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Das jährliche Schlossgespenst Guttenberg geht wieder um

Karl-Theodor zu Guttenberg trifft sich wieder mal auf Schloss Neufahrn mit dem CSU-Nachwuchs - und erneut fragt man sich, ob der Ex-Verteidigungsminister zum politischen Wiedergänger wird. Bereitet er sein Comeback vor, indem er uns an seine Gegenwart gewöhnt?

Von: Sebastian Kraft

Stand: 12.02.2016

Karl-Theodor zu Guttenberg | Bild: picture-alliance/dpa

Ein Schloss im tiefen Niederbayern, Schwerter, Lanzen und Säbel an der Wand. Dazu ein gefallener Kronprinz und eine Gruppe junger Landtagsabgeordneter, angeführt von dem Europaparlamentarier Manfred Weber, der nicht gerade als enger Freund des bisher aussichtsreichsten CSU-Kronprinzen Markus Söder gilt. Gründet sich hier eine Bewegung für zu Guttenberg? Bereitet er so seine Rückkehr vor? Steckt Seehofer dahinter, um Söder doch noch zu verhindern? Vor einem Jahr schossen rund um dieses Treffen die Verschwörungstheorien nur so ins Kraut.

Hochrangige Gäste

Kommt er bald ganz zurück? Schloss-Gast Guttenberg 2015

Fakt ist: Nichts von all dem ist eingetreten. Stattdessen war das Treffen im Schloss Neufahrn (Lkr. Landshut) ein rundum gelungener Informationsaustausch, berichteten mehrere Teilnehmer. Hochrangige Gäste kommen auch diesmal: David McCormick, CEO eines der größten Hedgefonds der Welt, und Oliver Bäte, Vorstandsvorsitzender der Allianz. Und wie schon letztes Jahr spielen Teilnehmer die Bedeutung des Treffens herunter: Es gehe um hintergründige Diskussionen und Meinungsaustausch, nicht um die Person Karl-Theodor zu Guttenberg.

Dosierte Rückkehr

Erklärt er uns wieder die Welt? Karl-Theodor zu Guttenberg als Top-Diskutant

Das mag stimmen, allerdings sorgen Auftritte von Karl-Theodor zu Guttenberg immer für ein Aufhorchen, mögen sie auch noch so banal sein. Eigentlich lebt der Baron aus Kulmbach seit seinem Rücktritt 2011 in den USA, doch in den letzten Monaten ist eine interessante Entwicklung eingetreten: Die CSU-internen Auftritte des gefallenen Kronprinzen häufen sich, so war er neulich Gast beim außenpolitischen Club der CSU.

Auch in Berlin soll er jetzt öfter sein, berichten Parteifreunde. Und rund um den G7-Gipfel ließ er sich im Sommer 2015 auch in Elmau blicken.

Der Baron wird wieder normal

Mit jedem dieser Aufritte dürfte die Schnappatmung nachlassen und das mediale Interesse sinken. Tummelten sich letztes Jahr noch ein gutes Dutzend Journalisten, Fotografen und Kameraleute rund um das Schloss Neufahrn, dürfte der mediale Auflauf diesmal wesentlich kleiner ausfallen - auch wegen der zeitgleich stattfindenden Sicherheitskonferenz in München. Die kommt Weber und zu Guttenberg quasi doppelt gelegen: Einerseits liegt der mediale Fokus auf dem Bayerischen Hof, andererseits machen dann viele hochrangige Gäste auch einen kurzen Abstecher nach Neufahrn.

Der Frust ist dein Freund

Lauert er schon wieder im Hintergrund? Guttenberg und Seehofer 2010

Das Suggerieren von Normalität und das Herunterspielen seiner Auftritte dürfe jedenfalls denen gelegen kommen, die sich eine Rückkehr des oberfränkischen Barons wünschen.

Die Probleme in Berlin werden für die CSU nicht kleiner: Unbedeutende Ministerien, keine großen Themen, es fehlt an Glanz und Durchsetzungskraft. Nicht zuletzt zeigt die verkorkste Reise von Horst Seehofer nach Moskau, dass die CSU außenpolitisch vor allem eines braucht: Kompetenz und Sachverstand.

Dieses Profil versuchen jetzt zu Guttenberg, Manfred Weber und der dritte Gastgeber Georg Fahrenschon wiederzubeleben: Eine intellektuelle und außenpolitische Elite. Markus Söder ist ins Schloss Neufahrn übrigens auch dieses Jahr genauso wenig eingeladen wie Ilse Aigner oder Horst Seehofer.

Der Bruder als Quereinsteiger?

Politische Aussichten? Philipp zu Guttenberg

Die Gerüchteküche brodelt wie immer, vor allem, weil seit kurzem noch ein weiterer Faktor ins Spiel gekommen ist: Philipp zu Guttenberg, der bisher eher unscheinbare jüngere Bruder von Karl-Theodor, ist völlig überraschend im Kompetenzteam der rheinland-pfälzischen CDU-Spitzenkandidatin Julia Klöckner aufgetaucht - obwohl  er überhaupt keine Wurzeln vor Ort hat. Im Falle eines Wahlsieges könnte er sogar ins Kabinett aufrücken. Wie man es dreht und wendet: Der Name zu Guttenberg sorgt politisch weiter für ziemlich viel Gesprächsstoff - und das kann eigentlich kein Zufall sein.


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