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Lobby der Jäger Der Einfluss des Jagdverbandes auf die Politik

Loden, Flinten und Trophäen - Klischees über die Jagd gibt es zuhauf. Fakt ist: Der Bayerische Jagdverband, der die Interessen von knapp 50.000 Grünröcken vertritt, ist ein sehr gut aufgestellter Lobby-Verband.

Von: Arne Wilsdorff

Stand: 09.09.2017

Jäger mit Jagdgewehr auf dem Hochsitz | Bild: dpa/picture-alliance/JOKER/Petra Steuer

"Es geht bei Weitem nicht nur um die Jagd von Wildtieren. Sondern der Jagdverband ist auch ein anerkannter Naturschutzverband, der sich nachweislich mit eigenen Projekten immer wieder auch für die Vielfalt unserer Arten einsetzt. Und deswegen hat er durchaus auch in der Gesellschaft eine hohe Anerkennung."

Bayerns Forstminister Helmut Brunner

Bayerns Forstminister Helmut Brunner (CSU)

So respektvoll spricht der zuständige bayerische Forstminister Helmut Brunner über die Jäger. Oft genug muss er aber zwischen ihnen und etwa dem Bund Naturschutz vermitteln. Denn in Bayern gilt das Motto: "Wald vor Wild". Das heißt: Die Naturverjüngung des Waldes durch aussamende Bäume muss ohne Zäune gelingen. Dafür müssten aber immer genügend Rehe und Hirsche geschossen werden, damit diese die jungen Baumtriebe nicht fressen. Der Streit darüber ist ein Dauerbrenner. BUND-Chef Hubert Weiger respektiert den Jagdverband dabei als mächtigen Gegner, macht jedoch deutlich:

"...dass wir aber zentrale Gemeinwohlinteressen vertreten im Gegensatz zum Landesjagdverband. Der vertritt partikulare Interessen. Und er hat vor allem Einfluss auf die Politik, aufgrund der Tatsache, dass Politiker selbst auf die Jagd gehen oder Vertreter der Wirtschaft Jäger sind oder führende Vertreter der Gesellschaft."

BUND-Chef Hubert Weiger

Der Jagdexperte der Landtagsgrünen, Markus Ganserer, wird noch deutlicher.

"Wenn man sich nur mal so den Jahresempfang anschaut. Da marschiert die CSU-Fraktion fast in Fraktionsstärke auf, wäre dort wahrscheinlich sogar beschlussfähig. Und diese enge Verquickung mit der Politik und vor allem mit der regierenden Partei, denke ich, macht den Einfluss des Jagdverbandes in Bayern aus."

Markus Ganserer, Grüne

Gut besuchter Jahresempfang

Bayerns Jagdpräsident Jürgen Vocke, der als gelernter Finanzrichter selbst zehn Jahre lang für die CSU im Bayerischen Landtag saß, freut sich diebisch über seinen immer größer gewordenen Jahresempfang im Münchner Jagdmuseum.

"Und jetzt haben wir doch jedes Jahr im Schnitt ungefähr 1500 Besucher. Alle im Bayerischen Landtag und im Bundestag vertretenen Parteien kommen regelmäßig. Dass die halbe Staatsregierung kommt, gut, das kommt nicht ganz von ungefähr, weil ich auch lange selbst in der Politik war, und das ist natürlich auch der Sinn unseres Jahresempfangs."

Bayerns Jagdpräsident Jürgen Vocke

Das erkennt auch Forst- und Landwirtschaftsminister Helmut Brunner an.

"Das macht aber auch deutlich, dass der Jagdverband gut organisiert ist und selbstverständlich auch versucht, seinen Einfluss in der Gesellschaft zu stärken. Und der Präsident weist ja immer zu Recht darauf hin: Die Jagd ist auch ein Kulturgut in Bayern. Wenn man die Geschichte verfolgt und weiß, welche Bedeutung die Jagd auch in früheren Jahrzehnten und Jahrhunderten hatte, dann kann man sich da schon hineindenken."

