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Kinder-Medien-Studie Digital ist attraktiv, Bücher sind es auch

Sechs Verlage wollten wissen, wie die 4-13-Jährigen in Deutschland Medien konsumieren – und beleuchten das in einer Studie. Die ist nicht nur für Werbekunden oder Blattmacher interessant: Die Smartphone-Dichte ist hoch – und schon im Kindesalter haben Jungs mehr Kohle als Mädchen zur Verfügung.

Von: Vera Cornette

Stand: 07.08.2017

Symbolbild: Kind spielt mit Smartphone.  | Bild: pa/dpa/CHRISTOF SCHUERPF

Diese Umfrage ist ein Stimmungsbild und nicht repräsentativ. Technisch ist das System bestmöglich geschützt, um Manipulationen zu vermeiden.

Auf den ersten Blick sieht Mias Kinderzimmer aus, wie das der meisten Zehnjährigen: Kuscheltiere, bunte Bilder, Bücher. Bei genauem Hinsehen sieht man in ihrem Regal neben deutschen Kinderbüchern auch englische und japanische – zum Beispiel Erich Kästners "Fliegendes Klassenzimmer“. "Ich liebe Lesen – Schrift, egal ob in Büchern oder in Zeitschriften“, sagt Mia, die eine japanische Mutter und einen chinesischen Vater hat.

Mit ihrer Begeisterung fürs Lesen, für Bücher und Kinderzeitschriften passt Mia ziemlich gut ins Bild: 72 Prozent der Kinder zwischen vier und 13 Jahren haben in einer repräsentativen Untersuchung angegeben, dass sie mehrmals pro Woche lesen oder ihnen vorgelesen wird. Noch beliebter ist bei den Freizeitbeschäftigungen mit Medien nur Fernsehen (97 Prozent) und Musik hören (79 Prozent). Digitales kommt bei gut der Hälfte der Kinder gut an.

Grafik: Freizeitbeschäftigung mit Medien

Das dürfte die Auftraggeber der Studie, die sechs Verlagshäuser Egmont Ehapa, Gruner + Jahr, Panini, Spiegel-Verlag, Zeit Verlag sowie die Blue Ocean Entertainment AG freuen. Denn Ziel der Studie ist wohl nicht nur das Schließen einer Lücke hinsichtlich der Erkenntnisse zum Mediennutzungsverhaltens bei Kindern, sondern auch „(…) allen Marktteilnehmern – nicht zuletzt unseren Werbekunden – transparent darlegen, welch starke Rolle Zeitschriften nach wie vor im Medien- und Freizeitverhalten von Kindern spielen“, wird Gerd Brüne, Publisher Wissen bei Gruner + Jahr, stellvertretend für die beteiligten Verlage auf der Webseite von Blue Ocean zitiert.

Jungs bekommen mehr Taschengeld

Dass Kinder einen Großteil ihres Taschengeldes in Printmedien wie Zeitschriften und Comics stecken, dürfte ebenfalls eine gute Nachricht für die Verleger und Werbekunden sein. Interessant – auch für Nicht-Werbekunden – ist zudem das Ergebnis, dass Jungen und Mädchen aller Altersgruppen unterschiedlich viel Geld zur Verfügung haben.

Vier- und fünfjährige Mädchen können der Studie zufolge im Schnitt 202 Euro (Taschengeld und Geldgeschenke) ausgeben, bei Jungen sind es 12 Euro mehr. Bei größeren Kindern und Jugendlichen steigt das Budget beträchtlich an - und der Geschlechter-Unterschied wächst auf 28 Euro.

Grafik: Jährlich verfügbares Geld

Teenager hängen am Smartphone - seltener am Rechner oder Tablet

Erhoben wurde auch die Verbreitung von Smartphones: Ab neun Jahren haben die Hälfte aller Kinder ein Handy oder Smartphone, im Alter von 13 Jahren sogar 93 Prozent. Im Vergleich dazu haben 59 Prozent der 13-Jährigen einen Computer oder Tablet, während Tablets kaum eine Rolle spielen: Nur 23 Prozent dieser Altersgruppe besitzen ein Tablet.

Grafik: Nutzung von Smartphone, Computer und Laptop

Weiter unverzichtbar: "echte" Freunde

Zwar ist die digitale Technik Teil des Kinderlebens geworden. "Mit Freunden zusammen sein“ oder "draußen Spielen“ werden dennoch als bevorzugte Aktivitäten – und damit weit vor dem Spielen mit Apps oder Computern genannt.

Auch Mia hat ein Smartphone. Auf dem, erzählt sie, checkt sie morgens den Wetterbericht. Ansonsten steckt das Gerät im Ständer auf dem Schreibtisch. Im Moment sind Jim Knopf & Co. interessanter.

Interviewdetails:

4-5-Jährige: 394 Interviews mit einem Erziehungsberechtigten
6-13-Jährige: 1647 Interviews mit Erziehungsberechtigtem und Kind
Insgesamt gibt es in Deutschland 5,79 Millionen deutschsprachige Kinder im Alter von 6-13 Jahren und 1,38 Millionen im Alter von 4-5 Jahren.


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A.C.K., Dienstag, 08.August, 20:54 Uhr

3. Digitale Atombomben?

@Egon:
Was bitte haben Hiroshima und Nagasaki mit der digitalen Welt der 4 bis 13jährigen zu tun? Die Kids kennen das gar nicht mehr und müssen es auch nicht kennen. Die Vergangenheit war dramatisch genug, damit muss man die Jugend von heute nicht konfrontieren. Und wenn Du digital nur fürs Navi benutzen willst ist das ganz ok. Aber lass die Jugend tun was sie will, hör du deine Volksmusik und sehe ein, dass die heutige Jugend mit unserer Vergangenheit Gott sei dank nix mehr am Hut hat!

  • Antwort von Anne, Mittwoch, 09.August, 00:18 Uhr

    Mit der Vergangenheit wird es die Jugend schon noch zu tun kriegen, das ist uns - "Nachkriegsware" - auch so ergangen. Es ist für sie besser, wenn sie dann wenigstens einen Hauch von Schimmer hat, wofür sie ihr Leben lang verantwortlich gemacht wird.

Egon, Dienstag, 08.August, 18:59 Uhr

2. Mal sehen, ob morgen in der digitalen Welt ........

.....z.B. hier was vom 9. August 1945 steht. In diversen digitalen Gazetten konnte man am 6. August leider nix zum artgleichen Ereignis 6. August 1945 lesen. An was mag dies wohl liegen ? Denke, das Netz vergisst nix. Oder will man den Jungen von heute das gar nicht mehr erzählen ? Gab es früher nur die Guten ? Digital ist fürs Navi ganz gut. Aber zuviel Digital braucht niemand. Fängt schon bwei Auto (Diesel) an, wo man ganz einfach was falschen programmieren kann. Es gäbe noch genügend Beispiele. Lieber heimatliche Volksmusik aus der Mittelwelle !

BigFoot, Dienstag, 08.August, 13:25 Uhr

1. Aber klar doch digital

Schließlich wollen wir ja automatisiert analysieren, was, wann, wer, wie lange und wie oft gelesen hat. Die Kleinen müssen ja frühzeitig an das "bessere Nutzererlebnis" herangeführt werden.

Wir wollen uns doch hochentwickelte Nachkömmlinge "heranzüchten".

Konditionierung von klein auf sorgt für besseren Output ;-)
Nichts bleibt mehr dem Zufall überlassen.