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Mögliche Koalition mit Grünen CSU ist noch kein Freund von Jamaika

Schon in den ersten Tagen der Sondierungen zeigt sich, warum Jamaika für die CSU so schwierig ist. Sie muss mit den Grünen, will aber eigentlich nicht. Eine Gratwanderung.

Von: Achim Wendler

Stand: 21.10.2017

Sondierungsgespräche für Jamaika. Gruppenfoto am Balkon. Vorderei Reihe (von links): Volker Bouffier, Angela Merkel, Peter Altmaier, Katrin Göring-Eckaret und Cem Özdemir. Hintere Reihe (v.l.): Alexander Dobrindt, Horst Seehofer und (von hinten) Thomas Kreuzer | Bild: pa/dpa/Michael Kappeler

Andreas Scheuer startet mit einem Kalauer in die Woche. Der Generalsekretär muss nochmal klarmachen, wie schrecklich das alles ist, was da auf seine CSU zukommt, Jamaika mit den Grünen!

"Das wird nicht geprägt sein von Reggae und Bob Marley und irgendeinem lässigen Style. Sondern es wird ein sehr schweres Stück Arbeit."

Andreas Scheuer, Generalsekretär der CSU

"Anstandsbesuch" bei den Grünen

Danach sieht es aber erstmal gar nicht aus. Jedenfalls steht Horst Seehofer am Dienstagabend strahlend in der Parteizentrale der Grünen. Rechts und links von ihm stehen Cem Özdemir und Katrin Göring-Eckardt und strahlen noch mehr. Reggae und Bob Marley sind zwar wirklich nicht zu sehen. Aber ein lässiger Style schon. Jedenfalls sitzt Seehofers Krawatte ziemlich schief. Es ist ein fröhliches Bild, das so fröhlich wohl gar nicht hätte sein sollen. Später wird der CSU-Chef nüchtern von einem "Anstandsbesuch" sprechen:

"Wir werden ja jetzt viele Wochen und Monate zusammen sitzen. Und da ist es ganz gut, wenn man sich mal persönlich kennenlernt."

Horst Seehofer, CSU-Chef

Die Grünen abtasten, aber nicht abknutschen

Auf diesem schmalen Grat balanciert die CSU Richtung Jamaika. Die Basis in Bayern nicht verwirren, das heißt: Die Grünen abtasten, aber nicht abknutschen - Sondieren, aber nicht charmieren. Und vor allem gilt es, die feinen Unterschiede deutlich zu machen, bei jeder Gelegenheit. Zum Beispiel beim Gruppenfoto. Am Mittwoch trifft die Union auf die FDP. In der Pause treten alle Sondierer fürs Foto auf den Balkon. In der ersten Reihe stehen Angela Merkel, der Liberale Alexander Graf Lambsdorff und die lachenden Christsozialen Seehofer und Thomas Kreuzer. Andreas Scheuer liefert die passenden Worte dazu:

"Ein guter Austausch, vor allem auch ein sympathischer und vom gegenseitigen Respekt und von der Freude geprägt."

Andreas Scheuer, Generalsekretär der CSU

Gruppenfoto mit Grünen

Stunden später redet die Union mit den Grünen. Wieder der Ausflug auf den Balkon, diesmal halten sich die CSU-Politiker aber im Hintergrund, Kreuzer dreht den Fotografen sogar den Rücken zu. Wem das nicht reicht, dem erklärt Scheuer:

"Wahlkampf beendet, Treffen wichtig, Atmosphäre okay."

Andreas Scheuer

Andere formulieren die Vorbehalte deutlicher. Jamaika sei nicht alternativlos, sagt im Zeitungs-Interview Stefan Müller, der neue parlamentarische Geschäftsführer der CSU-Landesgruppe. Tatsächlich gäbe es als Alternative zwar die SPD. Die aber will nicht regieren. Und es gäbe Neuwahlen. Die aber will keiner. Darum klingt das mit den Alternativen leichter, als es ist.

Rücktritt von Tillich kommt CSU ungelegen

Die Sache mit den Grünen ist aber nicht das einzige Problem der CSU. Mitten in die Sondierungsgespräche platzt eine Nachricht aus Sachsen: Ministerpräsident Tillich zieht sich zurück. Seehofer sagt, er verliere einen Mitstreiter.