Bayerns Forstminister Helmut Brunner

Perfektioniertes PR-Instrument

Um bei möglichst vielen Abgeordneten aus Land und Bund für die Interessen der Jäger zu werben, hat Präsident Vocke noch ein anderes PR-Instrument perfektioniert: Den Jagdschein für alle frischgewählten Abgeordneten. Denn manche könnten ja...

"...Hase und Kaninchen nicht voneinander unterscheiden, oder einen Hirsch vom Reh. Wir redeten oft, wenn es um Jagd-Gesetzdinge ging, aneinander vorbei. Wir sind das einzige Bundesland, das Abgeordnete systematisch ausbildet. Ich sehe darin auch eine Sicherung, die wir in Bayern aufgebaut haben. Ein gutes Drittel der CSU-Fraktion hat den Jagdschein bis in die Staatsregierung hinein. Es geht nicht darum, dass wir hier uns als die Wichtigsten ansehen, aber dass sie wissen, worüber sie sprechen."

Bayerns Jagdpräsident Jürgen Vocke

Grünen-Jagdexperte Markus Ganserer

Für Markus Ganserer von den Grünen führt das aber genau dazu, dass das Jagdgesetz von 1936 nicht reformiert wird und in der Hälfte der bayerischen Wälder immer noch zu wenig Rehe geschossen werden, damit junge Bäume auch ohne Schutzmaßnahmen wachsen können.

"Das wird leider eben nicht konsequent durchgesetzt. Man scheut sich hier, den Konflikt mit dem Jagdverband auch einmal offen auszufechten."

Markus Ganserer, Grüne

Denn der Jagdverband vor Ort sei im Zweifel fast immer für mehr Rehe pro Hektar Wald und damit für Geweihtrophäen und mehr Wildfleisch. Selbst die Untere Jagdbehörde an den Landratsämtern unterlasse es deshalb oft, sich etwa Belege für angeblich geschossenes Wild zeigen zu lassen oder eigentlich nötige Zwangsabschüsse anzuordnen, so Ganserer. Waldminister Brunner, der von den Umweltschützern regelmäßig für sein konsequentes Eintreten für die Naturverjüngung gelobt wird, gibt sich im Ton konziliant.

"Es geht nicht darum, dass wir einen wildfreien Waldbestand haben. Sondern wir brauchen halt einen angemessenen Wildbestand. Und da bitte ich die Jäger, das auch entsprechend zu verstehen und zu interpretieren. Das ist keine Missachtung ihrer eigenen Interessen."

Bayerns Forstminister Helmut Brunner

Große Macht des Präsidenten

Der Präsident des bayerischen Jagdverbandes, Jürgen Vocke

Jägerpräsident Vocke hat seine Macht in den letzten fünf bis sechs Jahren sogar noch ausgeweitet. Auf die Gefahr, dass ihm der kleine Ökologische Jagdverband sein Vertretungs-Monopol streitig machen könnte, gründete er die sogenannte Bürgerallianz, für die er als Sprecher auftritt. Mit dabei sind 23 Verbände, von den Sportschützen bis zu den Trachtlern. Denn:

"Wenn du Einfluss haben willst, brauchst du eine stärkere Mannschaft im Kreuz. Und jetzt haben wir rund 2,2 Millionen bayerische Bürgerinnen und Bürger. Das ist ein Drittel der bayerischen Wählerschaft und ich kenne keine andere Organisation bundesweit, die eine derartige Organisationsdichte hat, wie wir sie haben."

Bayerns Jagdpräsident Jürgen Vocke

Der Ökologische Jagdverband will aber weiterhin eine staatlich "anerkannte Vereinigung der Jäger" werden und hat deshalb eine Popularklage vor dem Bayerischen Verwaltungsgerichtshof angestrengt. Denn bis jetzt gehört dieses Privileg allein dem Bayerischen Jagdverband, der die dafür nötigen 50 plus X Prozent der Jäger vertritt. Für CSU und Freie Wähler soll das so bleiben - zuletzt im Mai stimmten sie im Landtag gegen mehr Rechte für den Ökologischen Jagdverband.


