0

Dschihad auf dem Handy Wie Islamisten Jugendliche ködern

Islamisten treten immer öfter in Kontakt mit Jugendlichen, indem sie soziale Netzwerke nutzen. Gefährlich wird es, wenn der direkte Kontakt besteht - beispielsweise über verschlüsselte Messenger. Die Bundeszentrale für politische Bildung fordert Präventionsmaßnahmen.

Von: Birgit Schmeitzner

Stand: 28.11.2016

So gut wie jeder Jugendliche heutzutage ist online, hat ein Handy und hütet es vor dem Zugriff von Eltern oder Lehrern. Erst einmal nicht besorgniserregend, wenn da nicht im Netz große Gefahren lauern würden - sagt Michael Kiefer, der ein Präventionsprojekt gegen Neosalafismus und Extremismus an Schulen leitet:

"Jeder, der Kinder hat, weiß ja, dass das Handy etwas sehr Heiliges ist, da kann man nicht einfach so reinschauen. Aber tatsächlich ist hier eine Gefahr entstanden, die man als sehr groß bewerten muss."

Michael Kiefer

Alles fängt harmlos an – etwa mit Facebook. Das soziale Netzwerk kann ein Einstiegsmedium sein, in dem laut Stefan Glaser, stellvertretender Leiter von jugendschutz.net, die Jugendlichen auf Seiten stoßen, die von Inhalt und Formensprache her speziell für sie konzipiert wurden. Links lotsen sie dann weiter zu anderen Gruppen und Anbietern, mit jedem Schritt werden dabei die Botschaften drastischer, die Bilder härter.

Verschlüsselt über Telegram-Messenger kommunizieren

Mit Sorge beobachtet Glaser, dass dabei der Messenger-Dienst Telegram, über den man kostenlos und verschlüsselt kommunizieren kann, immer wichtiger wird. Dem Jugendschützer zufolge geht der Betreiber (anders als Facebook, Twitter und Youtube) kaum gegen gewaltverherrlichende Inhalte vor. Glaser mahnt, Telegram dürfe nicht zu einer sicheren Plattform für Dschihadisten werden, um Jugendliche zu ködern und zum bewaffneten Kampf aufzufordern.

Radikalisierung durch Prävention stoppen

Sind Jugendliche erst einmal radikalisiert, kommt man kaum mehr an sie heran – man muss also früher ansetzen. Es gibt Modellprojekte, die in Schulen wegdriftende Jugendliche ansprechen und versuchen, deren Radikalisierung aufzuhalten. Der Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung, Thomas Krüger, hält es für unbedingt notwendig, dass in den Schulen wieder mehr politische Bildung, Kritikfähigkeit, Selbstreflexion gelehrt wird.

"Ziel dieses Prozess ist, wenn man so will, die Kinder und Jugendliche vorzubereiten oder fast 'zuzurichten' für den Arbeitsmarkt, da sollen sie funktionieren. Aber diese politische Dimension, Kritikfähigkeit, Reflexion, die in den anderen Fächern eine Rolle spielt, ist im Kontext des PISA-Prozesses in den Hintergrund getreten."

Thomas Krüger

Krüger zufolge muss man Lehrer sensibilisieren und ein Netz von Schuleinrichtungen, Jugendhilfen, Gemeinden knüpfen. Die Bundeszentrale setzt unter anderem auch auf Youtube-Clips, in denen eine bekannte Bloggerin Begriffe des Islams erklärt.

Weiterführende Links


0