"Der Freistaat Sachsen war unser stärkster Wettbewerber. Was die Industriepolitik angeht, was die Finanzen angeht, im Bildungssystem vor allem waren die auf Augenhöhe mit den Bayern!"

Horst Seehofer

Und halt auch in der Kritik an Angela Merkel. Tillich bemängelte die Flüchtlingspolitik der Kanzlerin ebenso wie Seehofer, er zog aus der Bundestagswahl den gleichen Schluss zog wie Seehofer und forderte eine Kurskorrektur der Union nach rechts. Insofern schwächt sein Rückzug nun womöglich das konservative Lager der Union.

Söder vorsichtshalber ausgebootet

Seehofer tut derweil alles, um selber nicht weiter geschwächt zu werden. Wer denkt, der CSU-Chef habe diese Woche jeden aus München mitgenommen, der sich auskennt mit Koalitionsverhandlungen, der irrt. Markus Söder hatte 2005 als CSU-Generalsekretär den Vertrag der großen Koalition mit verhandelt. In Berlin war Söder diese Woche nicht zu sehen.


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Anti-AfD Wahn kann krank machen, Samstag, 21.Oktober, 22:16 Uhr

15. CSU wird aus reinem Machtstreben mitmachen..

Und damit wird sie endgültig aufgerieben, und ihre wie auch immer definierbare Bayern-Identität einbüßen.
Bei den nächsten LT'swahlen wird sie dann wohl verheerend abschneiden können.
(...) Im Grunde geht es heute viel weniger als früher um so Gegensätze (...) Globalisierung mit ihren vielen Schattenseiten (...) oder mehr nationale, eigenstaatliche Korrektive. Dieser Kommentar wurde von der BR-Redaktion entsprechend unseren
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Hans Holtz, Samstag, 21.Oktober, 21:55 Uhr

14. Was soll da Gutes heraus kommen?

Wir auch nicht! Denn die Grünen kriegen die wenigsten Stimmen, regieren damit aber mit. Wo ist da denn die Gerechtigkeit? Wir Bürger entscheiden uns gegen sie, aber die Grünen bekommen trotzdem ein Mitspracherecht. Absurdistan live!

thorie, Samstag, 21.Oktober, 18:15 Uhr

13. CSU ist NOCH kein Freund von Jamaika

wenn die merken, dass einschwenken der einzige weg zum machterhalt für die bayr. regionalpartei ist, unterschreiben die alles !

  • Antwort von Truderinger, Samstag, 21.Oktober, 18:41 Uhr

    Wir CSU-Wähler wollen eine Machtbeteiligung!:-) Dieser Kommentar wurde von der BR-Redaktion entsprechend unseren
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Barbara, Samstag, 21.Oktober, 17:00 Uhr

12. Deutschland ohne Regierung?

Egal, wie die "Jamaika-Verhandlungen" ausgehen, es kommt - wenn überhaupt, nur eine "Zwangs-Ehe" dabei heraus!

  • Antwort von Truderinger, Samstag, 21.Oktober, 18:13 Uhr

    Das ist immer so bei Koalitionen! Glauben Sie, es gibt eine Partei, die nicht lieber allein regieren würde? Ok, außer der AfD. Dieser Kommentar wurde von der BR-Redaktion entsprechend unseren
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  • Antwort von Truderinger, Samstag, 21.Oktober, 18:24 Uhr

    @Redaktion: Wenn mein Kommentar derart verkürzt wird, wird leider auch der Sinn verzerrt. Ich wollte nicht ausdrücken, dass die AfD alleine regieren will, sondern dass sie überhaupt keine politische Verantwortung übernehmen will. Das ist ein fundamantaler Unterschied!

  • Antwort von Renate E., Samstag, 21.Oktober, 21:59 Uhr

    Was wir hoffen - eine mühselige Zwangsehe! Denn wir Bürger wollen die Grünen nicht, die kriegen wenige Stimmen, regieren aber bald mit. Wenn es nicht so bitter machen würde, könnte man darüber schmunzeln...

Barbara, Samstag, 21.Oktober, 14:02 Uhr

11. Diejenigen Leute, die vom Wähler abgewählt wurden, haben anscheinend immer

noch nicht begriffen, daß sie gehen sollen.

  • Antwort von Truderinger, Samstag, 21.Oktober, 17:52 Uhr

    Wer wurde denn abgewählt? Und wer stattdessen gewählt? Dieser Kommentar wurde von der BR-Redaktion entsprechend unseren
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