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Waldler, Samstag, 16.September, 17:58 Uhr

28. Es geht um die Zukunft unseres Waldes!!!

Ich bin Förster und muss mich jeden Tag ärgern über den zu hohen Verbiss, muss jeden Tag Waldbesitzern raten, einen Zaun um ihre jungen Bäumchen zu bauen. Nicht nur, dass das viel Geld kostet. Vor allem heißt dass, dass die Verjüngung des Waldes auf diese Zaunflächen begrenzt bleibt. Außerhalb wachsen - wenn überhaupt - nur Kiefern, Fichten und Faulbaum. Daraus wird kein Wald wie er auch von der Politik gefordert wird: gemischt und fit für den Klimawandel. Die meisten Waldbesitzer ärgert das sehr. Aber um des lieben Friedens willen legen sie sich nicht mit dem Jagdpächter an, sondern bauen entweder einen Zaun oder schieben die Verjüngung ihres Waldes halt vor sich her. Im Bergwald sind die Probleme noch krasser. Das ist fatal für die Zukunft unseres Waldes! Erkannt haben das Problem schon einige Politiker. Aber es wird entweder verharmlost oder man scheut sich vor dem Konflikt mit dem starken BJV. Man müsste bei der Ausbildung ansetzen: BJV-Ideologie raus, Fakten rein! Verstaatlichen!!

Jennerwein, Sonntag, 10.September, 09:35 Uhr

27. Jagdverband, Bauernverband, BAYWA

Es wird nie mehr gelogen
als vor der Wahl
und nach der Jagd

Da hier in Personalunion stets die gleichen Figuren auftreten, darf man sich darüber nicht wundern.

Antonietta, Sonntag, 10.September, 08:47 Uhr

26. gegen die Jagd !

Für die Jagd gibt es keinen vernünftigen Grund. Dies belegen zahlreiche wissenschaftliche Studien. Weil Jäger ihrer Lust am Töten und dem Trophäenkult dennoch nachgehen wollen, tischen sie uns seit Jahrzehnten allerhand „Jägerlatein“ auf.

albert0, Samstag, 09.September, 22:58 Uhr

25. Jäger und Ge-Bejagte (Demokratie und Lobbys)

Diese Spezies mit ihren Weltbild braucht in der heutigen Zeit keiner mehr es sind Relikte aus vergangener Zeit. Jäger und Sammler werden sie in den Geschichtsbüchern auch genannt. Früher legitim, heute ein überholtes Genre. Männerkomplexe in Verbindung mit Machtanspruch und Hang zur Selbstdarstellung. Nach Aussage von Herrn Vocke 2,2 Mio. Mitstreiter bzw. Lobbyisten in Bayern, ich stelle also fest immer noch eine kleine Minderheit. Die Mehrheit ist schweigend und Minderheiten sollten sie sich auch entsprechend benehmen.

Oliver M., Samstag, 09.September, 20:30 Uhr

24.

Welche Lobby hat keinen Einfluss auf die Politik? Und ganz ehrlich, Politik machen bei einigen Themen primär die Lobbyisten und erst zweitrangig die Politiker. Wäre es anders, hätten wir in Deutschland bspw. längst ein Tempolimit auf Autobahnen oder würden im Gesundsheitswesen auch aktiver alternative Ansätze verfolgt. Die gibt es nämlich durchaus, nur eben mit weniger Gewinnaussichten - damit uninteressant. Oder Kernenergie: ziemlicher Schwachsinn, eine Energiequelle zu favorisieren, die im Störfall über Jahrhunderte die Lebensgrundlage entzieht - und das mit dem Wissen, dass keine Technik zu 100 % sicher ist!
Die Lobbyisten sind es, welche die sachliche Auseinandersetzung mit Themen aus Eigennutz odrtmals verhindern oder einseitig verzerren.