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Valentins Komik Wortklaubereien

Stand: 31.05.2004 | Archiv

Karl Valentin am Mikrofon (undatierte Aufnahme) | Bild: SZ Photo / Scherl

Valentin ist nichts selbstverständlich - am allerwenigsten die Sprache. Er spielt mit Wörtern, dreht Sätze und stellt sie so lange in einen neuen Kontext, bis er sie der Absurdität überführt hat. Besonders gefährdet von Valentins Sezierarbeit sind Redensarten - zum Beispiel: "Mit Kleinem fängt man an". Im Dialog "Sisselberger vor Gericht" versucht Valentin dem Sprichwort zufolge die ersten Schritte auf dem Weg zu materiellem Wohlstand. Nur - er interpretiert es gegen die gängige Lesart ...

"Richter: Warum haben Sie diesen kleinen Betrag gestohlen?
Valentin: Weil das Sprichwort heißt: 'Mit Kleinem fängt man an, mit Großem hört man auf.' [...]
Richter: Ihr Prinzipal ist aber doch ein ganz kleiner Kaufmann, und nach den Akten zu schließen, hat er wirklich selbst nichts Übriges.
Valentin: Das stimmt, aber ich habe noch weniger. [...]
Richter: Und wenn Sie nicht verscheucht worden wären, hätten Sie wahrscheinlich mehr genommen als 1,50 Mark. [...]
Valentin: Herr Richter, ich wollte ja mehr aus der Kasse nehmen, aber es war nicht mehr drin."

Auszug aus 'Sisselberger vor Gericht' - Sisselberger (Valentin) ist angeklagt, weil er den gesamten Inhalt der Ladenkasse seines Chefs ausgeräumt hat: 1,50 Mark.

Angesichts des materiellen Ungleichgewichts zwischen Herr und Knecht verzichtet Valentin auf ein Schuldeingeständnis.

Sarkasmus

Zum Hohn wird das Sprichwort in "Der Umzug". In diesem Film, der ausweglose Sozialmisere drastisch vor Augen führt, beginnt Valentin das Beladen des Wagens ausgerechnet mit einem Nudelholz. Das rollt selbstverständlich ständig wieder herunter. Warum er nicht mit großen Gegenständen anfängt? Eben: "Mit Kleinem fängt man an." Das große Elend hört aber nicht auf - nicht bei Valentin, bei dem sozialer Aufstieg nicht vorkommt.

Kalauer

Valentins Sprachspielereien sind nicht immer mit Tiefsinn gewürzt, sondern spiegeln häufig harmlose Alltagssituationen wieder - und sind dann mehr oder minder witzig, wie im Dialog "Vergeßlich". Valentin trifft auf der Straße eine alte Bekannte (Karlstadt), deren Name ihm ums Verrecken nicht einfallen will. Dann der vermeintliche Geistesblitz:
"Valentin: Jetzt hab ich 's: die Frau Lang!
Karlstadt: Nein, nein, ein kurzer Name ist es doch!"


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