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Neuregelung bei Kartenzahlungen Mehr Entscheidungsgewalt für Kunden

Künftig sollen die Kunden das letzte Wort haben, wenn es um das Bezahlen an der Kasse geht. Girocard, Maestro oder V-Pay lautet dann die Frage. Für die Verbraucher entstehen weder Vor- noch Nachteile. Doch der Einzelhändler zahlt unter Umständen drauf.

Von: Anja Keber

Stand: 21.09.2016

EC- und Kreditkarten als Zahlungsmittel | Bild: picture-alliance/dpa

Um es gleich vorweg zu nehmen, es ist verwirrend und wie es letztlich laufen soll, das weiß noch niemand so genau. Fakt ist: seit dem 9. Juni 2016 sollen Kunden nach erfolgtem Einkauf die Wahl haben, welche Funktion ihrer Karte sie benutzen wollen.

"Für die Kunden stellt das erst einmal eine Überforderung dar, einfach weil man es gewohnt ist, mit seiner Girocard zu zahlen und sich nie Gedanken gemacht hat welche Funktion ich genau da aktiviere."

Sybille Miller-Trach Finanzjuristin bei der Verbraucherzentrale Bayern

Die meisten Verbraucher dürften sich bislang nicht einmal darüber bewusst gewesen sein, dass ihre Karte zwei Funktionen hat. Also: Karten aus dem Geldbeutel ziehen und nachschauen. Da gibt es einmal die so genannte Girocard-Funktion. Die ist symbolisiert mit einer kleinen Zahlentastatur, darüber steht Girocard. Bei manchen Karten ist sie auf der Vorder-, bei anderen auf der Rückseite abgebildet. Und dann gibt es die Debitkartenfunktion. Da gibt es beispielsweise Maestro von Mastercard und V-Pay von Visa. Das steht ebenfalls auf der Karte. Der Kunde soll entscheiden, über welche der beiden Funktionen er bezahlen will.

"Für mich als Verbraucher ist das aber letztendlich egal, ich habe mir vorher auch keine Gedanken darüber gemacht, die Auswirkungen dürften sehr gering sein."

Sybille Miller-Trach Finanzjuristin bei der Verbraucherzentrale Bayern

Am Ende zahlt der Einzelhändler

Egal wie der Kunde sich also entscheidet, er hat dadurch weder Vor- noch Nachteile. Im Gegensatz zum Händler. Bei der Girocard zahlt der Händler Gebühren von 0,2 Prozent des Umsatzes, bei der Debitkarte ist es ungefähr das Doppelte. Warum werden also nun die Kunden mit einer Entscheidung belastet, wenn doch der Händler ihnen eigentlich die Wahl abnehmen könnte? Ganz einfach: hier gilt es EU-Recht umzusetzen. Und wer seinen Kunden die Wahlfreiheit nicht gestattet, verstößt gegen dieses EU-Recht.

Kleines Karten-Lexikon

  • Kreditkarte: Vier große Kreditkartenorganisationen teilen sich im Wesentlichen den Weltmarkt auf: MasterCard, Visacard, Diners und American Express. Die ersten beiden geben Banken in Zusammenarbeit mit den Kreditinstiutionen heraus. Diners und AE sind ihre eigenen Herausgeber. Kreditkarten gewähren dem Inhaber, wie der Name es schon sagt, einen Kredit beim Kauf von Waren und Dienstleistungen.
  • Debit-Karte: Übergeordnete Bezeichnung für alle Bankkarten, die zum bargeldlosen Bezahlen eingesetzt werden können. Dazu gehören auch Mestro und V-Pay-Karten
  • Maestro-Karte: Maestro ist ein Dienst des Kreditkarten-Unternehmens MasterCard. Das Symbol auf der Bankkarte weist darauf hin, dass mit der Karte bargeldlos bezahlt werden kann, indem das System das Geld direkt vom Konto einzieht.
  • V-Pay-Karte: Gleiches System wie Maestro-Karten, dahinter steht allerdings nicht MasterCard, sondern Visa.
  • EC-Karte: Eine Debitkarte der Deutschen Kreditwirtschaft. Sie sind die dritte Karte im Debitkartensystem. Seit 2007 heißt die Elextronic-Cash (EC) Karte hauptsächlich "Girocard" und wird meist im Paket mit einem Girokonto von den Banken vertrieben.

