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Nach EU-Recht Jagdgegner sperren Jäger aus

Wer in Deutschland Land besitzt, muss dulden, dass auf diesem Land Jäger unterwegs sind, wenn es sich nicht gerade um einen Garten handelt. Besitzer müssen auch dulden, dass auf ihren Grundstücken zur Jagdzeit Wild geschossen wird. Doch 2012 hat der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte die Gegner der Jagd gestärkt. Seitdem ist es möglich, dass das eigene Grundstück jagdfrei bleibt.

Von: Harald Mitterer

Stand: 22.10.2016

Ein rund viereinhalb Hektar großes Wald- und Wiesengrundstück bei Tann im niederbayerischen Landkreis Rottal Inn. Der letzte Schuss ist gefallen. Es hat sich ausgejagt auf dem Grundstück von Tierarzt  Peter Zimmer. Er hat seine Wald und Wiesen befrieden lassen, wie es im Amtsdeutsch heißt. Hier darf niemand mehr jagen:

"Es ist eine grundsätzliche Lebenseinstellungssache. Wir leben vegan, und das würde gegen unsere Ansichten gehen. Das Hauptargument ist, dass jedes Tier ein Recht hat, da zu sein. Und wenn dann gejagt wird, haben die Tiere Angst, werden verscheucht. Und andere Tiere werden von den Jägern ja genauso geschossen. Und das wollen wir auf unserem Grund nicht haben."

Peter Zimmer, Tierschützer

Erst seit einer erfolgreichen Musterklage vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte ist es seit 2012 überhaupt möglich, die eigenen Grundstücke in Deutschland jagdfrei zu machen. Seitdem können Grundbesitzer wie Peter Zimmer beim Landratsamt beantragen, ihre Flächen zu befrieden.

Ausführliche Begründung notwendig

Das heißt, dort darf dann nicht mehr gejagt werden. Allerdings muss der Antrag beim Landratsamt ausführlich begründet werden, erklärt Axel Kuttner, Jäger und Vorsitzender des Kreisjagdverbandes Eggenfelden im Landkreis Rottal-Inn:

"Das ist nicht ganz einfach. Der Grundstückseigentümer stellt einen Antag, und der wird dann begutachtet. Erst einmal muss er seine ethischen Gründe darlegen, dann wird die Jägerschaft befragt. Dann wird entschieden, ob das Hand und Fuß hat oder nicht. Das kann durchaus abgelehnt oder eingeschränkt werden."

Axel Kuttner, Kreisjagdverband Eggenfelden

Jäger transpotieren geschossenes Wild ab

Am Ende denn entscheidet die Jagdbehörde am Landratsamt. Und das aufwändige Verfahren  ist nicht ganz billig. Der Tierschutz Aktivist Peter Zimmer soll dafür 1.200 Euro zahlen. Und dagegen will er jetzt klagen:

"Das ist eigentlich nicht zu fassen, dass dafür Gebühren entstehen. Das ist doch ein Menschenrecht, dass wir auf unserem Grund und Boden bestimmen, was passiert."

Peter Zimmer, Tierschützer

Jagdgegner 2015 in Hessen

Trotz der Hürden ist Peter Zimmer mit seinem Antrag, die so genannte Zwangsbejagung aufzuheben, nicht allein. Und der Jagdgegner ist überzeugt, dass in Zukunft immer mehr Grundstücksbesitzer solche Anträge bei der Jagdbehörde stellen werden:

"Ich denke, das ist schon ein Thema, das immer mehr im Kommen ist. Weil die neue Rechtslage besteht. Das werden sicherlich mehr Leute machen. Auch wenn die Hürde so hoch ist. Aber ich denke, auch diese Hürde muss fallen."

Peter Zimmer, Tierschützer

Was tun gegen Wildverbiss im Wald?

Rund 20 Anträge, sagt Axel Kuttner vom Kreisjagdverband Eggenfelden, sind im Landkreis  Rottal-Inn bisher gestellt worden. Hauptsächlich von eher kleineren Grundstücksbesitzern:

"Man muss immer Verständnis für beide Seiten haben. Es gibt Menschen, die das nicht tolerieren, die die Jagd selber nicht mögen. Das wäre eine Grundsatzdiskussion. Aber ich bin der Meinung, man muss sie haben. Man muss Wald und Wild in Einklang bringen."

Axel Kuttner, Kreisjagdverband Eggenfelden

Anders sieht das der aktive Tierschützer Zimmer. Der Wildverbiss in unseren Wäldern ist seiner Ansicht nach eher hausgemacht.

"Weil massenweise Monokultur angebaut wird, statt diverser Kulturen, wo verschiedene Pflanzen verschiedener Altersgruppen durchkommen"

Peter Zimmer, Tierschützer

Der ewige Streit um Wald und Wild in Bayern, er könnte mit der Initiative gegen die Zwangsbejagung in ein neue Runde gehen.


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Manfred, Samstag, 22.Oktober, 12:11 Uhr

1.

Warum nur ethische Gründe?
Die Jagd ist manchmal höchst gefährlich für Mensch und Tier. - Es sind nämlich nur Gärten ausgenommen, aber nicht Tierweiden. Und wenn die Kugel einen Meter nebem dem Garten vorbeipfeift, ist das auch nicht ganz ohne.