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Kirchenasyl Haßfurter Pfarrerin drohen weitere Ermittlungen

Pfarrer und Pfarrerinnen in Bayern wollen sich von den Generalstaatsanwälten im Freistaat nicht einschüchtern lassen. Wie gestern bekannt wurde, können den Kirchenmännern und -frauen sogar Haftstrafen drohen, wenn sie Flüchtlingen ohne Aufenthaltstitel Asyl bieten. Eine Pfarrerin, gegen die die Staatsanwaltschaft bereits ermittelt hatte, ist die Haßfurterin Doris Otminghaus.

Von: Antje Dechert

Stand: 25.07.2017

Gerade erst hat Doris Otminghaus erfahren, dass sie den Sepp-Daxenberger-Preis von den bayerischen Grünen verliehen bekommt – für ihr Engagement beim Kirchenasyl. Jetzt drohen ihr genau wegen dieses Engagements allerdings weitere Ermittlungen der Staatsanwaltschaft.

"Hier in Bayern angeklagt zu werden wegen Beihilfe zu illegalem Aufenthalt, das finde ich heftig, weil es ja Absprachen mit dem Bundesamt und den Kirchen gibt, dass das Kirchenasyl toleriert wird."

Doris Otminghaus

Zeugin in Strafverfahren gegen einen Schützling

Nur ein Schritt über die Grenze des Kirchengrundstücks –  und Johns Leben in Deutschland könnte vorbei sein. Denn dann könnte ihn die Polizei sofort festnehmen und abschieben. Der Flüchtling aus Nigeria müsste zurück nach Ungarn, denn hier wurde er das erste Mal von der EU als Flüchtling registriert. | Bild: BR zum Artikel Kirchenasyl Bayerns Sonderweg - und wohin er führen soll

Erst Einstellung des Verfahrens, im Wiederholungsfall Geldstrafe, danach Strafbefehl: So abgestuft sollen Bayerns Staatsanwälte künftig gegen das Kirchenasyl vorgehen. Das Justizministerium bestreitet das es entsprechende Vorgaben gibt, verteidigt das grundsätzlich das Prinzip. Von Christian Wölfel [mehr]

Ans Aufgeben denkt die evangelische Kirchenfrau deshalb aber nicht. Am Amtsgericht in Garmisch-Partenkirchen tritt sie heute als Zeugin in einem Strafverfahren gegen einen ihrer Schützlinge auf. Der Jeside aus dem Nordirak hat seit vergangenem Dezember bei Doris Otminghaus Unterschlupf gefunden. Ihm droht die Abschiebung nach Bulgarien, wo er nach eigenen Angaben schwer misshandelt wurde. Nach seiner Flucht vor dem IS war er zunächst in dem EU-Land als Asylsuchender gemeldet. Ob er überhaupt zu dem Gerichtstermin erscheinen wird, ist unsicher, denn die Polizei könnte ihn dort umgehend in Gewahrsam nehmen. Sollte jetzt gegen den 26-Jährigen Haftbefehl ergehen, dann drohen auch der Haßfurther Pfarrerin weitere Ermittlungen der Staatsanwaltschaft.


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