Im April 2015 hat das Europäische Parlament die neue Vorschrift in Artikel acht, Absatz sechs, Unterabsatz zwei der Verordnung 2015/751 über Interbankenentgelte für kartengebundene Zahlungsvorgänge festgelegt. Da man aber davon ausgehen muss, dass dem herkömmlichen Verbraucher dieser konkrete Artikel nicht geläufig ist, fürchtet der Einzelhandel nun lange Schlangen an den Kassen, wenn künftig gefragt werden muss: "Welche Kartenfunktion hätten Sie denn gern?" Doch bislang haben wenige Händler die entsprechenden Systeme. So wird die entscheidende Frage erst in einigen wenigen Geschäften gestellt. Der Großteil wird erst in den nächsten Wochen beginnen die Kassensysteme umzurüsten.


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Christian, Donnerstag, 24.März, 11:18 Uhr

3. Warum man nicht mit Girocard zahlen möchte

Für den Datenschützer gibt es einen ganz triftigen Grund, Girocard abzulehnen und lieber per Maestro oder V-Pay zu zahlen. Denn Girocard lässt auch ELV zu - und viele Händler machen über Ihre Zahlungsanbieter (easycash usw.) eine Datenbankabfrage, scoring und profiling. Dazu kommt noch, dass bei einer Nichteinlösung hohe Gebühren verlangt werden - und eine Nichteinlösung kann auch ohne Verschulden des Kunden passieren. All das passiert bei Maestro und VPAY nicht, daher zahle ich lieber damit. Aus diesem Grund habe ich auch ein Konto bei einer Bank, die keine Girocard, sondern nur Mastercard und Maestro ausgibt.

  • Antwort von H S, Dienstag, 29.März, 08:06 Uhr

    Guten Tag, woher haben Sie denn diese Weisheit?
    Mit Datenschutz hat das ganz und garnichts zu tun. Dann dürfen Sie nur noch Bargeld nutzen.
    JEDE Karte wird heute online geprüft. Haben Sie kein Geld auf dem Konto wird die Zahlung abgeleht.
    Bei einer online Lastschrift kommt das gleiche Verfahren zustande. Haben Sie Geld auf dem Konto wird gezahlt wenn Ihr Konto keine Deckung aufweist, ja, dann kann es zusatzkosten bedeuten. Aber vielleicht sollte man nichts kaufen wenn man kein Geld hat, Sie unterschreiben ja den Beleg. Lassen Sie es einfach wenn Sie das nicht möchten. Eine Bewertung Ihrer Person findet bei allen Banken etc. statt. Egal mit welcher Karte Sie bezahlen.

Heribert Stan, Mittwoch, 23.März, 13:02 Uhr

2. Anwenderauswahl

Guten Tag, Sie schreiben in der Headline EC-Karte oder doch Kreditkarte...
Erstens gibt es seit 2007 keine EC Karte mehr auch der Bürger sie noch unter diesem Begriff kennt. Im weiteren Verlauf titulieren Sie ja auch richtig.
Zweitens ist die Frage nicht Kreditkarte oder Girokarte sondern wie Sie im folgenden dann auch weiter richtig schreiben Girokarte va Maestro/ V-Pay.

Eine Frage noch, wenn V-Pay und Maestro Debitsysteme sind, ist die Girocard dann eine Kreditkarte????

Aufklärung ist gut aber bitte richtig.

Mit freundlichen Grüßen

Anmerkung BR24: Vielen Dank für Ihre Anmerkung. Wir haben zur besseren Übersicht eine entsprechende Infobox in den Artikel eingebaut. Darin aufgeführt finden sich die unterschiedlichen Kartenarten und Anbieter.
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Halweg, Mittwoch, 23.März, 11:02 Uhr

1. Sieg für die Kreditkartenabieter

Es darf also nicht sein, dass pro Umsatz nur 0,2% an die Geldindustrie fließen! Nun also Abgabe per Gesetz.
Die Verwirrung der Kunde ist nur ein Nachteil, denn es ist eben nicht so, dass de Kunde nicht draufzahlt. Wer sonst sollte denn die Transaktionsgebühren bezahlen, wenn nicht der Kunde.
Ich selbst benutzte die Kreditkarte (im Unterschied zur ec-Karte) nur im Notfall, da ich weiß, das das den Handel teurer macht. Man kann nur hoffen, dass auch andere immer den billigsten Zahlweg wählen. Alternativ sollte man den Händlern einfach die Möglichkeit geben, die Transaktionskosten direkt auf die Rechnung draufzuschlagen. Denn das dürfte mittelfristig auch im Interesse der Kunde sein.