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Kardinal Müller im ehemaligen Bistum Beten und schweigen

Der ehemalige Präfekt der Glaubenskongregation, Kardinal Gerhard Ludwig Müller, zu Besuch in seinem ehemaligen Bistum Regensburg: Zum Abschluss des Annabergfestes im oberpfälzischen Sulzbach-Rosenberg zelebrierte der römische Kardinal mit hunderten Gläubigen eine Pontifikalmesse unter freiem Himmel. Über mögliche eigene Versäumnisse bei der Aufarbeitung des Domspatzenskandals äußerte er sich nicht.

Von: Antje Dechert

Stand: 30.07.2017

Kardinal Müller auf dem Annabergfest in Sulzbach-Rosenberg | Bild: BR/Antje Dechert

Es war der erste Auftritt Müllers in seinem ehemaligen Bistum seit der Veröffentlichung des Abschlussberichts über die Missbrauchsfälle bei den Regensburger Domspatzen. Dieser befasst sich kritisch mit der Aufarbeitung der Vorfälle unter Müllers Bistumsleitung im Jahr 2010. Müller sei für strategische Schwächen bei der Aufarbeitung verantwortlich.

Strahlender Sonnenschein und gelebte Frömmigkeit: Eine schönere Szenerie hätte sich der Glaubenspräfekt außer Dienst gar nicht wünschen können für den Besuch in seinem ehemaligen Bistum Regensburg. Aber auch das schönste Wetter konnte nicht darüber hinwegtäuschen, dass viele der Besucher auf dem Annaberg in der Oberpfalz mehr als nur einen Gottesdienst erwarteten: ein paar versöhnende Worte wenigstens, eine Entschuldigung bei den Opfern der Missbrauchsfälle bei den Regensburger Domspatzen.

Nicht die Predigt, auf die viele hofften

Viele waren neugierig, was er für eine Predigt hält. Doch es war nicht die Predigt, auf die viele hofften. Stattdessen ein Vortrag über den evangelischen Theologen Dietrich Bonhoeffer. Kein Wort über mögliche eigene Versäumnisse bei der Aufarbeitung des Domspatzenskandals - genau die hatte der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung kürzlich angemahnt. Müller habe die Untersuchungen verzögert. Der Kardinal selbst sieht das anders:

"Da habe ich nichts dazu zu sagen, er muss wissen, was er tut. Man soll sich an die Wahrheit halten."

Gerhard Ludwig Müller, Kurienkardinal

Kein mea culpa des Kardinals also. Nach vorne blicken und die Vergangenheit hinter sich lassen, lautet seine Devise. In Rom wolle er sich künftig vor allem seiner theologischen Forschung widmen.


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