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Innenministerium hielt Informationen zurück Flüchtling begeht Selbstmord in Gefängnis

In einer Zelle der JVA München-Stadelheim hat ein Abschiebehäftling aus dem Iran Selbstmord begangen. Nach Informationen des Bayerischen Rundfunks kam es bereits vor einem Monat zu der Verzweiflungstat - doch das Innenministerium schwieg dazu.

Von: Oliver Bendixen

Stand: 27.07.2017

Vergitterte Fenster sind am 30.07.2015 in München (Bayern) an einem Gebäude der JVA Stadelheim zu sehen.  | Bild: picture-alliance/dpa

Bei dem Abschiebehäftling handelte es sich um einen 26-jährigen Iraner, der im Frühjahr via Bulgarien nach Deutschland gekommen war. Hier wurde der Mann dann von der Polizei festgenommen und später wegen illegaler Einreise und illegalen Aufenthalts zu zwei Monaten Haft verurteilt.

Nach der Verbüßung der Strafe sollte der Iraner dann per Flugzeug nach Sofia abgeschoben werden. Dabei leistete der junge Mann allerdings passiven Widerstand, worauf die Bundespolizei die Abschiebung abbrach und den Mann in die JVA München-Stadelheim brachte, wo ein Ermittlungsrichter einen Abschiebehaftbefehl gegen ihn erließ.

Flüchtling erhängt sich an eigenen Schnürsenkeln

Am 26. Juni sollte der Mann dann von einer Streife der Münchner Polizei in die JVA Eichstätt gebracht werden. Als die beiden Polizisten in Begleitung eines Justizbeamten die Wartezelle betraten, stellten sie fest, dass sich der Mann mithilfe seiner Schnürsenkel an einem Metallteil aufgehängt hatte. Wiederbelebungsversuche durch Sanitäter und einen Notarzt führten kurzfristig zum Erfolg.

Zwei Tage später musste dann jedoch in einem Münchner Krankenhaus der Tod des Iraners festgestellt werden. Zu diesem Zeitpunkt hatten Angehörige von Reza F. bereits einer Organentnahme zum Zwecke einer Transplantation zugestimmt. Ob es auch dazu gekommen ist, ist unklar.

Tod der Öffentlichkeit verschwiegen

Der Vorfall ereignete sich bereits vor einem Monat, wurde der Öffentlichkeit aber - anders als in solchen Fällen üblich - nicht direkt bekanntgegeben. Lediglich der zur Verschwiegenheit verpflichtete Gefängnisbeirat wurde eingeweiht.

Persönliche Gegenstände nicht weggenommen

Ein Sprecher des bayerischen Justizministeriums teilte auf Anfrage gegenüber dem BR-Fernsehen mit, dass es bei dem Iraner keinerlei Hinweise auf eine Selbstmordgefahr gegeben habe. Wegen der Kürze der Zeit bis zur geplanten Abholung durch die Polizei habe man auch darauf verzichtet, ihm alle persönlichen Gegenstände abzunehmen - etwa seine Schnürsenkel.

Erster Selbstmord im Gewahrsam der bayerischen Justiz seit 2016

Nach Auskunft des Ministeriums ist der Selbstmord des Iraners der erste Suizid eines Abschiebehäftlings im Gewahrsam der bayerischen Justiz seit Beginn des Jahres 2016. In den Haftanstalten des Freistaates werde - so der Sprecher des Ministeriums - großer Wert auf eine professionelle Selbstmordprophylaxe gelegt und versucht, gefährdete Häftlinge individuell zu betreuen , damit es nicht zu Suizid komme.


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alter Flüchtling, Donnerstag, 03.August, 07:13 Uhr

12. die letzte Option!

Warum erwarten wir Transparenz von Behörden? Die deutschen Regierungen pflegen/pflegten die besten Beziehungen zum Fundamentalisten im Iran...Lukrative Geschäfte sind eben viel vorrangiger als ein paar Leben! Wenn die Schönredender des Islam (=iranisches Regime) von unserem Finanzminster als islamkenner titliert werden, und in Islam Konferenzen eingeladen, und diese sogar als deutsche Präsidentschaft Kandiatur avanciert werden , so kann die "informativ klein gehaltene" deutsche Bewölkerung den Iran als einen demokratischen Staat sehen. Ein Blick auf den Portal der Amnesty International kann die Spitze des Eisbergs beleuchten. Dank der westlichen Übereinkunft in Gualelop Konferenz vor 40 Jahren hat man einen sekälaren System zum iranisch islamische "Republik" verwandelt. Ein kleiner Nebeneffekt von diesem Unternehmen ist die Flucht über 5 Millionen Iraner in Ausland. Der zu verabschiebung verteufelte Gefangene in Stadelheim gehört eben zu diesem gesammt Bild. Vieln Dank an BR.

Edith Thorma, Freitag, 28.Juli, 08:37 Uhr

11. Suizid in U-Haft

er hat gegen die Abschiebung in aussichtsloser Situation rebelliert, seine Abschiebung wurde deshalb abgebrochen. Bereits da hätte klar sein müssen er wird sich mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln wehren. Wurde ihm eine Betreuung durch Anwalt oder Psychiatrischen Dienst angeboten. Wurde er überhaupt betreut? Ich schäme mich zutiefst, dass wir den lebenden Menschen abschieben wollten, aber vom Toten die Organe für eine Transplantation von der Familie annehmen würden. Erst wenn sie tot sind, kommt die Erkenntnis es sind M E N S C H E N.6

Hans Holtz, Donnerstag, 27.Juli, 13:13 Uhr

10. Sowas kommt leider immer mal vor.

Man könnte dazu anmerken, dass es ja unter Ansässigen auch viele Selbstmorde gibt, die keine Erwähnung finden. Oder ganz lakonisch resümieren,

(Anm. d. Redaktion: Satz gestrichen. Wir wünschen uns hier respektvolle Diskussionen. Bleiben Sie bitte sachlich. Respektieren Sie andere Meinungen!) Dieser Kommentar wurde von der BR-Redaktion entsprechend unseren
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  • Antwort von GH, Donnerstag, 27.Juli, 13:36 Uhr

    "...Oder ganz lakonisch resümieren, dass damit auf Dauer eine monatliche Summe weniger gebraucht wird aus dem Sozialtopf...."

    Wann gehen Sie dann mit gutem Beispiel voran?

  • Antwort von Leonia, Donnerstag, 27.Juli, 14:27 Uhr

    Ihre Äußerung läuft unter der Überschrift "Menschenverachtend"?

Op Marken, Donnerstag, 27.Juli, 11:45 Uhr

9. thorie

@thorie: 1. Frage: Empörung kann ich nicht erkennen. Aus meiner Sicht werden die Umstände nur sachlich berichtet.
2. Frage: Im Jahr 2011 starben in Deutschland 10.144 Menschen durch Suizid. Die Dunkelziffer ("Unfälle") dürfe erheblich sein.
3. Frage: Nachdenken hilft.

Klaus, Donnerstag, 27.Juli, 11:24 Uhr

8. Organentnahme

Ob es zur Organentnahme gekommen ist, bleibt unklar? Kommt das öfter vor?