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Entscheidung des Kabinetts Donauauen und Rhön sind die Favoriten beim Nationalpark

In Sachen dritter Nationalpark ist eine Vorentscheidung gefallen: In die engere Auswahl kommen die Rhön und die Donau-Auen. Diese beiden Regionen sollen weiter geprüft werden, die Rhön auch zusammen mit dem benachbarten Hessen, so die Entscheidung des bayerischen Kabinetts.

Von: Nikolaus Neumaier

Stand: 18.07.2017

Landschaft in der Rhön | Bild: picture-alliance/dpa

Die Rhön und die Donau-Auen kommen in die engere Wahl für einen dritten Nationalpark in Bayern, soviel hat das bayerische Kabinett nach einjähriger Diskussion am heutigen Dienstag in München entschieden. Umweltministerin Ulrike Scharf (CSU) kündigte nach der Sitzung einen noch intensiveren Dialog mit diesen beiden Regionen an.

Borkenkäfer und Nutzungsrechte verhindern Frankenwald und Spessart

Laut dem heutigen Kabinettsbeschluss werden der Frankenwald und der Spessart nicht weiter als möglicher Nationalpark verfolgt. Umweltministerin Scharf sagte, der Frankenwald werde als möglicher Nationalpark nicht weiter vertieft untersucht, weil die eng verzahnten Privatwaldflächen dann eine effektive Bekämpfung des Borkenkäfers nicht zuließen. Auch der Spessart kommt als möglicher Nationalpark nicht mehr in Betracht. Angesichts der vielen Holznutzungsrechte wäre ein Nationalpark nur dann möglich, wenn Eigentumsrechte beschnitten würden.

Dritter Nationalpark: Die Anwärter

Weitere Prüfungen folgen

Umweltministerin Scharf sprach von einem offenen Rennen zwischen Rhön und Donauauen, weil beide derzeit noch nicht die Kriterien erfüllen. Ministerpräsident Horst Seehofer zeigte sich aber zuversichtlich, dass bald Klarheit geschaffen werden kann.

"Ich hoffe, dass wir am Ende einen bundesweiten Akzent setzen können."

Ministerpräsident Horst Seehofer

Seehofer warb für die Donauauen, weil es erstmalig in Deutschland wäre, dass ein Fluss und die Auen diese Funktion erhalten würde. Bei der Rhön bestünde das Besondere in dem länderübergreifenden Konzept. Umweltministerin Scharf räumte ein, dass die Donauauen derzeit zu klein sind. Sie will jetzt eine Erweiterung Richtung Kelheim und nach Schwaben prüfen, betonte aber: "Die Wertigkeit dieser Auwälder ist ungeschlagen und ist ganz besonders schützenwert."

Die Reaktionen reichen von Kritik bis Zustimmung

"Dass die Rhön und die Donauauen geprüft werden ist begrüßenswert."

Richard Mergner, Bund Naturschutz

"Letztendlich ist es der Nationalpark des geringsten Widerstands, den wir bekommen."

Florian von Brunn, umweltpolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion

"Hier ging es nicht um den großen Wurf, etwa zum Schutz der wertvollen Buchenbestände in Bayern, sondern letztlich um den Weg des geringsten Widerstands."

Christian Mager, umweltpolitischer Sprecher der Landtags-Grünen

Mit Skepsis reagierte Hubert Aiwanger von den Freien Wählern. Er sagte, er würde nicht auf einen Nationalpark drängen.

Seehofer nennt CSU-Widerstände gegen Nationalpark "betrüblich"

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Ministerpräsident Seehofer hat seine Nationalpark-Initiative verteidigt und Widerstände in den eigenen Reihen beklagt. "Es gibt mehrere Umfragen, wonach 75 bis 85 Prozent der Bevölkerung für einen Nationalpark sind - auch in den Regionen, die für einen Nationalpark infrage kommen", sagte Seehofer der Deutschen Presse-Agentur. "Der Widerstand kommt sehr stark aus der CSU, auch von Abgeordneten, das ist betrüblich." Seehofer beklagte eine teils unsachliche Debatte: "Wenn man so einen Gedanken ins Kabinett einbringt und gebilligt bekommt, dass man prüft unter der Maßgabe: nur im Staatswald und nur mit der Region - und wenn man dann liest, das Ziel seien Enteignungen, dann ist da ganz offensichtlich nicht immer die gebotene Sachlichkeit unterwegs."


