind mehr geworden - wie die Zahl der Opfer.

Von: Jochen Eichner

Stand: 21.04.2017

Schreckschusspistole in Aktion | Bild: pa/dpa/Carsten Rehder

Die bayerischen Behörden haben über 33.000 Mal eine Erlaubnis zum Führen von Schreckschuss-, Reizstoff- und Signalwaffen ausgestellt. Das geht aus einer Antwort des Bayerischen Innenministeriums auf eine Anfrage der Landtags-Grünen hervor. Das ist eine Steigerung zum Vorjahr um über 570 Prozent.

Im Jahr 2015 wurden im Freistaat noch knapp 5.800 solcher Kleinen Waffenscheine ausgestellt. Die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Katharina Schulze, sprach von einem Trend der Aufrüstung in Bayern und von einer erschreckenden Entwicklung. Die Zunahme bei diesen Waffen nannte sie dramatisch und warnte, dass die Dunkelziffer deutlich höher sein dürfte, da der bloße Erwerb dieser Waffen erlaubnisfrei sei.

Zunahme auch bei scharfen Schusswaffen

Die bayerische Grünenfraktions-Chefin Schulze fordert ein strengeres Waffengesetz - auch für erlaubnisfreie Waffen.

Auch die Zahl der Schusswaffen, für die eine Erlaubnis notwendig ist, ist nach den Angaben aus dem Innenministerium im vergangenen Jahr gestiegen. Demnach besaßen im vergangenen Jahr rund 230.000 Frauen und Männer in Bayern zusammen insgesamt mehr als 1.160.000 Waffen. Das ist ein Plus von 2,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Außerdem stellten die Waffenbehörden im Jahr 2016 fast 13.000 Menschen die Erlaubnis zum Erwerb einer scharfen Waffe aus. Das ist eine Steigerung von 16,6 Prozent zum Vorjahr.

Die Grünen-Politikerin Schulze sieht einen Zusammenhang zwischen der gestiegenen Zahl der Waffen im Freistaat und der Zahl der Menschen, die durch erlaubnispflichtige Waffen im vergangenen Jahr zu Schaden gekommen sind. Dies waren 41 Menschen und damit mehr, als in den Jahren 2011 bis 2015 zusammen (39 Personen).

Strengere Anforderungen für potentielle Waffenbesitzer

Eine Kaliber 9 mm Pistole, Patronen und ein Magazin liegen auf einer Waffenbesitzkarte | Bild: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa zum Artikel Reaktion auf Anschläge Schärferes Waffenrecht in Europa

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Schulze forderte, das Waffenrecht auf den Prüfstand zu stellen, um den Einsatz illegaler und den Missbrauch legaler Waffen zu bekämpfen. Unter anderem müsse es strengere Anforderungen an die Eignung und Zuverlässigkeit von Waffenbesitzern geben. Schulze möchte zudem erreichen, dass schon für den Besitz einer Schreckschusswaffe eine Waffenerlaubnis notwendig wird, um den Zugang zu solche Waffen zu erschweren.

Der kleine Waffenschein wurde 2002 nach mehreren Amokläufen in deutschen Schulen eingeführt. Da aber keine Registrierung und Rückverfolgbarkeit dieser Waffen vorlaut Gesetz vorgesehen ist, wurde der Verkauf an potentielle Straftäter durch das Gesetz nicht eingeschränkt.

  • Jochen Eichner | Bild: BR/Martin Binder Jochen Eichner

    Reporter für die Bayern- und die Schwabenredaktion sowie BR-Klassik


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