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Kaiser's Tengelmann Zwei Wochen Gnadenfrist

Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub will in zwei Wochen endgültig entscheiden, ob die verlustreiche Supermarktkette Kaiser's Tengelmann zerschlagen wird. Die Beendigung des Vertrags zur Übernahme von Kaiser's Tengelmann durch Edeka werde für diesen Zeitraum ausgesetzt.

Von: Eva Böck

Stand: 23.09.2016

Eine entsprechende Entscheidung wurde nach der Aufsichtsratsitzung von Tengelmann in Mühlheim an der Ruhr veröffentlicht. Bereits in der vergangenen Nacht haben sie drei Stunden lang verhandelt: die Chefs der Handelsketten Tengelmann, Markant, Edeka und Rewe, außerdem Vertreter der Gewerkschaft Verdi. Drei Stunden - kein greifbares Ergebnis. Immerhin gab es danach eine kurze, gemeinsame Erklärung.

Die klingt noch nicht ganz nach Scheitern, lässt aber keinen Zweifel an der verfahrenen Situation: Das Gespräch sei konstruktiv gewesen und man sei sich einig, die Verhandlungen fortzuführen. Zeitnah. Wann und wo, das ist aber offen. Und auch worüber genau diskutiert wurde, ist nicht bekannt. Wieder eine Enttäuschung also für die tausenden Mitarbeiter von Kaiser's Tengelmann, die seit Monaten um ihre Jobs bangen. Eine schlechte Nachricht auch für Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel. Er hatte dringend an alle Beteiligten appelliert, sich zu einigen:

"Ich weiß, dass es Unternehmen, egal, um welche es geht, um ihre Stellung am Markt geht, aber es gibt auch eine Verpflichtung gegenüber den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, es geht auch um den Ruf der Unternehmen, und ich kann nur daran appellieren, dem Vorschlag der Gewerkschaft Verdi zu folgen und sich zu verständigen."

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD)

Tausende Mitarbeiter im Ungewissen

Die Verständigung bleibt erstmal aus, damit steht die Zerschlagung von Kaisers Tengelmann wieder im Raum. Filalen, die besser gehen, würden dann verkauft, diejenigen, die schlecht laufen, einfach geschlossen. Für die Mitarbeiter natürlich die schlimmste Variante:

"Die Angst ist einfach da, die Filiale wird zugemacht und man steht irgendwann da, keine Arbeit. Es sind schlaflose Nächte: Bauchschmerzen, Magenschmerzen - hat man schon mal."

Gertrud Linnekuhk, Betriebsrätin in Bochum

Der Ball liegt jetzt beim Aufsichtsrat von Tengelmann, der am Vormittag zusammenkommt und über die Lage berät. Klar ist: Tengelmann-Eigentümer Haub will nicht mehr allzu lange warten, das seit vielen Jahren defizitäre Unternehmen loszuwerden. Zerschlagung, das ist die eine Variante. Eine andere ist ein Vorschlag von Rewe: Danach sollen die 400 Filialen unter den Wettbewerbern aufgeteilt werden, statt sie Edeka allein zu überlassen. Fragt sich nur, was die übrigen Beteiligten von der Idee halten.

"Wir können die Arbeitsplätze bei Kaiser's Tengelmann sichern, indem wir gemeinsam den Weg freimachen für eine faire Aufteilung der Märkte."

Rewe-Chef Alain Caparros

Kaiser's Tengelmann Filialen in Deutschland

Er sei bereit, für alle von Rewe übernommenen Märkte die in der Ministererlaubnis formulierten Auflagen zur Sicherung der Arbeitsplätze, zur betrieblichen Mitbestimmung und tarifvertraglichen Bezahlung der Beschäftigen zu akzeptieren, betonte der Rewe-Chef. Der Betriebsrat von Kaiser’s Tengelmann fordert hingegen den Erhalt der hoch defizitären Supermarktkette.

"Statt Zerschlagungsszenarien brauchen wir ein Fortführungskonzept das trägt, bis die Gerichte entschieden haben, oder es eine Einigung aller Beteiligten gibt."

Manfred Schick, Aufsichtsratsmitglied und Betriebsratsvorsitzender der Region München/Oberbayern

Worum geht's eigentlich?

Branchenprimus Edeka sowie Kaiser's Tengelmann hatten die Fusion vor etwa zwei Jahren beschlossen. Das Bundeskartellamt legte wegen Wettbewerbsbedenken sein Veto ein, das Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) über eine sogenannte Ministererlaubnis aushebelte. Unter anderem Rewe hatte beim Oberlandesgericht Düsseldorf Beschwerde gegen die Erlaubnis eingelegt und vorläufig recht bekommen. Damit liegt der Deal auf Eis und droht wegen langwieriger juristischer Auseinandersetzungen zu platzen.


