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Kirchenasyl in Bayern Evangelische Kirche empört über das Vorgehen der Staatsanwaltschaften

Das Thema Kirchenasyl bleibt brisant. Vor allem in der evangelischen Kirche. Als vergangene Woche bekannt wurde, dass Staatsanwaltschaften auch gegen Kirchenvorstände ermitteln, hat sich Landesbischof Bedford-Strohm in die Debatte eingeschaltet.

Von: Christoph Müller

Stand: 03.08.2017

Das Transparent "Kein Mensch ist illegal" | Bild: picture-alliance/dpa Paul Zinken

Hintergrund ist das verschärfte Vorgehen der Staatsanwaltschaften in Bayern. Ein dreistufiges Prozedere von Einstellung des Verfahrens über eine Geldbuße bis hin zu einem Strafbefehl. Das empfinden zahlreiche Pfarrer und Pfarrerinnen als Kriminalisierung. Und da über ein Kirchenasyl in der Gemeinde der Kirchenvorstand abstimmt, wird jetzt auch gegen Kirchenvorstände ermittelt.

„Ermittlungen nicht mehr verhältnismäßig“

Erste Protokolle von Kirchenvorstandssitzungen wurden bereits angefordert, um die strafrechtlichen Ermittlungen mit Hinblick auf Kirchenasyl voranzutreiben. Für Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm ist dieses Vorgehen nicht verständlich

"Das alles ist aus meiner Sicht nicht mehr verhältnismäßig. Es ist für uns auch sehr zweifelhaft, ob die Strafbarkeit in solchen Fällen von Kirchenasyl überhaupt gegeben ist, denn die Menschen verstecken ja niemanden, sie geben ja genau den Aufenthaltsort des Flüchtlings den Behörden bekannt und deswegen gibt es auch keine Verdunklung oder ähnliches. Ich hoffe, dass sich die Lage wieder entschärft."

Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm

„Eine moderne Version der Christenverfolgung“

In Sachen Kirchenasyl rumort es in Landeskirche. Der Fürther Pfarrer Kuno Hauck gewährt derzeit ein Kirchenasyl, ein weiteres hatte er in diesem und vier Asyle im letztem Jahr. Zwei Verfahren gegen ihn wurden bereits eingestellt, zwei weitere Pfarrer aus dem Dekanat Fürth haben Anzeigen erhalten.

Hauck wünscht sich von der  Landeskirche mehr Rückendeckung. Gegenüber der Staatsregierung sollte die Kirche entschiedener auftreten, findet er. Gemeinden und Pfarrer sollten stärker in Schutz genommen werden.

„Ermittlungsverfahren sind ein großer Skandal“

Kirchenasyl-Koordinator Stephan Theo Reichel ist vergangene Woche von seinem Amt zurückgetreten. Er ist empört über das Vorgehen des Staates, da es die Menschen vor den Kopf stößt, die mit ihrem Engagement ein Staatsversagen verhindern, so Reichel.

"Diese Anzeigen, diese Ermittlungsverfahren, die es ja nur in Bayern gibt, sind in Wirklichkeit ein ganz großer Skandal. Das sind auch Anzeigen implizit gegen den ganzen Kirchenvorstand, den der Pfarrer oder die Pfarrerin vertreten und wenn man es genau nimmt, ist es eine Anzeige gegen jedes Gemeindemitglied, in deren Auftrag Pfarrer und Pfarrerinnen und Kirchenvorstande ja Kirchenasyl gewähren. Das ist ein großes Wort, aber das hat Züge einer Christenverfolgung in Bayern angenommen."

Stephan Theo Reichel, ehemaliger Kirchenasyl Koordinator

Stephan Theo Reichel hat sein Amt als Kirchenasyl-Koordinator vor allem deshalb niedergelegt weil er sich als Amtsperson von staatlicher Seite unter Druck gesetzt fühlte. Er will sich jetzt anderweitig engagieren. Zum 5. Oktober möchte er in Nürnberg eine kirchliche Organisation namens Mattheo gründen. Der Name nimmt Bezug auf einen Vers aus dem Matthäusevangelium: ‚Ich war fremd und obdachlos und ihr habt mich aufgenommen‘.

Neben dem Thema ‚Kirchenasyl‘ soll es dort vor allem um die Unterstützung der kirchlichen Ehrenamtlichen in der Flüchtlingsarbeit gehen ebenso wie die Betreuung der neuen Transitzentren in Bamberg, Regensburg, Manching und Deggendorf.


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