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Ehrung für Franziskus Karlspreis für "Botschaft der Hoffnung"

Papst Franziskus lehnt Auszeichnungen und Preise eigentlich kategorisch ab. Beim Aachener Karlspreis macht er eine Ausnahme. Der Papst nehme den Preis an, "um ihn Europa zu widmen", sagte Vatikansprecher Federico Lombardi. Franziskus verbinde mit dem Karlspreis eine Friedensbotschaft an Europa und die Welt, so Lombardi.

Von: Tilmann Kleinjung

Stand: 23.12.2015

Papst Franziskus | Bild: pa/dpa/Ettore Ferrari

Bisher hat sich Papst Franziskus mit der Rolle Europas vor allem kritisch auseinandergesetzt. Sein erster Besuch galt der Flüchtlingsinsel Lampedusa. Damals beklagte er die Gleichgültigkeit Europas angesichts des Flüchtlingselends. Einen Vorwurf, den er bei seiner Rede vor einem Jahr vor dem Europaparlament noch einmal wiederholte.

"Man kann nicht hinnehmen, dass das Mittelmeer zu einem großen Friedhof wird! Auf den Kähnen, die täglich an den europäischen Küsten landen, sind Männer und Frauen, die Aufnahme und Hilfe brauchen."

Papst Franziskus

Appell an die "gute Seele Europas"

An der Flüchtlingskrise droht die Europäische Union  gerade zu zerbrechen. Die Idee eines geeinten, solidarischen Europas steht auf dem Spiel. Papst Franziskus hat das bei seiner Rede in Straßburg klar ausgesprochen. Sein Appell: Europa möge seine „gute Seele“ wiederentdecken.

"Von mehreren Seiten aus gewinnt man den Eindruck der Müdigkeit und des Alters, die Impression eines Europas, das Großmutter ist und nicht mehr fruchtbar und lebendig ist. Demnach scheinen die großen Ideale, die Europa inspiriert haben, ihre Anziehungskraft verloren zu haben zugunsten von bürokratischen Verwaltungsapparaten seiner Institutionen."

Papst Franziskus

Kritischer Blick auf Europa

Der neue Karlspreisträger spricht selten gut über Europa. Er kritisiert, dass vor allem junge Europäer unter Arbeits- und Perspektivlosigkeit leiden. Es sei der Moment gekommen, sagte Franziskus zu den Europaabgeordneten, „den Gedanken eines verängstigten und in sich selbst verkrümmten Europas fallen zu lassen“.

Annette Schavan, die deutsche Vatikanbotschafterin

Für die deutsche Vatikanbotschafterin Annette Schavan ist der Karlspreis an Franziskus der Beweis dafür, dass sein „leidenschaftlicher Appell angekommen ist“. 

"Wenn dieser Papst nun den Karlspreis bekommt, dann finde ich das großartig wenn damit seine Botschaft nochmal öffentlich gemacht wird. Eine Botschaft für die junge Generation und dafür, dass Europa begreift, wieviel Begabungen und Möglichkeiten es hat."

Annette Schavan, deutsche Botschafterin im Vatikan

Preisverleihung ausnahmsweise nicht in Aachen

Franziskus ist der zweite Papst, der den Karlspreis erhält. 2004 wurde bereits Johannes Paul II. ausgezeichnet. Damals fand die Preisverleihung in Rom statt. Auch Franziskus wird den Preis im kommenden Jahr im Vatikan aus den Händen des Aachener Oberbürgermeisters in Empfang nehmen.

Karlspreis für einen Nicht-Europäer

Der Karlspreis ist ein europäischer Preis und es kommt selten vor, dass er Nicht-Europäern verliehen wird. Jorge Mario Bergoglio wurde vor 79 Jahren in Buenos Aires geboren, als  Sohn italienischer Einwanderer. Vor der Papstwahl beschränkten sich seine Kontakte mit Europa auf die sporadischen Besuche in Rom, im Vatikan. Ein Papst vom anderen Ende der Welt, der Europa von außen in den Blick nimmt.


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Elisa, Mittwoch, 23.Dezember, 14:38 Uhr

2. Botschaft der Hoffnung

Also die Botschaft der Hoffnung, die gibt's ja nun seit 2000 Jahren und die begann mit der Geburt unseres Herrn Jesus Christus. Folglich müsste nicht der Papst für "die Botschaft der Hoffnung" ausgezeichnet werden, sondern Christus und seine Kirche.
Oder wird der Papst etwa dafür ausgezeichnet, dass so viele Linke hoffen, dass es ihm gelingen könnte, der katholischen Kirche ihre Spiritualität zu nehmen und einen linksgrünen Sozialverein draus zu machen? Dann müsste allerdings die DBK mit diesem Preis ausgezeichnet werden.
Und wenn der Chef von Radio Vatikan meint, der Papst hätte den Preis verdient, weil er unbequem sei (was er ja nicht ist), dann sollte er sich mal an den Urheber der Verkündigung des "schmalen Weges" erinnern.
Der Preis sei dem Papst gegönnt, aber die Begründung dafür ist eine Lachnummer.

wm, Mittwoch, 23.Dezember, 13:23 Uhr

1. Karlspreis 2016

Der Karlspreis 2016 müßte an die ehrenamtlichen Migranten-Helfer verliehen werden,als Würdigung für deren Arbeit!