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Kommentare

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Lutz Schnelle, Freitag, 23.September, 12:45 Uhr

3. Zeitnah kann man sich nur außerhalb des Universums aufhalten

"Zeitnah" ist ein Modewort und eine Sprachlüge. Versuche doch mal jemand, sich in der Nähe der Zeit aufzuhalten? Wir alle sind Opfer der Zeit. "Terminnah" träfe den Umstand besser.

Die Situation bei Tengelmann ist eine marktwirtschaftliche und hat im Kern mit Angebot und Nachfrage zu tun und nicht mit Arbeitsplätzen. Tengelmann ist einfach über und hat keinen Kundenstamm mehr. Damit gilt es sich auseinanderzusetzen. Zudem wird der Markt beherrscht von wenigen Supermarktketten, die alle Kleinanbeiter mit ihren Preisen an die Wand drücken. Daher kommt die Unsicherheit.

Praktisch sollten die Supermarktketten zerschlagen werden. Innerhalb nämlich werden mit Hausmarken wie "Tip" die Preise bestimmt und die Markenanieter erpresst.

Faire Aufteilung heißt für mich, daß das Kartellamt mal wieder zu seinem Recht käme.

  • Antwort von stefan, Freitag, 23.September, 15:03 Uhr

    Man sieht ja, wie groß das Mimimi ist, wenn das Kartellamt seiner Verantwortung gerecht wird und sich gegen den Aufbau eines Superkonzerns stellt, vor allem, wenn unterstützend dahinter ein Politiker steckt, der sich pünktlich zur Wahl profilieren möchte und dabei wider besseres Wissen mit rechtlichen Mitteln vorgeht, die hier gar nicht gerechtfertigt sind. Ich glaube nicht, dass er berücksichtigt hat, dass durch die Fusion Edeka-Tengelmann vielleicht Arbeitsplätze bei anderen Unternehmen gefährdet werden könnten und sich im Endergebnis diese Fusion zusätzlich gegen das Interesse der Verbraucher richtet. Eben das hat das Kartellamt berücksichtigt, so dass es nicht die böse Kritik verdient hat, sondern Lob.

Isabell Speidel, Freitag, 23.September, 08:47 Uhr

2. SPD und ihre Minister

Ein Wirtschaftsminister der nie in der freien Wirtschaft gearbeitet hat sondern als Lehrer seinen Beamtenstatus lebte und heute noch lebt in dem er vom Steuerzahler subventioniert wird.
Die SPD kann abdanken mit so einem Kanzlerkandidaten !

Andrea Nahles als Arbeitsministerin die nur studiert hat und dem Steuerzahler Geld gekostet hat aber heute theoretisiert zum Thema "Arbeit". Es ist eine fürchterliche Republik geworden !

  • Antwort von bergbauer, Freitag, 23.September, 10:24 Uhr

    Dem Kommentar ist nichts hinzuzufügen, früher stand diese Partei wenigstens für soziale Gerechtigkeit,
    heute sind dort Selbstdarsteller zugange, die von der Realität keine Ahnung mehr haben.

  • Antwort von Münchner Realist, Freitag, 23.September, 10:46 Uhr

    Wo haben den Merkel und Seehofer gearbeitet? Von Scheuer will ich lieber gar nicht reden.

  • Antwort von Max, Freitag, 23.September, 11:13 Uhr

    Frau Merkel hat bei der FDJ gearbeitet, klingelingeling! Fällt einem dazu was ein?

  • Antwort von Leon, Freitag, 23.September, 11:25 Uhr

    Wenn wir Merkels Stasi-Akten einsehen könnten, wüßten wir wo sie gearbeitet hat und wo nicht. Doch leider sind diese geschlossen, vielleicht bei der NSA oder geschreddert!

Hermann, Freitag, 23.September, 08:26 Uhr

1. Fortführungskonzept

Es wird ein "Fortführungskonzept gebraucht, das trägt". Eine tolle Erkenntnis des Betriebsratsvorsitzenden. Mein Vorschlag: Die Gewerkschaften haben viel Geld, die können Tengelmann übernehmen und dann zusammen mit den Betriebsräten das Fortführungskonzept entwickeln und umsetzen. Fachkompetenz könnte noch verhanden sein, schliesslich hatte man mit Co op schon mal eine Handelskette im Portefeulle. Um die Eigentümerschaft zu verschleiern (Gewerkschaft als böser gewinnorientierter Unternehmer - pfui), kann man die Beteiligung wie damals über Briefkastenfirmen halten. Wie es Tengelmann dann wohl in einigen Jahren gehen würde ...