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Mittelmeer-Route Über den Umgang der Kirche mit Flüchtlingen

Die Kirche ist uneins: wie umgehen mit der italienischen Migrationspolitik? Die Zusammenarbeit des Landes mit der libyischen Küstenwache ist genauso umstritten wie die Rolle der NGOs. Von Lisa Weiß

Von: Lisa Weiß

Stand: 15.08.2017 16:35 Uhr

Ärzte ohne Grenzen (li), Gualtiero Bassetti, italienischer Geistlicher (re)
| Bild: picture-alliance/dpa

Noch immer ist nicht völlig klar, wie die Zusammenarbeit zwischen Italien und der libyschen Küstenwache  in der Praxis genau aussieht. Doch Hilfsorganisationen in Italien befürchten Szenen wie diese: Mitarbeiter der italienischen Marine, die verzweifelte Migranten auf überladenen Schlauchbooten zwar retten, aber dann zurückschicken in Lager, in denen Folter und Gewalt an der Tagesordnung sind. Donatella Parisi vom Centro Astalli, dem italienischen Jesuiten-Flüchtlingsdienst, sieht die Zusammenarbeit mit Libyen daher äußerst kritisch:

"Die Verbindungen mit einem Land, in dem die Menschenrechte nicht beachtet werden, beunruhigen uns sehr, weil wir jeden Tag die Berichte der Migranten hören, die aus libyschen Gefängnissen kommen, die diese Hölle beschreiben. Und deshalb fordern wir die italienische Regierung auf, diese Situation zu berücksichtigen."

Donatella Parisi, Centro Astalli

Alles noch schlimmer in Libyen

Das Centro Astalli ist in Italien als besonders flüchtlingsnah bekannt. Auch Migrantes, die Flüchtlingsfachstelle der italienischen Bischofskonferenz, ist besorgt über die Entwicklungen. Ihr Generaldirektor, Gianni de Robertis, ist zwar nicht grundsätzlich dagegen, dass Italien mit Libyen zusammenarbeitet. Das Problem sind für ihn die Bedingungen, die die Migranten nach der Rückkehr nach Libyen erwarten. Menschen, die schon Opfer sind und vor dem Tod fliehen? Sie finden sich in Libyen womöglich in einer schlimmeren Lage wieder als zuvor.

Für de Robertis sollte es der italienischen Regierung - und auch der EU - nicht darum gehen, möglichst viele Menschen von der Flucht übers Meer abzuhalten. Vor allem sei es wichtig, dass weniger Menschen als bisher ihr Leben auf dem Mittelmeer verlieren.

"Hier liegt der eigentliche, große Skandal: die Gleichgültigkeit und Tatenlosigkeit der EU."

Gianni de Robertis, Generaldirektor der italienischen Bischofskonferenz

Abgrenzung statt Aufnahme

Die NGOs, die wenigstens bisher, Menschen aus Seenot gerettet haben, seien nach seiner Auffassung eingesprungen für die Staaten der EU, hätten ihre Aufgaben übernommen. Allerdings sagt auch De Robertis: Wenn sich die deutsche Organisation "Jugend Rettet" wirklich mit Schleppern abgesprochen hat - Untersuchungen der Staatsanwaltschaft laufen momentan - dann müsse das verhindert und bestraft werden.

Insgesamt grenzt sich De Robertis aber deutlich ab von der italienischen Regierung, die in den letzten Wochen immer mehr versucht hat, die NGOs in ein schlechtes Licht zu rücken, der es mehr um Abgrenzung geht als um Aufnahme. Etwas anders sieht das Kardinal Gualtiero Bassetti, der Präsident der italienischen Bischofskonferenz.

"Man darf nie die Aufnahme von der Verantwortung trennen. Der Verantwortung sowohl gegenüber denen, die flüchten und die leiden als auch gegenüber denen, die aufnehmen. Alles muss mit Verantwortung geschehen."

Gualtiero Bassetti, Präsident der Bischofskonferenz

Es gehe darum, Gesetze zu beachten, sagt Bassetti. Man könne nicht das Risiko eingehen, sich dem Vorwurf auszusetzen, mit Schleppern zusammenzuarbeiten, auch nicht aus purem Idealismus - eine Haltung, die eher der der italienischen Regierung entspricht. Und der Papst selbst? Der hat vor kurzem erneut dazu aufgerufen, Migranten auf dem Mittelmeer als Chance zu sehen, als Möglichkeit der Begegnung und menschlichen Wachstums - und wirbt für Solidarität und eine Willkommenskultur.


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