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Bayerisches Kabinett Kulmbach bekommt Hochschul-Campus

Die bayerische Staatsregierung gibt grünes Licht für einen neuen Hochschul-Campus im Bereich Lebensmittel am Standort Kulmbach. Außerdem soll die Ärzte-Ausbildung in Oberfranken gestärkt werden.

Von: Christiane Scherm, Claudia Stern und Lorenz Storch

Stand: 21.06.2017

Das ist das Ergebnis der Sitzung des Ministerrats am Dienstag (20.06.17) in der oberfränkischen Stadt. Geplant ist der Ausbau einer bereits bestehenden Außenstelle der Universität Bayreuth am Standort Kulmbach. Mit einem eigenen Campus für den Bereich Lebensmittel und gesunde Ernährung werde der Lebensmittelstandort Kulmbach weiter gestärkt, so das Kabinett.

Es gebe bereits viele Unternehmen in der Lebensmittelbranche und wichtige Forschungseinrichtungen in Kulmbach, mit denen der Campus kooperieren könne. So könnte eine einzigartige Institution mit überregionaler Bedeutung entstehen, sagte Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) in einer Pressekonferenz im Anschluss an die Ministerratssitzung. Mit der Fortentwicklung Kulmbachs zum Universitätsstandort will die bayerische Staatsregierung dem demographischen Wandel entgegentreten und die Region attraktiver für junge Menschen machen.

"Das wird keine Scheinlösung, sondern das muss eine kräftige, starke Einheit werden. Deshalb ist der Begriff Campus durchaus richtig. Das ist irreversibel mit dem heutigen Tag auf den Weg gebracht. Es liegt jetzt an euch hier in der Region, hier etwas zu machen, was deutschlandweit, vielleicht auch international Reputation gewinnt."

Horst Seehofer (CSU), Ministerpräsident Bayern

"Historische Entscheidung"

In Kulmbach war die Freude über diese Zusage des Kabinetts groß. Kulmbachs Oberbürgermeister Henry Schramm (CSU) bezeichnete sie sogar als "historische Entscheidung für die Stadt". Denn für ihn und Landrat Klaus Peter Söllner (Freie Wähler) stellt die fortschreitende Überalterung der Bevölkerung die "Mutter aller Probleme" in Stadt und Landkreis Kulmbach dar.

"Ich stelle mir einen hochmodernen Campus vor, hohe Qualität. Ich stelle mir viele junge Menschen vor, die dort studieren, die unsere Stadt beleben. Das wird ein ganz anderes Leben, ein ganz anderes Flair werden. Wir müssen es jetzt nur auf die Schiene setzen."

Henry Schramm (CSU), Oberbürgermeister Kulmbach

Junge Ärzte für Oberfranken

Eine weitere wichtige Entscheidung für die Region: Die Staatsregierung will die Ausbildung von Ärzten in Oberfranken ermöglichen. Dazu soll die Kooperation zwischen dem Universitätsklinikum Erlangen und dem Klinikum Bayreuth intensiviert werden, sodass die praktische Ausbildung im zweiten Teil des Medizinstudiums in Bayreuth absolviert werden kann. Durch diesen "Medizincampus Oberfranken" will die Staatsregierung die Chancen erhöhen, dass Ärzte nach ihrer Ausbildung auch in Oberfranken bleiben.

"Für mich als Oberfränkin und Gesundheitsministerin ist es sehr wichtig, dass wir in Kooperation mit dem Maximalversorgerkrankenhaus Bayreuth und der Universität Erlangen-Nürnberg Medizinstudierende hier in Oberfranken ausbilden wollen. Das heißt, Physikum, also die ersten Semester in Erlangen, aber dann, wenn es darum geht, in die Praxis zu gehen, am Patienten tätig zu sein, die Ausbildung hier in Oberfranken mit durchführen zu können. Das ist ein ganz toller Erfolg für Oberfranken."

Melanie Huml (CSU), Gesundheitsministerin Bayern

Mit dem Campus werde der Lebensmittelstandort Kulmbach weiter gestärkt, teilt die Bayerische Staatskanzlei mit. Es gebe bereits viele Unternehmen in der Lebensmittelbranche und wichtige Forschungseinrichtungen in Kulmbach.

Geld für Verkehr

Auch der Verkehr in Oberfranken soll stärker berücksichtigt werden. Im Bereich der Bundesautobahnen sind beispielsweise Fahrbahnerneuerungen auf der A70 und Lärmschutzmaßnahmen auf der A73 geplant.  Im Bereich der Staatsstraßen enthalte der Ausbauplan für Oberfranken 27 Maßnahmen mit einem Volumen von 113 Millionen Euro, heißt es in einer Pressemitteilung der Bayerischen Staatskanzlei.

Dank eines "vordringlichen Bedarfs" profitiere Oberfranken auch vom Ausbau des Schienenverkehrs und bei der Elektrifizierung, so die Staatskanzlei. Die Ausbaustrecke Nürnberg-Erfurt soll am 8. Dezember 2018 in Betrieb gehen. Vom ICE-Knoten Bamberg und vom neuen ICE-Halt Coburg aus sind München, Berlin und weite Teile von Ostdeutschland deutlich schneller zu erreichen.

Hilfe für Tourismus

Außerdem wurden Hilfen für zwei Tourismus-Projekte im Landkreis Hof versprochen: Die geplanten Hängebrücken über das Höllental im Frankenwald und die Aufwertung des Kornbergs im Fichtelgebirge für Mountainbikes.

"Es freut mich, dass unsere Gespräche mit dem Wirtschaftsministerium und mit Ministerin Ilse Aigner fruchtbar waren."

Oliver Bär (CSU), Landrat Hof

Landrat Bär kündigte an, zu den geplanten spektakulären Brücken über das Höllental nun verstärkt Gespräche mit den Bürgern vor Ort und mit Naturschützern zu suchen. Das Kabinett hatte den Tourismus in Oberfranken als "bedeutenden Standortfaktor" gewürdigt und Unterstützung für die beiden Projekte signalisiert. So soll das Höllental als "touristisches Highlight im Landkreis Hof" durch zwei Hängebrücken zwischen der Burg Lichtenberg und dem Gemeindegebiet Issigau "noch anziehender werden", heißt es im Kabinettsbericht.

Proteste gegen Nationalpark und Abschiebungen

Vor Beginn der Sitzung hatten gut 50 Demonstranten gegen einen dritten bayerischen Nationalpark im Frankenwald protestiert. Ministerpräsident Seehofer betonte, dass der Standort genauso wie alle Bedenken genau geprüft würden. Gegen den Willen der Bevölkerung werde es keinen Nationalpark geben. Außerdem soll im Fall der Fälle nur Staatswald, nicht Privatwald zu einem Nationalpark umgewandelt werden. Gegenwind bekam die Politik-Prominenz auch von den Jusos. Sie demonstrierten mit Transparenten gegen die Abschiebung von Flüchtlingen nach Afghanistan.

Kabinett in der Region

Der Bayerische Ministerrat führt regelmäßig Kabinettssitzungen in den jeweiligen Regierungsbezirken durch, um laut Staatskanzlei in den Regionen präsent zu sein und um sich speziell mit Themen zu beschäftigen, die die Menschen vor Ort bewegen. Am Dienstag (20.06.17) war das oberfränkische Kulmbach an der Reihe.


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