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Miez, Donnerstag, 20.Juli, 18:21 Uhr

9. ...des gerigsten Widerstandes

Es wird der Nationalpark des geringsten Widerstandes das sehe ich auch so Hauptsache irgendwas wo Nationalpark draufsteht.Bei den bereits geschützten Flächen wird nochmal eins drübergeschützt und sich selbst überlassen dort entsteht eh kein Gewerbegebiet u.s.w. und die restlichen Flächen werden munter weiter zubetoniert ,noch dazu brauchen die neuen Touristen und der Zuzug ja Attraktionen.Alle möglichen Flächen sind zwecks Entwicklung bereits ausgenommen.Ein Schelm wer tiefer denkt.Prima Feigenblatt
Vielleicht sollte sich das Riedberghorn dafür bewerben oder die angrenzenden Gemeinden des Flugplatzes.

Georg Rüttiger, Mittwoch, 19.Juli, 17:45 Uhr

8. Nationalpark Rhön

Wer keinen Nationalpark in der Rhön will, plant auf den fremden Flächen des Bundes und des Nachbarlandes.

Mindestens einer der beiden betroffenen wird schon Nein sagen.

Schlau gemacht Herr Seehofer und Herr Brunner!

Spessartspecht, Mittwoch, 19.Juli, 11:25 Uhr

7. Nationalpark

Mit dieser Entscheidung hat die Bayerische Staatsregierung ihr Versprechen eingelöst, nicht gegen den Willen der betroffenen Bürger zu handeln. Ein herzliches Dankeschön gilt den politisch Verantwortlichen dafür. Das alte Spessartlied endet mit der Bitte: "Gott schütze die Heimat, die Leute und das Land". Seit gestern füge ich an: " und unsere baxerische Regierung hilft ihm dabei".

  • Antwort von Scharzspecht, Mittwoch, 19.Juli, 21:59 Uhr

    Unsinn.

Jan Hassan, Mittwoch, 19.Juli, 09:08 Uhr

6. Eine kluge Entscheidung

Eine kluge Entscheidung ist es, dass kein Nationalpark in den Spessart kommt. Diese wertvollen Buchen- und Eichenwälder mit ihrer hohen Artenvielfalt sind das Ergebnis jahrhundertelanger forstwirtschaftlicher Pflege und Nutzung. Und genau diese nachhaltige Waldwirtschaft gilt es zu erhalten, um die Kulturlandschaft "Spessart" zu bewahren. Um übrigen ist Deutschland schon heute eine Netto-Importeur von Holz und Holzprodukten. Wer hier in Deutschland forstwirtschaftlich wertvolle Flächen aus der Nutzung nimmt, fördert Holzimporte aus Länder mit weitaus weniger strengen Wald- und Naturschutzgesetzen. Dem Naturschutz und der Umwelt hätte man durch einen Nationalpark im Spessart unterm Strich einen Bärendienst erwiesen.

  • Antwort von Schwarzspecht, Mittwoch, 19.Juli, 21:59 Uhr

    Unsinn.

  • Antwort von Quercus, Donnerstag, 20.Juli, 08:32 Uhr

    Sehr guter Kommentar von "Jan Hassan" der die Thematik zutreffend und überzeugend zusammenfasst. Genau das sind einige der gewichtigen und sachlich fundierten Argumente gegen einen Nationalpark im Spessart über die sich jeder vor Ort oder in der Fachliteratur informieren kann. Das einfach mit "Unsinn" abzutun ist wenig überzeugend.

Speedy Gonzales, Dienstag, 18.Juli, 20:16 Uhr

5. Typisch CSU

Der CSU sind also die "Holznutzungsrechte" von ein paar Hansln wichtiger als der Naturschutz. Sind wohl Parteimitglieder? Wer den Wert der Buchenwälder im Spessart nicht erkennt, muss schon ziemlich blind sein. Die CSU hat mal wieder ihrem Ruf als ignorante Bierdimpfl- und Vetternwirtschafts-Partei alle Ehre gemacht.

  • Antwort von Spessartsoecht , Mittwoch, 19.Juli, 11:44 Uhr

    Die freie Meinungsäußerung ist ein gutes, demeokratisches Grundrecht, jedoch geht sie meiner Meinung nach mit der Pflicht einher, Andersdenkende nicht zu beleidigen. Mit dem abgegebenen Kommentar wurde für meinen Geschmack eine "rote Linie" deutlich überschritten. Es geht keineswegs nur um Holzrechte von "ein paar Hanseln", es geht dem Spessartbewohnern in erster Linie darum, ihre wunderschöne Heimat, die von Generationen geschaffene Kulturlandschaft zu erhalten, sie nicht für eine fragwürdige Geschäftsidee regelrecht zu verkaufen. Der Naturpark Spessart braucht keinen Nationalpark!