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IS-Kämpfer in Köln Polizei: Flüchtling plante Sprengstoffanschlag

Zuerst Würzburg, dann Ansbach: Im Juli verübten zwei radikalisierte Flüchtlinge Anschläge in Bayern. In Köln hat die Polizei das Schlimmste verhindert: Ein 16-jähriger Syrer hat wohl einen Sprengstoffanschlag geplant.

Von: Joseph Röhmel

Stand: 21.09.2016

Ein Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes bewacht am 21.09.2016 in Köln Porz (Nordrhein-Westfalen) den Zugang zu einer als Flüchtlingsunterkunft genutzten Turnhalle. Hier wurde am 20.09.2016 ein 16-Jähriger Syrer festgenommen. | Bild: picture-alliance/dpa

Wie schon bei den Anschlägen in Würzburg und Ansbach soll sich der 16-Jährige mit einer Person im Ausland über das Internet ausgetauscht haben. Die Auswertung seines Handys belege Kontakte zu einer Person mit IS-Bezügen, die den jungen Syrer für islamistische Aktivitäten gewinnen wollte, sagte Klaus Stephan Becker von der Kölner Polizei. Von diesem Chatpartner im Ausland habe er "ganz konkrete Anweisungen" zum Bau einer Bombe erhalten.

Der 16-Jährige habe sich in kurzer Zeit radikalisiert. Zur islamistischen Szene in Deutschland hatte er aber nach derzeitigen Erkenntnissen keinen Kontakt. Der entscheidende Hinweis kam aus Kreisen der Ditib-Moschee im Kölner Stadtteil Porz.

Polizei: "Eine ernstzunehmende Gefahr"

Laut Becker plante der syrische Kriegsflüchtling einen Sprengstoffanschlag. Der 16-Jährige habe in Chats seine "unmissverständliche Bereitschaft" geäußert, eine solche Attacke zu begehen. Hinweise darauf, dass er sich bereits mit Materialien für den Bau eines solchen Sprengsatzes versorgt habe, gebe es dagegen nicht, sagte der Kölner Polizeipräsident Jürgen Mathies. Ein konkretes Anschlagsziel sei nicht bekannt.

Der junge Mann war am Dienstag in einer Kölner Turnhalle festgenommen worden, die als Notaufnahme-Einrichtung für Flüchtlinge genutzt wird. In dem Gedränge, das durch den plötzlichen SEK-Einsatz entstand, wurden drei Flüchtlinge leicht verletzt. Von dem 16-Jährigen ging nach Einschätzung der Polizei "eine ernstzunehmende Gefahr" aus. Der Junge war Anfang dieses Jahres mit seinen Eltern und seiner jüngeren Schwester nach Deutschland gekommen. Die Familie stammt aus Damaskus.

WDR spricht mit Vater des Jungen

Der Vater des Jungen hatte die Vorwürfe unmittelbar nach der Festnahme zurückgewiesen. Er berichtete dem WDR, dass sein Sohn in einer anderen Kölner Unterkunft erstmals gebetet habe.

"Da waren Syrer und Iraker, die haben regelmäßig gemeinsam gebetet. Und sie wollten, dass mein Sohn mitmacht. Sie haben aber nicht nur gebetet. Sie haben auch Islam-Unterricht gegeben."

Vater des Jungen im WDR

Später sei sein Sohn per Internet von Leuten kontaktiert worden, die ihn überreden wollten, nach Syrien zurückzukehren oder nach Palästina zu reisen. Sein Sohn sei nicht gefährlich, er habe nur Scherze im Zusammenhang mit dem Islamismus gemacht, sagte sein Vater.

Bundesländer unzufrieden mit dem BAMF

Die deutschen Behörden sind wegen der Einreise mutmaßlicher Extremisten schon länger in Alarmbereitschaft. Erst in der vergangenen Woche wurden in Schleswig-Holstein drei Syrer verhaftet, die IS-Mitglieder sein sollen. Einer von ihnen soll im Umgang mit Waffen und Sprengstoff ausgebildet worden sein. Experten haben erklärt, die Anschlagsgefahr im Westen steige, je mehr der IS in seinem Kerngebiet in Syrien und Irak unter Druck gerät.

Möglicherweise gelangen potentielle Terroristen mit gefälschten Pässen nach Deutschland. Mehrere Bundesländer werfen deshalb dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) vor, Fälschungen von Asylbewerbern nicht erkannt zu haben. Das Bundesamt betont dagegen, ihm lägen keine konkreten Hinweise aus den Ländern vor, dass vom BAMF akzeptierte Pässe dort beanstandet worden seien.

Nach Angaben mehrerer Bundesländer bleiben dennoch viele Fälschungen unentdeckt. Nach rbb-Recherchen stellten bayerische Fahnder allein in Garmisch-Partenkirchen bei einer Stichprobe 19 gefälschte Pässe sicher. In Mecklenburg-Vorpommern überprüfe man derzeit rund 3.300 Pässe, unter denen sich 140 gefälschte syrische Pässe fanden. Vier davon habe das BAMF vorher mit Gutachten für echt erklärt. Drei der gefälschten Identitäten würden dem Umfeld des IS zugeordnet.

Als Konsequenz will die Brandenburger Generalstaatsanwaltschaft beim BAMF die Datensätze von rund 18.000 Flüchtlingen beschlagnahmen lassen. Die Behörde verweigert die Herausgabe der Daten.

Indes will Bundesinnenminister Thomas de Maizière offenbar Konsequenzen ziehen. Er habe eine umfassende Überprüfung der bestehenden Regelungen und Verfahren angeordnet, teilte ein Ministeriumssprecher mit.  

