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Umstellung auf DVB-T2 Besser fernsehen übers Internet?

Manche Zuschauer wollen die Umstellung des digitalen Antennenfernsehens auf DVB-T2 nutzen, um sich gleich einen neuen Empfangsweg zu suchen. Eine dieser Varianten ist Internet-Fernsehen. Hier gibt es verschiedene Anbieter. Ihr größtes Problem ist immer noch: die Bandbreite.

Von: Christian Sachsinger

Stand: 20.03.2017

Fernsehen übers Internet (IP-TV) funktioniert dann gut, wenn die Datenrate bei der Übertragung stimmt. Muss das Fernsehbild in der Leitung "warten", ruckelt das Bild oder es bricht ganz ab. Besonders leicht tut sich hier die Deutsche Telekom. Da sie selbst Netzbetreiber ist, kann sie für ihr eigenes TV-Programm eine gewisse Bandbreite reservieren. Manch anderer Streaming-Anbieter wie Zattoo oder Magine TV haben diesen Vorteil nicht.

"Bei IP-TV geht es auch um Bandbreite. Das ist auch der Grund warum die Telekom da so gut im Geschäft ist, einfach weil sie dazu die passenden Anschlüsse hat. Und da ist es für Drittanbieter tatsächlich schwierig, mit der richtigen Bandbreite an den Start zu gehen."

Sven Hansen, Redakteur der Computerzeitschrift c't.

Waipu betreibt ein eigenes Glasfasernetz

Waipu-Gründer zeigt hauseigene Glasfasertechnik

Ende 2016 startete mit "waipu.tv" ein Angebot, bei dem dieses Problem auf ganz besondere Art gelöst wurde. Hinter Waipu steckt das Münchner Unternehmen Exaring, das sich mit einer Kabelverlegerfirma zusammen getan hat. Dieser Ein-Mann-Betrieb verfügt über 12.000 Kilometer langes Glasfasernetz, das er über viele Jahre hinweg quer durch Deutschland u.a. für die US-Army verlegt hatte. Folge: Waipu hat nun eine exklusive Datenrennstrecke, die nur für TV-Signale genutzt werden kann und das soll der Nutzer spüren.

Smartphone als Herzstück

Hauptempfangsgerät in der Wohnung ist ein mit dem WLAN-Router verbundenes Smartphone. Mit einer Wischbewegung übergibt man das TV-Bild vom Handy zu Hause an einen Streaming-Client, wie Google Chromecast oder Amazon Fire TV, der am Fernseher hängt. Zumindest bei der Produktpräsentation von Waipu ist das Fernseherlebnis einwandfrei. HD-Bilder kommen ruckelfrei auf alle Großbildschirme und das Zappen von einem Sender zum nächsten geht so schnell, wie man es beim terrestrischen Fernsehen kennt. Ob das alles zu Hause im Alltagsbetrieb auch immer so gut klappt, muss sich natürlich erst noch zeigen. Interessant jedenfalls: Bei Waipu kann man, ähnlich wie beim Angebot EntertainTV der Telekom, einen Film anhalten und auch einen virtuellen Videorekorder anstellen.

Unterwegs schauen klappt nur bedingt

Waipu, Zattoo und EntertainTV lassen sich zwar unterwegs nutzen. Allerdings leidet die Übertragung bei schwachem Empfang im Mobilfunknetz. Außerdem belastet das Online-TV das Datenkontingent ganz erheblich. Eine Stunde Fernsehen verzehrt zum Beispiel bei Waipu trotz Datenreduktion noch immer rund 500 MB. Am besten nimmt man Sendungen mit dem virtuellen Videorekorder auf und lädt sie sich auf das mobile Endgerät. Diese Downloadfunktion gibt es allerdings bislang nur bei der Telekom. Waipu hat sie in Planung.

Und was kostet's?

Screenshot der Zattoo-Seite | Bild: BR

Bei mehreren Anbietern bekommt man ein Grundangebot, in dem insbesondere die öffentlich-rechtlichen Sender enthalten sind, gratis. Wer die Privatsender braucht, bezahlt je nach Anbieter zwischen 5 und 15 Euro. Waipu bietet für für 15 Euro 50 Stunden Aufnahme, HD-Qualität und demnächst auch die Fussball-Bayernliga. Beim Entertain TV der Deutschen Telekom bekommt man für zehn Euro 180 Kanäle und kann alle Sendungen eine Woche lang nachträglich ansehen.


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