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Kehraus im Hofbräuzelt Wenn Bedienungen das Ende der Wiesn feiern

Über zwei Wochen haben sie unzählige Krüge gestemmt und sind unzählige Kilometer gelaufen: die Wiesnbedienungen. Zum Kehraus - wie hier im Hofbräuzelt - lassen sie einmal selbst die Puppen tanzen.

Von: Felix Hörhager

Stand: 04.10.2017

Auf das Balkongeländer gelehnt, schaut Festwirt Ricky Steinberg über das Treiben im Hofbräuzelt. Gleich ist sie vorbei, die Wiesn 2017. Nur noch der Kehraus steht bevor. Die Wirtsleute bedanken sich beim Personal, danach feiern die Bedienungen auf den Tischen. Die Musiker haben mehr als zwei Wochen durchgespielt. Die Bedienungen haben unzählige Maß Bier geschleppt. Einen Moment lang könnte man glauben, der Kehraus im Hofbräuzelt gleicht einer Befreiung aus dem "Paradies".

"Bedienen ist völlig verrückt und eine andere Welt, es macht süchtig, Adrenalin pur. Viele stellen sich das so schön vor, und sehen nur, was eine Bedienung angeblich verdienen soll. In Wirklichkeit ist es physisch und psychisch eine Höchstleistung, die nicht von jedem erbracht werden kann. Man liebt und hasst sie zu gleichen Teilen."

Beli, Wiesnbedienung, gerade in Elternzeit

Schürzen schwingen, Wunderkerzen anzünden

"Vielleicht bin ich nächstes Jahr wieder dabei", das ist das, was sie alle sagen, wenn man sie fragt, ob man sie hier wieder sieht, im Hofbräuzelt. Wer einmal dort gearbeitet hat, kann sich überhaupt vorstellen, was das bedeutet. Wer die Magie und auch die Schattenseiten der Arbeit kennt, kann erst nachvollziehen, welches Gefühl es ist, am letzten Tag auf den Tischen zu stehen, die Schürzen zu schwingen und die Wunderkerzen anzuzünden.

Eine große, internationale Familie

"Es ist vorbei." Diese Worte bekommen nach über zwei Wochen Schwerstarbeit eine ganz besondere Bedeutung. Wenn die Tische zusammengeklappt sind, noch ein paar Telefonnummer ausgetauscht wurden, dann werden Pläne geschmiedet, wie man sich entspannt. Für manche Wiesnbedienungen ist es Beruf, für einige Berufung. Für Einige ist es die "Bank", um sich das Studium zu finanzieren. Ein paar sind aber dabei geblieben- ganz wie der hölzerne Aloisius, der an der Decke des Zeltes schwebt. So mancher Bedienstete gehört einfach zum Inventar des Zelts. Eine große internationale Familie ist es im Hofbräuzelt. Und Viele sehen sich hier 2018 wieder.


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