  • Autorenprofil Joseph Röhmel | Bild: BR/Lisa Hinder Joseph Röhmel

    Joseph Röhmel ist Reporter und Autor in den Redaktionen BR24 und Bayern. Schwerpunkt: Radikale Interpretationen des Islam in Bayern.


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bayer, Donnerstag, 22.September, 09:28 Uhr

30. gefälschte Pässe

es zeigt sich das alle überfordert sind. Wie soll ein Amt, in dem bisher nur die Kaffeemaschinen gearbeitet haben, plötzlich die Flut bewerkstelligen können.
Das Tor hat Frau Merkel aufgemacht. Ich glaube nicht, das es ohne drastische Gegenmaßnahmen möglich ist, diese Zerstörung unseres Landes zu stoppen.
Solange die AFD nur Parolen raushaut und es sich in den Landesparlamenten bequem macht passiert nichts. Es müssen die zwei großen Parteien endlich mal
das Zepter in die Hand nehmen und handeln. Wer eine andere Flüchtlingspolitik will, soll das bei der nächsten Wahl kundtun. Eine Stimme für Grüne und Linke
bedeutet den Untergang Deutschland.

Beobachter , Donnerstag, 22.September, 07:45 Uhr

29. Unschärfen

Mich wundert der von allen Medien gleichermaßen praktizierte unscharfe Gebrauch von Begriffen.

Ein "Flüchtling" ist erst dann ein Flüchtling, wenn diese Eigenschaft von Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) amtlich festgestellt worden ist. Nach der derzeitigen "Schutzquote" werden rund 40% der Asylanträge abgelehnt, diese Menschen sind also offensichtlich eben keine "Flüchtlinge". Indem man ihnen diese Eigenschaft aber von vorneherein und ungeprüft unterstellt, wird schon eine Art "Vorausanerkennung" ausgesprochen, für die es m.E. keine Basis gibt.
BBC News verwendet den Begriff "migrants". Wäre der nicht viel zutreffender?

Ein anderer unscharfer Begriff ist der vom "IS-Kämpfer". Ein "IS-Kämpfer" ist für mich ohne jeden Zweifel ein Terrorist. Terrorismus ist ohne jeden Zweifel negativ. "Kampf" jedoch kann positiv oder negativ sein. Man denke z.B. an den Kampf gegen die Armut. Warum belegt man einen Terroristen mit einem Begriff, der auch positiv sein kann?

  • Antwort von ecc, Donnerstag, 22.September, 08:06 Uhr

    Ähnlich unscharf wird mit dem Begriff Integration umgegangen. Wann sind Ausländer eigentlich integriert? Kann man überhaupt einen Fremden integrieren oder muss er sich selbst integrieren? Sind Ausländer überhaupt bereit, ihre Identität aufzugeben?

  • Antwort von Anton H., Donnerstag, 22.September, 08:09 Uhr

    Hallo Beobachter,

    wenn du wissen willst wie die rotgrüne Szene bei solchen Themen wirklich tickt, empfehle ich dir die ARD-Doku "München 1970" von Georg M.Hafner anzuschauen.

    Da geht es unter anderem um den Mord an Hafners Onkel, dem ehem. BR-Reporter Rudolf Crisolli. Der bei einem Flugzeugabsturz ermordet wurde.

    Hafner ist dabei vorsichtig mit seinen Schlüssen aber es reicht allemale um zu erkennen was das für Leute sind.

Rudolf, Mittwoch, 21.September, 23:56 Uhr

28. Macht weiter mit der Willkommenskultur ohne Obergrenze.

Macht weiter mit der Willkommenskultur ohne Obergrenze.
Die Deutschen werden vermutlich ähnlich verschwinden wie die amerikanischen Indianer. Die Integration bleibt das wichtigste Thema. Die Deutschen werden sich an die neuen Siedler anpassen müssen, sich integrieren, die fremden Sitten, Bräuche und vielleicht sogar die Religion übernehmen müssen. Die emanzipierten Frauen werden wieder Gehorsam lernen müssen.

Holger, Mittwoch, 21.September, 23:44 Uhr

27. Seine Gastgeber zu töten oder verletzen das ist unverschämt, grober Undank

Versetzen Sie sich mal in einen Flüchtling der sich in seinem Heimatdorf tausende USD für die Schlepper von Verwandten und Freunden ausgeliehen hat und dabei versprochen hat es mit hohen Zinsen zurückzuzahlen. Jetzt melden sich seine Freunde und Verwandten täglich auf seinem Smartphone und fragen, ob er schon bei BMW arbeitet, dass sie das ausgeliehene Geld dringend brauchen, um Arzt und Medizin für ihre schwer kranke Frau oder Kind zu bezahlen. Was soll er machen, wenn er keine Ausbildung hat oder sogar ein Analphabet ist? Eine traurige aussichtslose Situation. Wohl auf die Fotos im Internet von Frau Merkel umarmt von Flüchtlingen in einem Asylwohnheim und das versprochene Asyl ohne Obergrenze reingefallen. Er kann ohne das ausgeliehene Geld als Versager und Kreditbetrüger nicht mal in seine Heimat zurückkehren. Kein Wunder wenn er eines Tages ausrastet und seine Gastgeber mit einem Messer angreift. Davor kann keine Polizei schützen.

Otto, Mittwoch, 21.September, 23:34 Uhr

26. Willkommenskultur, Menschlichkeit und Solidarität sind das wichtigste.

Deutschland wird neu besiedelt, die Bevölkerung wird ausgetauscht, keine merkt das, keiner begreift das. Willkommenskultur, Menschlichkeit und Solidarität sind viel wichtiger als neue höhere Steuern, Abgaben und Gebühren, wichtiger als Kolaps der gesetzlichen Krankenversicherung und wichtiger als Zerstörung des Sozialnetzes. Auch die IS-Kämpfer müssen wir vor der russischen Aggression schützen.