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Radioaktives Jod-131 Rätselraten über erhöhte Strahlung in der Luft

Über Europa wurde eine Wolke aus radioaktivem Jod-131 gemessen. Eine Gefahr für die Gesundheit besteht nicht. Doch wo kommt die Strahlung her?

Von: Jeanne Turczynski

Stand: 23.02.2017

Messung der Radioaktivität in der Luft mit Geigerzähler | Bild: pa/dpa

Es klingt wie eine mysteriöse Kriminalgeschichte. Der Verdächtige bewegte sich von Norwegen nach Tschechien, wurde aber auch in Frankreich und Deutschland aufgestöbert. Die Rede ist von künstlichem Jod in der Luft. Genauer: Es geht um Jod-131, ein künstliches Jod-Isotop. Das Bundesamt für Strahlenschutz spricht von "geringer Konzentration Jod-131 in der bodennahen Luft". Es geht um Millionstel Becquerel.

Menge ist unbedenklich

Die in der Luft gemessenen Mengen sind ungefährlich. Viel interessanter ist die Frage: Woher kommt es? Dieses künstliche Jod wird in der Medizin eingesetzt, beispielsweise bei Strahlentherapien. Es entsteht aber auch in Kernkraftwerken, weshalb erhöhte Jod-131-Werte auf einen Vorfall in einem Atomkraftwerk hinweisen könnte. Die jetzt gemessenen Werte lassen einen solchen Schluss allerdings nicht zu.

Unfall in Pharmafirma?

Die Halbwertzeit von acht Tagen ist kurz, das Isotop wird also nicht mehr lange nachzuweisen sein – und es muss erst vor kurzem ausgetreten sein. Daher ist eine weitere These, es könne in einer pharmazeutischen Anlage ein Problem geben, wodurch das Jod-131 nach außen gelangte. Auch hierfür haben die Behörden bisher keine Anhaltspunkte.

Russischer Raketentest?

Da Jod-131 auch bei Nuklearexplosionen entstehen kann, ist eine weitere Hypothese: Kann etwa die Atommacht Russland im Nordpolarmeer einen Sprengsatz gezündet haben? Beweise hierfür konnte bislang aber auch niemand liefern. Die US-Luftwaffe hat inzwischen ein Spezialflugzeug nach Großbritannien geschickt, um Radioaktivität in der Atmosphäre zu messen. Das allerdings wird auch nur weitere Messwerte liefern und keine Ursache erklären können.

2011 ähnliches Phänomen

Es ist nicht das erste Mal, dass leicht erhöhte Jod-131-Werte in der Luft gemessen werden. So wurde 2011 ein ähnlicher Wert über Europa festgestellt. Damals konnte eine Firma in Ungarn als Verursacher festgestellt werden, in der radioaktive Medizinprodukte hergestellt wurden. Auch zu dieser Zeit allerdings waren die gemessenen Werte nicht gesundheitsschädlich.

Prinzipiell gilt: Das Jod 131 lagert sich in der Schilddrüse ab – und wenn die Jod-Werte der Luft deutlich erhöht sind und Menschen dem regelmäßig ausgesetzt sind, dann kann das Jod-131 Krebs auslösen. Das aber lässt sich medizinisch verhindern durch Kaliumjodid-Tabletten. Die verhindern die Aufnahme des schädlichen Jod-131 in den Körper. Diese Pillen müssen zeitnah gegeben werden – im aktuellen Fall besteht dafür aber keine Notwendigkeit.


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Matthias, Donnerstag, 23.Februar, 18:04 Uhr

7. Meldungen in Europa sehr unterschiedlich

jede Nation Spekuliert was den los ist aber die Öffentlichkeit bleibt außen vor.
Die Schätzungen gehen ganz ganz weit auseinander, von einem Atombomentest, einem Reaktorunfall über einen "Unfall in einem pharmazeutischen Institut" bis hin zu einem "natürlichen Phänomen" ist die Rede.
Die Strahlenquelle soll sich nach derzeitigen angaben, in Osteuropa befinden.
Ein Sniffer Flugzeug der Amis ist deshalb auch in der Luft. Mittlerweile revidieren aber die Amis die Aussage, dass das Flugzeug wegen den erhöhten Jod-131 Werte über England ist, es sein eine routinemäßige Übung.
Alles sehr bedenkliche Aussagen, mir wird ganz anders ...

Erich, Donnerstag, 23.Februar, 16:46 Uhr

6. Für die, die die jüngste Vergangenheit bereits vergessen haben.....

Zufälle gibts...

NRW geht in Vorleistung und kauft Jodtabletten
Vorsorge für atomaren Notfall
Neue Empfehlungen der Strahlenschutzkommission
Eigentlich sei der Bund für den Ankauf der Tabletten zuständig. Weil es dort bislang aber keinen Zeitplan für die Anschaffung gebe, habe NRW als bislang einziges Bundesland entschieden, das Medikament auf eigene Kosten zu beschaffen, sagte eine Sprecherin des NRW-Innenministeriums am Dienstag (24.05.2016). Das Medikament soll bei einem atomaren Zwischenfall dafür sorgen, dass sich kein radioaktives Jod in der Schilddrüse einlagern kann.
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Thomas, Donnerstag, 23.Februar, 15:16 Uhr

5. Späte Information

Schön, dass man davon auch mal was erfährt. Die Welt berichtete gestern, dass bereits in der zweiten Januarwoche erhöhte Werte über Skandinavien gemessen wurden. Berichtet hat aber zu dem Zeitpunkt scheinbar niemand darüber. Wie sieht das dann bei bedenklichen Werten aus?

Michi, Donnerstag, 23.Februar, 13:00 Uhr

4.

Was wollen die Amerikaner messen? Deren Glaubwürdigkeit, ohnehin auf dem Niveau von Nordkorea (siehe die Millionen von Besuchern in Washington Mitte Januar), macht doch jede Schlussfolgerung aus Daten, ja sogar deren Glaubwürdigkeit selbst, obsolet!

  • Antwort von Uwe, Donnerstag, 23.Februar, 14:18 Uhr

    Vielleicht wissen die ganz genau, woher das kommt. Also schnell hin und eigene "Ergebnisse" präsentieren, die "beweisen" dass es Moslems waren - oder Mexikaner ;-)

Prinz Eisenherz, Donnerstag, 23.Februar, 12:51 Uhr

3. Die üblichen Verdächtigen

Frau Merkel fragen. Sie hat bestimmt eine Erklätung. Zur Not war es mal wieder Putin!

  • Antwort von Erich, Donnerstag, 23.Februar, 14:16 Uhr

    ...oder die Afd, die ist an Allem schuld, auch wenn die keine Macht hat.